Auch für die übrigen Bewohner war alles Aussergewöhnliche in dieser Zeit verboten. Als in diesen Tagen ein von der Regierung mit der Impfung der Kajan betrauter Malaie aus Putus Sibau ankam, um hier seines Amtes zu walten, liess sich keiner von ihm impfen, obgleich man ihn selbst herbeigewünscht hatte. Erst einige Tage später kamen die Kajan, dann aber in Haufen heran.
Am siebenten Tage mussten die dājung in Gruppen von vieren in der eigenen Wohnung eine me̥lă abhalten, worauf am achten wieder ein me̥lo̱ folgte, nach welchem sie endlich ihr Armband der Verbotszeit (le̥ku lāli) endgültig ablegen durften. Diese Armbänder bestanden aus vier Reihen grosser, wertvoller Perlen, welche sie von der Häuptlingsfamilie als wichtigste Belohnung erhalten hatten.
Kapitel IX.
Fischreichtum des Kapuasgebietes—Fischereigerätschaften—Fang des tapa—Fang mit tuba-Gift—Jagd—Hunde der Bahau—Erträgnisse der Jagd—Vogelfang—Haustiere.
Die Bahau am Mendalam erfreuen sich, wie auch die anderen Stämme am oberen Kapuas, eines grossen Fischreichtums ihrer Gewässer. Fische bilden daher auch nach Reis ihr Hauptnahrungsmittel. Nicht nur der Kapuas und seine Nebenflüsse, sondern auch alle Seeen, die ihm ihr Dasein verdanken, sind reich an Fischen. Der Fluss schlängelt sich nämlich in zahlreichen Windungen durch das flache Land, verlegt bei Hochwasser öfters sein Bett, hier seinen eigenen Bogen abschneidend, dort wiederum einen neuen bildend, und lässt als Folge hiervon zu beiden Uferseiten zahlreiche Seeen von länglicher Form zurück. Bei Hochwasser, wenn ihnen die Flüsse schwerer zugänglich sind, fischen die Kajan vorzugsweise in diesen Flussseeen.
Die Kajan gebrauchen für den Fischfang folgende Gerätschaften die Angel (pe̥se̱); das Schöpfnetz (hiko̤̱p); das Wurfnetz (djăla); den Speer mit einer Spitze (bakir); den Speer mit mehreren Spitzen (se̥răpăng) und verschiedene Arten von Reusen; ausserdem fischen sie mit Fischgift (tuba).
Die Angel und das runde Wurfnetz werden täglich gebraucht; jene hauptsächlich von Kindern und alten Männern, dieses von erwachsenen, kräftigen Männern.
Je nachdem, ob es sich um den Fang grosser oder kleiner Fische handelt, gebrauchen die Bahau verschiedene Angelhaken. Die kleinsten stellen sie mit einem Widerhaken aus Kupferdraht her. Als ich ihnen Stecknadeln mitbrachte, die sie bis dahin noch nicht kannten, verwandelten die Kinder diese, indem sie sie umbogen, bald in Angelhaken. Auf meinen folgenden Reisen bildeten Fischangeln verschiedener Grösse für alt und jung sehr geschätzte Geschenke.
Die grossen bis sehr langen Angelhaken werden geschmiedet; man benützt sie hauptsächlich für Setzangeln, die man, mit Köder und Schwimmer versehen, den Fluss abwärts treiben lässt, während man selbst, beispielsweise, eine weiter unten gelegene Niederlassung besucht. Als Schwimmer dient ein trockener, hohler Kürbis.