Haben die Bewohner eines Kajandorfes beschlossen, einen Fluss mit tuba abzufischen, so wird alles lebendig; denn um eine für alle genügende Menge Fische zu fangen, muss auch jede Familie ihren Teil tuba liefern. Man zieht daher in grossen Scharen zur ladang und sammelt dort die schwarzen, fingerdicken Wurzeln, die man zu Bündeln von 1 Fuss Länge und 2 dm Dicke vereinigt. Binnen weniger Tage, wenn ungefähr 200 Bündel zusammengebracht worden sind, kann der Fischzug in einem Flüsschen beginnen.

So fuhren eines Tages bei Sonnenaufgang viele Männer mit der tuba in Böten an den Platz voraus, wo der Fang stattfinden sollte. Etwas später begaben sich auch die Frauen, Mädchen und Knaben zum Fluss und auch ich nahm in einem der schwankenden Fahrzeuge Platz, in welchem mich einige Männer flussaufwärts ruderten.

Der Schauplatz der Jagd war ein kleines Flüsschen, in dem unser Nachen bald hier bald dort über eine Geröllbank geschoben werden musste.

Das nur 20 m breite Gewässer schlängelte sich, von den Uferbäumen völlig überdacht, zwischen urwaldbedeckten Hügeln hindurch. Nach einstündiger Fahrt, als das Boot nicht weiter konnte, führte uns ein Waldpfad längs dem Ufer weiter hinauf. An einer buchtartig verbreiterten Stelle des Flusses stiessen wir zu den Männern, die damit beschäftigt waren, die tuba durch Klopfen in eine weissliche, faserige Masse mit scharfem, betäubenden Geruch zu verwandeln. Inzwischen hatten sich die übrigen Teilnehmer in malerischen Gruppen auf den Uferfelsen gelagert. Die erfreuliche Aussicht, die Fische auf bequeme Weise überlisten und verspeisen zu können, schien vor allem die Frauen und Mädchen fröhlich zu stimmen. Sie hatten alle Schöpfnetze (hiko̤̱p) mitgenommen, während die Männer, ausser mit ihren gewöhnlichen Waffen, auch mit den gleichen Harpunen wie bei der tapa-Fischerei ausgerüstet waren. Jedem hing ein Rotangkorb über der Schulter; im übrigen waren sie in ihren Bewegungen nicht durch übermässig viele Kleider gehindert: die Männer trugen nur ein kleines Lendentuch, die Frauen nur ein Röckchen.

Nachdem das Klopfen beendet war, begaben sich die Männer mit den gefüllten Körben reihenweise in den Fluss und spülten, den Bach durchquerend, die geklopften tuba-Wurzeln im Wasser aus. Das milchweiss aus der faserigen Masse strömende Wasser färbte den Fluss in seiner ganzen Breite, während der betäubende Geruch des tuba-Giftes sich doppelt stark in der Umgebung fühlbar machte. In dem breiteren und zugleich sehr tiefen Teil des Flussbettes strömte das Wasser nur langsam und das Gift hatte Zeit, sich bis auf den Grund mit der ganzen Wassermasse zu vermengen.

Die Wirkung zeigte sich schon nach wenigen Minuten bei den kleinen Fischen, die nach oben kamen, aus dem Wasser zu springen suchten und gleich darauf ihren weissen Bauch statt ihres oft prächtig metallglänzenden Rückens sehen liessen. Dies war für alle ein Zeichen, sich mit Schöpfnetzen und Harpunen in Bewegung zu setzen; man verteilte sich im Fluss, die Jugend längs dem Ufer, die Älteren in der Mitte. Doch nach kurzer Zeit war von der anfänglichen Ordnung nichts mehr zu merken. Die allerdings etwas betäubten, aber durchaus nicht bewegungslosen Fische konnten nur mit viel Gewandtheit gefangen werden und so musste man sich bald ihnen vorsichtig nähern, bald ihnen nachtauchen oder über Flussgeschiebe nachsetzen.

Alles lief, fiel und tauchte durcheinander; hier holte einer ein schönes Exemplar mühelos zwischen Flussgestein hervor, dort sahen drei andere etwas Weisses sich im Wasser bewegen und warfen sich von allen Seiten auf die erschreckte Beute, die gerade noch Zeit hatte, unterzutauchen und durch eine rasche Wendung den dreien zu entschlüpfen, um etwas weiter unten in das Netz eines ruhigeren Fischers zu geraten, der sich das Tier bedächtig zutreiben liess.

Anfangs kamen nur wenig grössere Fische nach oben; entweder waren sie nur in geringer Zahl vorhanden oder sie widerstanden besser der Wirkung des Giftes und entschlüpften den zahlreichen Verfolgern.

Langsam zog das vergiftete Wasser abwärts und gleichzeitig mit ihm die fröhliche Schar, der auch ich mich angeschlossen hatte. Ans Fischen konnte ich jedoch nicht denken; denn bekleidet und beschuht durch einen Bergstrom zu waten ist ohnehin schon eine schwierige Aufgabe; zudem wurde der Fluss hie und da so tief, dass ich bis zur Brust einsank und mich auf dem schlüpfrigen Geröll nur mit Mühe aufrecht hielt. Zum Glück strömte das vergiftete Wasser, aufgehalten durch die vielen Steinblöcke, nur langsam weiter und man hatte Zeit, ihm zu folgen. 1½ Stunden lang gingen wir so weiter, geleitet vom tuba-Geruch, den wir bis zuletzt wahrnahmen. Ober- und unterhalb des vergifteten Wasserstreifens verschwand der lästige Reiz in der Nase, der übrigens keinem gefährlich zu sein schien. Endlich wurde das Wasser zu tief, um darin waten zu können, und ich schwang mich in ein am Ufer liegendes Boot und liess mich abwärts treiben.

Das Schauspiel gewann immer mehr an Lebhaftigkeit, denn jetzt kamen die grossen Fische zum Vorschein, deren Fang bisweilen viele Schwierigkeiten bereitete. Mit erstaunlicher Schnelligkeit und Sicherheit tauchten die Männer den Tieren nach, trafen sie im klaren Wasser mit dein Speer und brachten die Beute im Triumph nach oben.