Erst im letzten Augenblick traf Ju, der älteste Sohn des Häuptlings (Akam Igau hatte ihn seltsamer Weise, wie er angab, um ihm ein glücklicheres Dasein zu verschaffen, in Bunut Malaie, d.h. Mohammedaner werden lassen), mit seiner Frau ein, so dass ich, sehr befriedigt über meine Beharrlichkeit, mit der Gesellschaft heimkehrte.

Am ersten Tage des Saatfestes darf die ganze Bevölkerung, die sehr jugendliche und sehr alte abgerechnet, von 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends nicht baden (pongăn); hierauf folgt eine 8 nächtliche Ruhezeit (me̥lo̱), in der man weder arbeiten noch mit seiner Umgebung verkehren darf. Am 10ten Tage, dem ersten einer zweiten Periode von einem Tage und acht Nächten, folgt, wie am ersten, das pongăn, das Badeverbot. In der folgenden, achtnächtlichen Periode wird das grosse, eigentliche Reisfeld besät. Am roten Tage gilt wieder das pongăn, diesmal ohne folgendes lāli, und mit einem weiteren pongăn am loten Tage ist die Zeit der Reissaat abgelaufen.

Ausser dem grossen Festmahl am ersten Tage des Saatfestes und dem zweiten für die geringeren Leute am folgenden Tage haben die Kajan in der ersten Periode der Abgeschlossenheit noch allerlei andere Gelegenheit, um sich zu unterhalten. Sie lassen sich durch das erzwungene Niederlegen von Hammer und Beil, durch das Verbot, abends oder nachts ausser dem Hause zu verweilen, und durch die Abwesenheit von Fremden die Laune nicht verderben. Die Männer finden auch zu Hause in ihren Schnitz- und Flechtarbeiten, die Frauen in ihren geliebten Perlenarbeiten angenehme Beschäftigung. Ausserdem haben die jüngeren Leute mit den Vorbereitungen zu der am Ende der ersten Verbotszeit stattfindenden Maskerade viel zu tun.

Die Masken der Männer und die der Frauen sind ganz verschieden, stellen aber alle die bösen Geister dar. Die entsetzlichen Köpfe und lang behaarten Leiber, welche sie den Dämonen zuschreiben, veranschaulichen die Männer durch hölzerne Gesichtsmasken (hudo̱ kajo̱) und fein zerschlitzte Bananenblätter, die sie sich um den Leib wickeln. Die Frauen verfertigen sich Masken aus Tragkörben (hudo̱ ădjāt), indem sie diese cylinderförmigen, aus feinem Rotang geflochtenen Körbe mit weissem Kattun, auf den mit grossen Stichen ein menschliches Antlitz genäht ist, überziehen; zu beiden Seiten des Korbes befestigen sie die grossen Ohrgehänge der Kajan. Der Korb wird mit der Öffnung nach unter auf den Kopf der Trägerin gestülpt und diese bis zur Unkenntlichkeit mit Zeug umwickelt.

Während des Saatfestes unterhalten sich die Männer auch öfters mit dem Kreiselspiel (păsing). Die Kreisel sind oval, abgeplattet, glatt und 2 bis 3 kg schwer. Das Spiel besteht darin, dass einer den Kreisel (ăsing) seines Vorgängers mit dem seinigen aus dem Wege zu räumen versucht und zwar so, dass der eigene Kreisel sich dabei stets weiter fortdreht, bis auch er das Opfer des folgenden wird. Die älteren Männer benützen bisweilen mehrere Kilo schwere Kreisel aus Eisenholz; meist werden für die Festlichkeit neue Kreisel geschnitzt. Stets fand sich abends auf dem Platze vor der Häuptlingswohnung eine Gesellschaft junger, bis 30 Jahre alter Männer ein, die vor den weiblichen Zuschauern auf der Galerie in Kraftentfaltung und Geschicklichkeit mit einander wetteiferten.

Der achte Tag bot den Kajanmägen wieder etwas Besonderes, nämlich ein Festmahl mit dem beliebten Klebreis als Hauptgericht.

Am folgenden Tage sammelten die Frauen allerhand essbare Blätter in ihren Gärtchen und auf den Feldern. Wie bei allen religiösen Festen, dienten zum Kochen auch dieser Blätter frische grüne Bambusgefässe. Gegen Abend fuhren die Frauen ans jenseitige Ufer und besprengten die Erde des geweihten Reisfeldes mit dem Wasser, in welchem die Blätter gekocht worden waren. Nachdem sie die geleerten Bambusgefässe zerschlagen und die Trümmer neben dem Opfergestell niedergelegt hatten, kehrten sie befriedigt nach Hause zurück.

Der Tag des zweiten pongăn war der Maskerade gewidmet. Gegen Abend begannen sich die Hausbewohner auf der Galerie vor der Häuptlingswohnung zu versammeln und sich ein Plätzchen, von dem aus sie die kommenden Dinge gut beobachten konnten, auszusuchen.

Zuerst erschienen einige in grüne Massen zerschlitzter Bananenblätter verwandelte Männergestalten mit Holzmasken und Kriegsmützen und begannen schweigend, nach dem Rhythmus der Gonge, in der Weise der Javaner beim “tandak”, einen Tanz auszuführen. Es folgten noch mehr solcher Gestalten, von denen einige auch Kriegstänze nachahmten; infolge des grossen Gewichtes der Blättermassen ermüdeten sie jedoch bald, auch begleiteten sie ihre hohen Sprünge nicht mit Kreischen, wie bei den eigentlichen Kriegstänzen.

Bei Einbruch der Dunkelheit wurden diese Tänze von der aufregenden Vorstellung einer Wildschweinjagd abgelöst. Das Schwein stellte ein Mann dar, der sich einen aus Holz geschnitzten Schweinekopf aufgesetzt und einige Tücher umgebunden hatte; mit seinen gut nachgeahmten Bewegungen und Lauten machte er auch wirklich einen sehr schweineähnlichen Eindruck. Einige junge Leute funktionierten als Hunde, die den alten Eber zum Stehen gebracht hatten, und verursachten durch Anfallen, Zurückweichen und Kläffen einen entsetzlichen Lärm auf dem kleinen Platze. Die für gewöhnlich so ruhigen Kajan nahmen an dem Geschick des bawui (Wildschwein) lebhaften Anteil; es herrschte ein buntes Durcheinander, das sich bei gelegentlichen Seitensprüngen des Schweines mitten unter die weibliche Jugend noch erheblich steigerte. Trotz der Wildheit des seltenen Schauspiels war auch bei den jüngsten bis einjährigen Zuschauern von Angst und Schrecken nichts zu merken; aus aller Mund klang mir lautes, herzliches Lachen entgegen.