Kapitel XIV.
Verkehr mit den Eingeborenen—Einkauf von Ethnographica—Sammeln und Konservieren von Tieren und Pflanzen—Sammlungen und Untersuchungen auf geologischem Gebiet—Topographische Aufnahmen—Photographie.
Obgleich die Verhältnisse, unter denen die Eingeborenen von Mittel-Borneo leben, derart sind, dass diese selbst den Schutz eines höher stehenden Volkes herbeiwünschen, machen sich ihre ängstlichen Gemüter doch allerhand entsetzliche Vorstellungen von dem, was geschehen könnte, wenn die ihnen so fremden Weissen, die so mächtig sind, dass sie in Krankheitsfällen und auf gefährlichen Bergspitzen den bösen Geistern zu widerstehen vermögen, in ihr Land einziehen. Um daher einen politischen Einfluss auf die Stämme zu gewinnen, mussten wir nicht nur alles vermeiden, was bei ihnen Unwillen oder Schreck erregen konnte, sondern auch alles daransetzen, um ein vertrauliches Verhältnis mit ihnen anzubahnen.
Nach meiner ärztlichen Praxis waren es die Samenlungen auf den verschiedenen Gebieten der Wissenschaften, die uns mit der Bevölkerung in intimen Verkehr brachten. Sie boten ausserdem einen zweiten grossen Vorteil, indem sie den Teilnehmern der Expedition, sowohl den weissen als den farbigen, ständig Beschäftigung verschafften. Für einander fremde, auf niedriger Entwicklungsstufe stehende Menschen ist es ungemein schwierig, unbeschäftigt lange Zeit friedlich miteinander zu verkehren.
Da. ich nun hauptsächlich Malaien bei mir hatte, die als Mohammedaner ohnehin auf die heidnischen Bahau herabsehen und von alters her daran gewöhnt sind, auf deren Auffassung von Eigentum, Anstand u.s.w. nicht zu achten, trachtete ich von Anfang an danach, meine Leute durch Ableitung in Banden zu halten. Eine grosse Versuchung bildete für meine stattlichen Reisegenossen auch der Umgang mit den Frauen, von denen sich besonders die Mädchen für sie interessierten und die, bei der grossen Freiheit, die sie in dieser Beziehung in ihrer Gesellschaft geniessen, aus ihren Gefühlen keinen Hehl machten.
Kajanknaben vom oberen Mahakam.
Nachdem ich die Leute anfangs selbst auf die grosse Gefahr eines Verkehrs mit Frauen hingewiesen hatte, waren sie später verständig genug, zu Eifersucht und eventuellen Racheakten keinen Anlass zu geben.
Unsere Sammlungen brachten der Bevölkerung einen bedeutenden materiellen Vorteil, denn für die dafür erforderlichen Exkursionen hatten wir Führer und häufig auch Träger nötig, so dass viele Männer monatelang bei uns einen Verdienst fanden; inzwischen fingen die Frauen und Kinder während der Feldarbeit allerlei Tiere, die sie uns für Nadeln, Perlen und andere kleine Dinge verkauften. Jeder, der sich photographieren liess, bekam eine Belohnung, und selbst, wenn der eine oder andere etwas Interessantes erzählt hatte, verlangte er nachher eine Kleinigkeit.