Reusen werden besonders bei Hochwasser ausgesetzt und zwar an Stellen, wohin sich die Fische vor der heftigen Strömung geflüchtet haben. Diese Reusen haben meist die gewöhnliche malaiische Form; nur eine Art ähnelt einem runden Vogelbauer mit rundlicher Öffnung, in welcher ein am Aussenende geschlossenes Bambusrohr mit ebenfalls runder Öffnung oben steckt. Kleine Fische, durch den im Bambus befindlichen Reis angelockt, lassen sich dazu verleiten, in den Bauer zu schwimmen. Der Rückzug wird ihnen durch zusammeneigende Ästchen an der inneren Bambusöffnung abgeschnitten.
Auch der hiko̤̱p, ein kreisförmiges Stück Rotang von ½ m Durchmesser mit eingespanntem Garnnetz, wird hauptsächlich bei Hochwasser angewendet, um zwischen das Ufergras geflüchtete Fische zu fangen. hiko̤̱p und Reusen werden vorzugsweise von Frauen und Kindern benützt.
Die Kajan ziehen zwar grosse Fische vor, verschmähen aber auch die kleinsten nicht; diese werden auch vielfach zu Opferzwecken verwendet.
Da Salz auch am Mendalam sehr teuer ist, werden grössere Mengen Fische durch Trocknen und Räuchern über dem Feuer für längeres Aufbewahren präpariert.
Während bei allen vorhin besprochenen Arten von Fischfang nur wenige Personen beteiligt sind, vereinigen sich zum Fischen des tāpā die Bewohner eines oder mehrerer Häuser.
Der tāpā ist ein grosser, bis 1 m langer, dunkelbrauner Fisch mit sehr breitem, plattem Kopf und weit klaffendem Maul, bewaffnet mit mehreren Reihen scharfer Zähne.
Gegen August zieht der Fisch aus dem Hauptstrom in kleine Nebenflüsse, um dort zu laichen; die Kajan benützen diesen Augenblick, um hinter den bisweilen grossen Schwärmen das Flüsschen mittelst eines Heckwerks oder Netzes abzuschliessen.
Einem derartigen tāpā-Fang wohnte ich während meines ersten Aufenthaltes in Tandjong Karang bei, wo es einem Manne aus Tandjong Kuda glückte, einen Fischschwarm im Samus, einem rechten Nebenfluss des Mendalam, einzuschliessen. Am ersten Tage hatten die Hausgenossen des glücklichen Finders, unsere Nachbarn oben am Fluss, das Recht, so viel Fische zu fangen als sie gelüstete; den folgenden Tag sollten wir uns zum Feste aufmachen.
Man hatte auch mich zur Teilnahme aufgefordert, und, wie immer mit Stock und Revolver bewaffnet, nahm ich anderen Morgens früh in einem schmalen Nachen Platz, dessen Wände nur wenige Centimeter über das Wasser herausragten; ich musste mich daher sehr ruhig verhalten, wenn ich das Boot nicht zum Umkippen bringen wollte. Zwei junge Kajan ruderten, und so ging es schnell den Mendalam hinauf. Die Samusmündung lag weiter unten, aber das eigentliche Jagdgebiet befand sich am Oberlauf des Flüsschens, so dass wir, um zeitig das Ziel zu erreichen, erst ein anderes Nebenflüsschen hinauffahren und dann eine Strecke über Land gehen mussten. Der Weg führte, nach dajakischer Weise, mehr über liegende Bäume als über mit Gras und Gestrüpp bedeckten Boden. Bald bildeten die Bäume den einzigen passierbaren Weg; zu meinem Erstaunen lagen sie aber nicht, wie gewöhnlich, der Äste beraubt am Boden, sondern teilweise über einander und zwar so, dass der nur wenig abgekappte Gipfel des einen Baumes auf dem Fussende des folgenden ruhte und der so entstandene Baumpfad bis zu 4 m hoch über dem Erdboden lag. Er führte nämlich zu früheren Reisfeldern durch einen Wald, der so nass und morastig war, dass man mit bewundernswerter Geschicklichkeit den einen Baum über den anderen hatte fallen lassen und, nachdem die hinderlichsten Äste entfernt waren, einen Pfad geschaffen hatte, auf dem man niemals den Boden berührte. Es lagen hier Baumriesen von mehreren Metern Durchmesser, auf denen man mühelos 40 m weit gehen konnte; dann trat man aber auf andere, deren glatte, hellgraue Stämme zwar sehr schön anzusehen waren, in dieser beträchtlichen Höhe von einem beschuhten Europäer jedoch nur mit einer gewissen Kaltblütigkeit begangen werden konnten. Besonders kritisch wurde die Situation beim Überschreiten der oberen, dünnsten Stammenden, an denen Äste gesessen hatten; da die hinter mir gehenden Kajan ihren Schritt dann etwas mässigen mussten, wurden die Schwingungen unseres Pfades unregelmässiger und wir liefen Gefahr, das Gleichgewicht zu verlieren. Letzteres war jedoch nicht wünschenswert, denn unter uns lagen zwischen dornigem Gesträuch die abgehackten Äste übereinander, so dass ein Fall bedenkliche Folgen gehabt hätte. Glücklicher Weise betrat ich hier nicht zum ersten Mal einen Baumpfad im Morastwalde, aber 1½ Stunden hintereinander, wie hier, war ich noch nicht auf solchem Wege marschiert und so hielt ich mich vor Ermüdung kaum noch auf den Füssen, als wir endlich wieder den Boden betraten. An meinen Begleitern bemerkte ich jedoch keine Ermattung, sie wären auch zu sehr von der freudigen Erwartung des bevorstehenden Fischfangs erfüllt, um sich in die Schwierigkeiten hineinzudenken, die ein solcher Gang über glatte Baumstämme ohne stützendes Geländer dem schuhbedeckten Fusse eines Europäers bereiten musste.
Der Marsch durch ein verlassenes, dicht bewachsenes Reisfeld zählte für gewöhnlich schon zu den Prüfungen, jetzt jedoch erschien er mir wie eine Erholung.