Dem Auftreten der jungen Mädchen mit ihrem hudo̱ ădjāt ging eine obszöne Vorstellung eines Mannes voraus.
Mittags hatten mir bereits Paja, die zweite Tochter Akam Igaus, und deren Freundin mit viel Grazie vorgetanzt, um mich bei Tageslicht alles gut sehen zu lassen. Jetzt erschienen aber acht auf gleiche Weise verkleidete junge Mädchen. Beim trüben Schein der wenigen Harzfackeln und unter den sanften Tönen einer Art Mundharmonika, welche einer der Zuschauer spielte, gingen die Mädchen im Tanzschritt mit begleitenden Armbewegungen langsam hinter einander her. Nur zwei oder drei der Mädchen zeigten wirkliche Begabung zum Tanz und führten, für einen Kenner indischer Tänze, gefällige Bewegungen aus; die übrigen liefen mit eckigen, unverständlichen Gebärden nur so mit.
Mit einem letzten pongăn wurde die Zeit der Reissaat abgeschlossen und zugleich die des Jätens eingeleitet. Wir liessen uns nochmals, von der Wohnung des Häuptlings aus, mit einigen Priestern zum geweihten Reisfeld übersetzen. Dort wurden wiederum kawit verfertigt und unter dröhnendem Geläut der Gonge und Gemurmel in altem Kajanisch auf dem Opfergerüst zu den alten, bereits vertrockneten, hinzugefügt.
Inzwischen hatte die älteste Priesterin Usun mit einer Schaufel, an welche eine kawit gebunden worden war, auf dem Platze rings um den pe̥lale̱ gejätet, und nun begann auch die übrige Gesellschaft auf dem anderen Teil des Feldes zu jäten. Hierauf wurde das Feld nochmals mit einem Dekokt essbarer Blätter, in das wir vorher unsere Finger hatten tauchen müssen, besprengt und die Bambusgefässe zertrümmert zu den anderen gefügt. Nachdem die Kindertragbretter wieder mit kawit versehen worden waren, konnten wir befriedigt das andere Ufer aufsuchen, Opfer und Feld den Sorgen der aufgerufenen Geister überlassend. Gleichwie diese an den Herrlichkeiten auf dem pe̥lale̱, konnten wir uns zu Hause an einer Extramahlzeit von Klebreis, den die Frauen der Häuptlinge selbst gestampft hatten, erquicken.
So wurde jede weitere Behandlung des Reisfeldes mit religiösen und kulinarischen Zeremonien eingeleitet, während welcher der Gemeinde stets einige Nächte Verbotszeit und bestimmte Spiele vorgeschrieben waren. Wie wir gesehen haben, wurde während des Saatfestes Kreisel- und Maskenspiel vorgenommen; beim ersten Einbringen des Reises (lāli parei) beschoss man einander mit Lehmpfropfen aus kleinen Blasrohren—früher fanden dabei auch noch Scheingefechte mit hölzernen Schwertern statt—; während des Neujahrsfestes sind bei den Männern Wettkämpfe im Ringen, Hoch- und Fernspringen und Laufen im Schwange. Auch mit den Frauen wird unter grosser Fröhlichkeit gekämpft, wobei mit Wasser gefüllte Bambusgefässe die Hauptwaffen darstellen.
Den Glanzpunkt des Jahres bildet bei den Kajan das dangei, das Neujahrsfest; die Ernte ist dann völlig eingebracht und in allen Familien herrscht Überfluss. Die schönsten Kleider, die während des ganzen Jahres sorgfältig aufbewahrt liegen, werden hervorgeholt und die ganze Bevölkerung lebt 8 Tage lang nur ihrem Vergnügen. Beim nangei herrscht auch keine Verbotszeit, fremde Gäste sind im Gegenteil bei den Festen sehr willkommen. Alle wichtigen Familienereignisse, welche das Herrichten einer Festmahlzeit erfordern, werden in dieser Zeit des Wohllebens gefeiert: alle im Laufe des Jahres geborenen Kinder erhalten nun ihren endgültigen Namen; die bis dahin verschobenen Hochzeiten finden nun statt.
Die adat hat Jungverheirateten übrigens für die ganze Zeit vor dem gemeinsamen Neujahrsfeste so viel Verbotsbestimmungen vorgeschrieben, dass junge Leute, schon um allen diesen Unbequemlichkeiten in den Flitterwochen zu entgehen, erst kurz vor dem Neujahrsfest heiraten.
Begreiflicher Weise wurde im langen Kajanhause bereits lange vor dem Feste von nichts anderem als von den kommenden Tagen gesprochen, und mancher opferte viele Mass Reis, um von den Malaien noch etwas besonders Schönes zur Ergänzung seiner Festkleidung zu erhandeln.
In grossen Mengen wurde alles, was für die Mahlzeiten und religiösen Handlungen erforderlich war, aus Wald und Feld zusammengebracht; die Männer holten in Böten Brennholz und frischen Bambus herbei, die Frauen gingen gebückt unter der Last grosser Körbe mit Bananenblättern, welche als Unterlage für den zu stapelnden Reis und als Material für die pe̥māli dienen sollten.
Am 2. Juni wurde es Ernst: aus der Wohnung des Häuptlings, der die ganze Leitung und die Hauptkosten des Festes auf sich zu nehmen hatte, zogen 4 Mann aus, um einen Fruchtbaum zu fällen und 4 Planken daraus zu hacken, welche den Priestern bei den heiligen Handlungen als Diele (tasu nangei) dienen sollten.