In diesem Augenblicke hörte man Tritte in dem Flur.

„Da kommt er vielleicht, dein schwarzer Schatz!‟ spöttelte Grete.

Doch das allgemeine Gelächter brach sonderbar jäh ab, als die Thür sich öffnete.

Ein riesiger Mann beugte sich unter dem Thürpfosten. Die grobe blaue Wolle, in die er gekleidet, ließ seine Glieder noch hünenhafter erscheinen — der Henning!

„Nur immer herein!‟ rief er zurück in den Flur. Und über die Schwelle trat ein Wesen, das in diesem Raum jeden Blick bannte, ein Mädchen! Eine schlanke, geschmeidige Gestalt, die dem Riesen kaum bis an die Brust reichte, in ein grellrotes Tuch dicht gehüllt; schwarzes, fettglänzendes, geringeltes Haar umrahmte ein dunkelbraunes Antlitz, in dem zwei große dunkle Augen wie Glühwürmer brannten. Goldene Ringe blitzten in den zierlichen Ohren aus dem Haargeringel. Es war weniger Scheu, als herber Trotz, Hochmut fast, der aus diesen Augen blickte. Rasch durchstreiften sie den engen Raum, um auf Lars haften zu bleiben.

Alles starrte mit offenem Munde auf die Fremde, auf die Tochter der Sklavin.

Etwas Schwüles, Gefahrdrohendes war mit ihr in die friedliche Stube getreten. Man dachte unwillkürlich an Schlangen und Giftpflanzen, an all die seltsame Mär von dem Wunderlande am Ganges, die manchen Winterabend ausgefüllt. Man schloß sich enger zusammen und faßte sich bei den Händen, als wolle man einen Bund schließen gegen sie.

Ein sauberes Kind! Ein nettes Püppchen! Und eine Heidin war sie sicher, so blickt kein Christenmensch!

„Habt ihr euch nun satt gesehen?‟ fragte der Henning lachend. „Das ist meine Tochter ‚Nizam‛. Hab' sie schon gemeldet am Gerichte, auch bei dem Pastor. Ist alles in Ordnung, verlaßt euch darauf. Und wenn ihr gute Christen seid, woran ich nicht zweifle, so nehmt das Kind in eure Mitte auf und macht ihm die neue Heimat lieb. Es liegt ja viel dazwischen, zwischen P... und ihrem Vaterlande. Das müßt ihr wohl bedenken, wenn euch manches fremdartig scheint an ihr. Sie ist wohl das beste Ding, und sprechen thut sie, als wäre sie hier geboren. — Na, Nizam, nur keine Scheu! Leg den roten Fetzen ab, unsere Wasseraugen vertragen nicht die grelle Farbe.‟

Das Mädchen öffnete zögernd den Schal, unter welchem sie ein schlichtes blaues Kleidchen trug.