Die einflussreiche Stellung der Long-Glat beruht, ausser auf der Überlieferung ihrer früheren Oberhoheit, auch darauf, dass Glieder ihrer Häuptlingsfamilie in diejenigen der Pnihing, Kajan, Ma-Suling und der abhängigen Stämme, mit denen sie zusammenwohnen, verheiratet wurden. Diese Verhältnisse wurden noch dadurch begünstigt, dass die Long-Glat-Häuptlinge, bald nachdem sie den Mahakam hinuntergezogen waren, von den Malaien die Vielweiberei annahmen, eine Sitte, die weder bei ihren Vorfahren herrschte noch bei irgend einem anderen Stamme besteht, die ihnen aber eine zahlreichere Nachkommenschaft sichert. Als Abkömmlinge der Long-Glat sind auch die letzten Kajanhäuptlinge dieser Sitte gefolgt.
Bildeten die Stämme am oberen Mahakam, wie wir gesehen haben, früher unter der Long-Glat-Herrschaft eine politische und später eine mehr oekonomische Einheit, so blieben sie doch von einer Berührung mit den Nachbarländern nicht gänzlich ausgeschlossen.
Weiter oben ist bereits erwähnt worden, dass im Beginn des 19. Jahrhunderts nach dem Kapuas, Barito und mittleren Mahakam Kriegszüge unternommen wurden, während sich später, bereits vor 1825, ein Teil der Long-Glat unterhalb der Wasserfälle niederliess. Hierdurch wurden freundschaftliche Beziehungen mit den südlicheren Gebieten angeknüpft. Mit den Bewohnern am Barito, Kapuas und Batang-Rèdjang blieb das Verhältnis lange feindlich, so dass dorthin, wenigstens von den Kajan, Ma-Suling und Long-Glat, nur selten Handelszüge unternommen wurden. Unter den Kajan war der Häuptling Kwing-Irang der erste, der sie vor ungefähr 30 Jahren nach dem Batang-Rèdjang geleitete, wo der Radja von Sĕrawak geordnetere Zustände geschaffen hatte. In jener Zeit wurden aber die Beziehungen, die man mit dem Apu Kajan noch stets unterhalten hatte, abgebrochen, weil die Kriege unter den Kĕnja selbst einen Zug in ihr Gebiet zu gefährlich machten. Bemerkenswert ist, dass, obwohl die Bahau nach dem Barito und Kapuas oft Kopfjagden unternahmen, von dort aus, so viel ich weiss, doch niemals am oberen Mahakam Köpfe gejagt wurden.
Durch den vorteilhaften Markt in Sĕrawak am Batang-Rèdjang angelockt, unternahmen hauptsächlich die Pnihing, Kajan und Ma-Suling, in geringerem Masse auch die Long-Glat, geregelt dorthin Handelszüge. Da sie dort aber ständig mit feindlich gesinnten Batang-Luparstämmen in Berührung kamen, bot sich beiden Parteien fortwährend ein Anlass, um Köpfe zu jagen, was die Regierung von Sĕrawak nicht verhindern konnte.
Wiederholte Unterredungen mit Kwing Irang und dem damals noch mächtigen Pnihinghäuptling Bĕlarè blieben so gut wie resultatlos, da diese kaum im stande waren, dergleichen Heldentaten bei den eigenen Stämmen zu unterdrücken und auf die anderen überhaupt keinen Einfluss hatten. Hierdurch ereignete sich folgendes:
Als Bĕlarè einst nach einer ernsthaften Beratung mit dem Radja von Sĕrawak von Fort Kapit, an der Mündung des Njangejan, diesen Fluss aufwärts fuhr, um nach dem Mahakam zurückzukehren, kam ihm ein anderer Pnihinghäuptling, Owat, mit einer Gesellschaft Dorfgenossen entgegen. Bĕlarè, der sie auf einer Kopfjagd vermutete, suchte die Leute zur Rückkehr zu bewegen, aber Owat, als geborener Ma-Suling, der bei den Pnihing nur verheiratet war, weigerte sich zu gehorchen. Als ihm bald darauf in einem Boot sieben Batang-Lupar begegneten, die Buschprodukte suchen gingen, ermordete er sie alle. Sĕrawak verlangte der Übereinkunft gemäss von den Mahakam Häuptlingen die Auslieferung der Mörder, aber diese, besonders die Ma-Suling, verweigerten die Auslieferung und die übrigen wagten nichts durchzusetzen. Als Folge hiervon beschloss der Radja von Sĕrawak, das schuldige Pnihinghaus, das sich unter dem Häuptling Paren am weitesten oben am Mahakam stand, zu züchtigen. Berücksichtigt man, dass zum Zusammenbringen und Ausrüsten einiger Tausend Dajak viel Zeit erforderlich ist und so etwas auch nicht im Geheimen geschehen kann, so erscheint es einem Europäer unbegreiflich, dass man am Mahakam nichts davon merkte. Auch die Fahrt den Njangejan aufwärts und der Zug über die Wasserscheide zum Sĕliku blieben unbemerkt, und die grosse Bande konnte sich dort, um Böte zu bauen, lange Zeit aufhalten, ohne dass man weiter unten etwas davon ahnte. Daher konnten die Pnihing völlig unvorbereitet überfallen werden. Das schuldige Haus wurde erobert, geplündert und verbrannt und die Bewohner grossenteils ermordet oder zu Sklaven gemacht. Die Banden kannten keine Disziplin und setzten ihren Plünderzug flussabwärts fort. Sie hielten sich am Hauptfluss, wo Bĕlarè ihnen in seinem Hause an der Kasomündung mit seinen wenigen Leuten einen heldenhaften Widerstand bot. Durch die Übermacht der Leute, die zudem von dem Radja mit Gewehren versorgt waren, wurde Bĕlarè schliesslich überwunden und musste flüchten. Sein Haus wurde ebenfalls geplündert und verbrannt. Nach seiner Angabe verlor er an Toten und Sklaven 234 Personen, vielleicht die Hälfte der ganzen Anzahl.
Wegen dieses Aufenthaltes hatten die Bewohner an der Mündung des Tjĕhan Zeit, diesen Fluss aufwärts zu flüchten; sie verloren daher nur ihr Haus, das verbrannt wurde. Die Plünderer fuhren noch weiter zum Kajanstamm, der völlig unschuldig war und so wenig an einen Überfall dachte, dass er sogar eine Gesellschaft Batang-Lupar in seinem Hause beherbergte. Das Haus wurde belagert und einen ganzen Tag lang mit Gewehren beschossen, ohne dass jemand verletzt wurde. Nur ein Malaie wurde bei ihnen dadurch getötet, dass sein Gewehr ihm beim Schiessen sprang. Gegen Mittag waren die Batang-Lupar bis unter das Haus gekommen, sie wagten sich aber nicht auf die Galerie hinauf. Da warf sich der geflohene Pnihinghäuptling Paren, der sein Haus und einen grossen Teil seines Stammes verloren hatte und sich daher bei den Kajan aufhielt, aus Verzweiflung mitten unter die Angreifer. Da die Kajan ihm nicht beizustehen wagten, machten ihn die Feinde nieder.
Der Tod dieses Häuptlings machte auf die Kajan und auch auf eine Schar Long-Glat, die nach oben gezogen war, um Nachrichten zu holen und Hilfe zu leisten, einen gewaltigen Eindruck. Die Batang-Lupar hatten jedoch viele der Ihrigen verloren und zogen sich daher abends auf eine weiter oben gelegene Geröllbank zurück, um später wieder flussaufwärts zu ziehen.
Des Abends spät jedoch zogen die Long-Glat aus dem Kajanhause fort, ein Umstand, der neben dem Tode Parens die Bewohner so erschreckte, dass sie nachts alle mit dem Notwendigsten versehen das Haus verliessen und auf den Batu Kasian flüchteten, der nur von einer Seite, von der Mündung des Blu-u aus, zu besteigen war. Die zurückgelassenen Hunde heulten aber in dem verlassenen Kajanhause die ganze Nacht über, wodurch die Batang-Lupar aufmerksam wurden. Als es Tag wurde, kamen sie noch einmal, um nachzusehen, was geschehen war. Sie plünderten und verbrannten das ganze Haus und zogen dann beutebeladen den Mahakam hinauf, zurück nach Sĕrawak.
Seit der Zeit werden höchstens Züge, um kriegsgefangene Blutsverwandte und Stammesgenossen zurückzufordern, und nur noch selten Handelsreisen nach Sĕrawak unternommen; und die Bewohner am oberen Mahakam müssen sich wegen Salz und javanischen Tabak, an die sie sich durch den Kontakt mit der Küste gewöhnt haben, nach dem mittleren Mahakam oder dem oberen Barito wenden, wo man diese Artikel noch bei meiner Ankunft im Jahre 1896 am besten erlangen konnte.