Befördern der Böte über einen Wasserfall im Bulit.

Die Gesellschaft musste so schnell nach oben flüchten, dass einige ihr Hab und Gut nicht mehr in Sicherheit bringen konnten und zusehen mussten, wie ihre Tragkörbe mit dem so kostbaren Inhalt von dem Strome fortgerissen wurden. Während des folgenden Tages stieg und fiel das Wasser abwechselnd. An eine Fahrt auf dem Bulit war nicht zu denken, daher widmeten wir uns ganz dem Ordnen des Gepäckes, das uns, seines Umfanges wegen, trotz der ansehnlichen Trägerzahl für den Landtransport viel Schwierigkeiten verhiess. Daher kam Akam Igau mit dem Vorschlag, nicht wie auf der letzten Reise südlich vom Berge Lĕkudjang zum Pĕnaneh zu ziehen, sondern durch das Tal des oberen Bungan und seines Nebenflusses, des Betjai, nördlich vom Lĕkudjang, den Howong, einen Nebenfluss des Mahakam, zu erreichen. Der Weg über den Pĕnaneh führte nämlich über die zahlreichen Bergrücken, welche die südlichen Quellflüsse des Bungan trennen, ausserdem waren die Pnihing, die früher am oberen Pĕnaneh wohnten und uns auf der Reise 1896 die erste Hilfe im Mahakamgebiet geleistet hatten, inzwischen an einen weiter unter am Fluss gelegenen Ort gezogen, so dass wir diesmal einen viel weiteren Weg selbständig zurückzulegen gehabt hätten als damals.

Um an den Howong zu gelangen, konnten wir erst dem Bungan und dann dem Bĕtjai bis zur Wasserscheide folgen, hatten diese dann auf bequemem Pfade zu überschreiten und zum Howong hinunterzusteigen. Dort wohnte seit langer Zeit ein Pnihingstamm, der uns beim Transport helfen und nötigenfalls auch mit Reis versehen konnte.

In Anbetracht dass auch Georg Müller im Jahre 1825 diesem Weg, allerdings in umgekehrter Richtung, gefolgt war und dass er überdies für mich neu war, ging ich gern auf Akam Igaus Vorschlag ein, und wir beschlossen, nur bis zum pangkalan (Halteplatz beim Beginn des Weges zum ...) Howong den Bulit aufwärts zu fahren und nicht, wie in den Jahren 1894–1896, erst vom pangkalan Mahakam aus den Landzug zu beginnen.

Gegen Abend fiel das Wasser ständig und wir hofften, unsere Fahrt am anderen Morgen auf dem nur 15 m breiten Flüsschen bei einer für unsere Böte genügenden Tiefe des Wassers fortzusetzen.

Alles auf einmal zu transportieren war jedoch unmöglich, daher sollten der Sergeant Duni und ein Schutzsoldat Bajan mit einigen kranken und auf der Reise verwundeten Kajan beim Reis zurückbleiben und später vom pangkalan Howong aus abgeholt werden.

Am ersten Tage begegneten wir Bungan Dajak, die auf der Reise nach Putus Sibau begriffen waren. Sie zeigten sich anfangs scheu, obgleich ich bereits auf der früheren Reise mit ihnen verkehrt hatte. Augenscheinlich fürchteten sie unseren Zorn, weil sie den Malaien Adam ermordet hatten. Ich wusste aber, dass dieser Adam, ein aus Sĕrawak entflohener Bandit, diese schwachen Stämme entsetzlich betrogen hatte, dass er sich sogar als Repräsentant der Regierung aufgespielt und sich als solcher vieler vom Mahakam stammender Güter bemächtigt hatte; ausserdem hatte er im Jahre 1896 alles getan, damit unsere Expedition von den Mahakamstämmen schlecht empfangen würde. Ich beruhigte die Leute über die Folgen ihrer Tat und beschloss, um Zeit für die Erneuerung unserer Bekanntschaft zu gewinnen, erst kochen und das Nachtlager aufschlagen zu lassen. Nachdem sich die Bungan beruhigt hatten, erzählten sie mir, dass Adam sehr schlecht gegen sie gewesen sei. Als sie einst gemeinsam von Putus Sibau, wohin sie sich begeben hatten, um Handel zu treiben und den Kontrolleur zu sprechen, zurückkehrten, liess Adam nicht zu, dass sie die mitgebrachten Waren in ihre Hütten brachten, sondern zwang sie, einen Teil ins Wasser zu werfen. Einen kleinen Knaben, der noch etwas von den Schätzen retten wollte, verwundete er mit dem Schwerte, worauf dessen älterer Bruder einen vergifteten Pfeil auf ihn abschoss. Nun fassten auch die anderen Mut und beschossen ihn mit Pfeilen; sie wagten aber nicht, sich ihm zu nähern, und so hatte er noch Zeit gehabt, sich bis zu einer Felsenhöhle fortzuschleppen, wo er sein Leben endete.

Stalaktiten am Liang Bubuk.