Die Frauen und Mädchen gaben übrigens dem stärkeren Geschlechte an Geschicklichkeit nichts nach und tauchten mit dem gleichen Erfolge auch unter den Böten durch, um ihre Schlachtopfer zu erjagen.

Nicht leicht werde ich das liebliche Bild vergessen, das mir ein Kajanmädchen bot, als es plötzlich neben meinem Nachen aus dem Wasser auftauchte. Ich hatte die Kleine nicht verschwinden sehen und erblickte nun unversehens ihr liebes Gesichtchen mit den freudestrahlenden Augen, umgeben vom lang herabhängenden, schwarzen Haar, das ihr wie ein triefender Mantel über dem Rücken hing und das helle Braun der wohlgeformten Schultern und des Busens um so schöner hervortreten liess. Nicht ohne Koketterie erhob sich das Mädchen halb aus dem Wasser und eilte darauf mit dem erbeuteten Fisch dem Ufer zu.

An der Einmündung in den Hauptfluss schien sich das langsam herbeiströmende Wasser zu stauen; wenigstens kamen eine Menge grosser Fische betäubt an die Oberfläche und gaben den Männern mit ihren Harpunen genug zu tun. Auf einer verhältnismässig kleinen Fläche mehrere Meter tiefen Wassers schwammen und tauchten alle durcheinander und warfen in ihrer Verfolgungswut die Harpunen mit solcher Schnelligkeit, dass nur wie durch ein Wunder keine Verwundungen vorkamen. An diesem letzten gefährlichen und anstrengenden Spiel beteiligten sich die Frauen nicht mehr, sie suchten befriedigt vom Erfolg des Tages die Böte auf und legten sich triefend und ermüdet, aber doch fröhlicher Stimmung, neben ihren Fischen nieder.

Während des ganzen Fischzugs hatte ich mich an der allgemeinen Heiterkeit und Einigkeit erfreut; durch keinen einzigen Misston war die Harmonie unterbrochen worden. In dieser günstigen Gemütsverfassung zeigten sie mir auf Wunsch des Häuptlings ihre Schätze, so dass ich bald 30 verschiedene Fischarten für die zoologische Sammlung beieinander hatte. Die Exemplare waren zwar meist klein, aber bei keiner Gelegenheit so bequem zu erlangen als bei dieser.

Dass ein Flüsschen durch eine derartige tuba-Fischerei gänzlich ausgefischt wird, kann man sich vorstellen; die jüngsten Fischchen leiden am meisten unter dem Gift und es dauert daher lange, bis sich der Fischstand wieder erholt. Darum bekümmerten sich die Dajak jedoch nicht, sondern fuhren allgemein befriedigt den Fluss hinab. Zu Hause angekommen kleidete ich mich schnell um und vergass bald, dass ich einen halben Tag in triefenden Kleidern gesteckt hatte.

Sind die abzufischenden Flüsse grösser und tiefer, so schliesst man ihre Mündung mit einem hohen Bambusgitter, dessen Stäbe eng beieinander stehen, ab, um die grossen, nur halb betäubten Fische aufzuhalten. Dann spielt sich die Jagd wegen der Gefahr, durch Fische oder zufällig aufgejagte Krokodile verwundet zu werden, in Böten ab. Zum Schluss sammeln sich alle Fischer vor dem Gitter, das hinten mit Bambuskörben und Netzen versehen ist, um die Fische, welche hinüberzuspringen versuchen, aufzufangen. Bei dieser Gelegenheit sah ich einzelne Fische unglaublich hoch springen. Exemplare von etwa 1 Fuss Länge und auch einige grosse Arten schnellten plötzlich zwischen den Böten empor und verschwanden hinter der mehr als 2 m hohen Bambuswand. Die weniger guten Springer fielen in die Körbe und Netze.


Die Jagd spielt bei den Bahau am Mendalam nur eine nebensächliche Rolle: begeben sich die Männer aufs Reisfeld oder in den Wald, so werden die Hunde stets mitgenommen und zeigt sich Wild, so wird darauf Jagd gemacht.

Aus dem Begriff “Wild” schliessen die Bahau alle Tiere aus, die sie nicht essen dürfen, wie Horntiere, graue Affen und Schlangen. Als Wildpret kommen daher hauptsächlich Wildschweine, verschiedene Wildkatzen, kleinere Säugetiere und hühnerartige Vögel in Betracht. Besonders erstere sind als Wild sehr beliebt, auf meiner ersten Reise waren sie aber noch selten; eine heftige Epidemie in den Jahren 1888 und 1889 hatte nicht nur die wilden, sondern auch die zahmen Schweine in Mittel-Borneo fast ausgerottet.

Eine wichtige Rolle spielen bei der Jagd die Hunde, die sich trefflich zum Aufspüren und Stellen des Wildes eignen. Sie wagen sich aber nur an kleinere Tiere heran, da sie nicht über 1 Fuss hoch werden; grössere Schweine bellen sie nur aus einiger Entfernung an oder sie bemächtigen sich ihrer Jungen.