Diese 2,5 m langen Bretter tragen an den beiden zugespitzten Enden roh geschnitzte Menschenfiguren und werden von dem Häuptling bis zum folgenden dangei-Fest, wo sie durch andere ersetzt werden, aufbewahrt.

Die dājung, welche über die ganze Dauer des Festes Gäste der Häuptlingsfamilie sind, zogen, zehn an Zahl, bereits am Vorabend des nangei in die Wohnung Akam Igaus und verkündeten den Geistern aus Apu Lagan, dass das Neujahrsfest angebrochen sei.

Als Willkommgruss und zur Anlockung der Geister hatte man vor dem noch geschlossenen Dachfenster (huwăbw) in der Häuptlingswohnung ein Bambusgefäss mit Esswaren befestigt und darunter alte Schwerter und Speerspitzen aus dem sehr geschätzten Eisen vom Balui oder Batang Rèdjang, von wo die Kajan es in früheren Zeiten mitgebracht hatten, aufgehängt. Aber nicht nur der Häuptling bereitete den Geistern einen festlichen Empfang, sondern aus allen Wohnungen der Wohlhabenderen wurden Tragkörbe mit kostbaren Gegenständen geholt und neben einander vor dem Fenster niedergesetzt, wo sie während der ganzen Festdauer verblieben.

Meine alte Freundin Usun gab jedesmal an, bei welcher Familie ein solcher Korb geholt werden musste; sie schien aber trotz ihrer priesterlichen Würde profane Empfindungen nicht ablegen zu können. Sie lebte nämlich mit einer ihrer Nachbarinnen, Anjè Do, in Unfrieden, weil diese ihr im Handel mit religiösen Gegenständen mir gegenüber stark Konkurrenz machte, und suchte sich jetzt dadurch an ihrer Feindin zu rächen, dass sie deren Korb nicht holen liess. Tipong Igau jedoch durchschaute den Gemütszustand der Alten und kam ihrem Gedächtnis zu Hilfe, so dass auch Anja Dos Korb zu seinem Rechte gelangte und wie die übrigen von den Frauen bei Fackellicht und unter Beckenschlag in die amin des Häuptlings getragen wurde.

Nachdem alle Körbe mit ihren Herrlichkeiten beisammen waren, bedeckten sich die Priesterinnen die Brust mit einem Tuche, öffneten das Dachfenster und hielten alle gleichzeitig an die Geister von Apu Lagan eine lange Ansprache, bei der Usun immer den Anfang machte. Das Gleiche geschah aussen auf der Galerie unter dem zweiten, ebenfalls geöffneten Dachfenster. Die Bedeutung dieser Rede war die, dass die guten Geister von Apu Lagan, angelockt durch alles Schöne, das man ihnen in den Körben zum Opfer brachte (natürlich nur zum Schein), den Bitten der dājung Gehör geben und durch das geöffnete Fenster in die Wohnung des Häuptlings eintreten und während der ganzen Festzeit im Stamme verweilen sollten.

Hierauf begannen die Priesterinnen um eine Kriegsmütze und einen Kriegsmäntel, die sie mitten auf eine Matte gelegt hatten, herumzulaufen; leider konnte ich wegen des ständigen Schlagens auf kupferne Becken nichts von ihrem Gemurmel verstehen.

Dangei-Hütte.

Am 3. Juni fand das eigentliche Fest statt. Die Frauen begannen beizeiten für eine genügende Menge Klebreis zu sorgen, der in gedörrter Form als ke̥rtăp, mit oder ohne Palmzucker, mit geräuchertem tāpā als Zuspeise, eines der beliebtesten Gerichte bildet. Die Männer beschäftigten sich inzwischen mit dem Aufrichten des dje̥he̱ nangei (Neujahrspfahl), den sie aus einem Fruchtbaum hergestellt hatten. Hierbei verfuhren sie folgendermassen: sie gruben auf dem Platze vor der Häuptlingswohnung ein Loch, in welches die Priesterinnen Reis, Fisch und Hühnerfleisch legten. Um diese Grube legten sie die vier tasu nangei als Diele für die Priesterinnen, die während der heiligen Handlungen den Erdboden nicht berühren durften. Nachdem die Oberpriesterin acht Mal (der heiligen Zahl entsprechend) um die anderen, die zusammengedrängt ebenfalls auf den Brettern standen, herumgelaufen war, fing sie durch eine Bewegung mit einem Stück weissen Kattuns eine Seele, wahrscheinlich die des Fruchtbaumes, warf sie schleunigst in die Grube und schloss diese mittelst eines mit Bananenblättern überzogenen Rotangringes von der Grösse der Grubenöffnung; das Blatt hatte sie zuvor mit einem alten Schwerte durchstossen.

Unterdessen liess eine zur Seite kauernde dājung, um die Geister auf die wichtige Handlung aufmerksam zu machen, zwei Bambusstäbe rhythmisch auf eine Matte niederfallen. Bei den Tönen dieses te̥ko̱k berichtete die Priesterin den Geistern von den Festplänen ihres Stammes, von seinen Nöten und Wünschen. Die zwei männlichen Priester hoben hierauf das Bäumchen, stellten es mit dem Gipfel voran in die Grube und pflanzten es fest, so dass seine etwas bekappten Wurzeln 3–4 m über dem Boden zu stehen kamen. Zu diesem Bäumchen fügten andere Männer, in gleicher Reihe und in gleichen Abständen, noch 7 andere Bäumchen hinzu und pflanzten dann eine zweite Reihe von 8 Bäumchen dieser gegenüber, in ungefähr 1½ m Entfernung. Beide Reihen wurden auf halber Höhe durch kleine Querbalken mit einander verbunden. An allen Bäumchen hatte man, etwas unterhalb der Wurzeln, eine Fläche mit 8 Einschnitten, deren Bedeutung mir unbekannt geblieben ist, angebracht. Auf die Querbalken wurden vier weitere Balken und auf diese die vier Bretter (tasu nangei), die vorher den Boden bedeckten, gelegt; so entstand oben, zwischen den zwei Reihen Pfählen, ein gedielter Raum. Das ganze Gerüst war so gestellt worden, dass man mittelst einer Treppe bequem aus der Häuptlingswohnung in diese kleine Kammer gelangen konnte. Die Wände der Kammer wurden mit meterlangen, kunstvoll hergestellten Spähnen aus besonderem Fruchtbaumholze gefüllt und der Raum schliesslich mit Bambuszweigen leicht beschattet. Zum Schluss wurde das Opfergerüst, dangei genannt, noch an den vier Seiten durch gekreuzte Balken gestützt und stand jetzt fix und fertig da. So bleibt das Gerüst nicht nur während der ganzen Festzeit, sondern auch während des ganzen folgenden Jahres stehen, bis Wind und Wetter es zum grössten Teil zerstören und sein Nachfolger es beim nächsten nangei völlig verdrängt.