Die Beziehungen mit der Aussenwelt, die hauptsächlich den Verkauf der eigenen und den Kauf fremder Produkte zum Zwecke haben, werden meist von den Bahau selbst unterhalten, die, wenn ihre Arbeiten es zulassen, besonders in Zeiten niedrigen Wasserstandes, in einem oder mehreren Böten Handelszüge unternehmen. Für derartige Reisen vereinigen sich stets Leute desselben Stammes.

In der Regel bildete Udju Tĕpu, der Stapelplatz der Buschprodukte und Endpunkt der Dampferverbindung auf dem unteren Mahakam, das Ziel der Reise. Früher suchten die Stämme aus den oberen Gebieten ihre Webereien, Reis, Eisenwaren und Böte bereits unterwegs zu verkaufen; jetzt sind Webereien, Reis und Eisenwaren wegen der Zufuhr von unten nicht mehr viel wert; neben Geld bilden in Udju Tĕpu augenblicklich Böte, Guttapercha, Rotang, Bezoarsteine und Rhinozeroshörner brauchbare Tauschartikel. Ihrer Bedeutung nach geordnet bedürfen die Bahau folgender Artikel: Salz, Kattun, Tabak, Perlen, Eisenwaren und Tempajan.

In früherer Zeit bestand für alle diese Artikel durchaus kein fester Preis. Dieser wurde auch hier durch Nachfrage und Angebot und in noch höherem Masse durch die Persönlichkeit des Käufers und Verkäufers bestimmt. Buginese und Bahau standen einander gegenüber. Da jener im Handel kein Gewissen kennt und dieser, besonders auf fremdem Boden und in fremder, gefürchteter Umgebung, sehr leicht eingeschüchtert wird, wurde er stets auf die gröbste Weise betrogen.

Um von dem, was die Bahau für ihren wichtigsten Lebensartikel bezahlen müssen, eine Vorstellung zu geben, möge hier ein Fall unter vielen angeführt werden, den ich selbst erlebte und zwar mit der Autorität eines Europäers gegenüber diesen eingeborenen Kaufleuten. Der Sultan von Kutei in Samarinda verkauft das monopolisierte Salz an der Mündung für fl. 9 den Pikol (61,75 kg), in Tĕpu bezahlt man hierfür, je nach Umständen, in Geld fl. 12.50 und mehr, bei den Wasserfällen betrug der Preis im Jahre 1897 in Geld fl. 25 bis 30, während ich am Blu-u bei den Malaien das Salz nur für fl. 1.50 bis 2.50 pro Kilo kaufen konnte.

Javanischer Tabak, der in Samarinda mit fl. 13 bezahlt wird, kostet bei den Wasserfällen fl. 35 bis 40; weiter oben verlangen die Malaien sogar 60 fl. und mehr.

Die Dauer der Handelsreisen ist eine sehr verschiedene, weil sie auf der Strecke zwischen Long Tĕpai und Long Bagun durch den Wasserstand bestimmt wird. Werden die Böte hier nicht aufgehalten und sind sie nicht zu schwer beladen, so kann man in 5 Tagen von Long Blu-u nach Udju Tĕpu reisen und in 10 Tagen von hier wieder zurück sein. So günstige Umstände findet man aber nur sehr selten. Meist dauert ein solcher Zug über einen Monat. Die Verbindung mit dem Murung ist noch viel ungünstiger. Wenn möglich sucht man die nötigen Gegenstände in Muara Laung am Murung einzukaufen, wohin man sich vom oberen Mahakam aus auf verschiedenen Wegen begeben kann. Erstens vom Kaso aus, der für die kleinen, bis zu i o m langen Böte der Bahau längs der Niederlassungen der Sĕputan gut befahrbar ist. Nachdem man 3 Tage lang den Fluss hinaufgefahren ist, kann man das Boot in einem halben Tag über die Wasserscheide ziehen bis zu einem Nebenflüsschen des Busang, eines Nebenflusses des Djoloi, welch letzterer wiederum in den Murung mündet. Wegen der zahlreichen grossen Wasserfälle folgt man diesem Wege mir selten, um Muara Laung zu erreichen, sondern meist um in den höher gelegenen Gebieten den Buschproduktensuchern Reis zu verkaufen, für den sie einen sehr hohen Preis an Guttapercha und Geld bezahlen. Zweitens kann man den Murung vom Tjĕhan aus erreichen, der viel schiffbarer als der Kaso ist. Der Landweg dauert hier aber für einen nicht zu schwer beladenen Bahau 3 bis 4 Tage und führt über den Batu Lĕsong zum Busang, der wegen zahlloser Wasserfälle ein sehr schlechtes Fahrwasser bietet. Auch vom Blu-u aus folgt man bisweilen diesem Wege und zwar, indem man ein linkes Nebenflüsschen, den Ikang, an dem früher eine kleine Kajanniederlassung lag, hinauffährt. Weiter folgt man aber dem gleichen Pass des Batu Lĕsong, der dort ungefähr 1800 m hoch ist. Die Passhöhe beträgt über 1000 m. Der gebräuchlichste Weg nach Muara Laung ist jedoch der, östlich vom Batu Lĕsong längs des Pahngè und Bĕlătung, eines Nebenflusses des Murung. Dieser Weg führt zwischen dem Batu Lĕsong und Batu Ajo hindurch, die hier durch einen sehr niedrigen Pass geschieden sind. Der Bĕlătung ist zwar gut schiffbar, weil er keine hohen Wasserfälle besitzt, aber der Fall ist so bedeutend, dass man, um Gepäck und Menschen abwärts zu bringen, Flösse baut, auf denen alles festgebunden wird. Mit langen Rudern sucht man dann die Mitte des Stromes zu halten, gelingt dies nicht, so zerschmettern die Flösse und alles ist verloren.

Die Fahrt den Bĕlătung aufwärts ist nur bei sehr niedrigem Wasserstande möglich. Dieser Weg wurde bereits in früheren Zeiten viel benützt, um vom Mahakam aus nach dem Murung und weiter Köpfe jagen zu gehen; daher trägt das Gebirge den Namen Batu Ajo (ajo = Kopfjagd). In späteren Jahren sind diese Wege meistens von Buschproduktensuchern aus den Gebieten des Murung, Bĕlătung und Busang begangen worden, die sich zum Mahakam begaben, um dort Reis und andere Lebensmittel einzukaufen.

Die Reisen nach den malaiischen Niederlassungen am Murung dauern in der Regel viele Monate, und die Beschaffung von Salz, Tabak und Leinwaren ist des Transportes wegen sehr schwierig.

Die Bahau vom oberen Mahakam unterhielten längs des Penaneh und Howong auch mit dem Kapuasgebiet Handelsbeziehungen, aber wegen der grossen Entfernung und der früheren ungünstigen Handelsverhältnisse kamen sie nur selten hin. Dagegen kamen die Mendalambewohner und die Taman öfters nach dem oberen Mahakam, um Schwerter, Schwertgriffe, Matten und alte Perlen einzukaufen.

Die günstigen Handelsverhältnisse, welche der Radja von Sĕrawak am Batang-Rèdjang geschaffen hat, brachten besonders die Pnihing und Kajan dazu, den Beschwerden der Reise Trotz zu bieten. Um ihr Ziel zu erreichen, müssen sie den Mahakam hinauffahren, was 9 bis 60 Tage dauert, ferner längs des Sĕliku auf einer Höhe von 1100 m. die Wasserscheide überschreiten, um nach zweitägiger Fahrt den Njangejan abwärts nach Fort Kapit zu gelangen.