Auf je einen Arbeitstag für sie selbst kommen bei den Sklaven zwei für den Häuptling.
Zusammenhangslos wie die Stämme am oberen Mahakam sind, haben sie in früherer Zeit doch ein oekonomisches Ganzes gebildet, weil es nicht nur ihrer Neigung entsprach, alles für den Lebensunterhalt Erforderliche selbst herzustellen, sondern auch weil der Zugang zu ihrem Lande und das oft feindliche Verhältnis mit den umliegenden Ländern einen regelmässigen Verkehr zwecks Austausch von Handelsprodukten ausschloss. In den letzten 10 Jahren haben sich die Zustände zwar sehr verändert, doch kann man noch jetzt verfolgen, wie sich das Zusammenleben damals gestaltete. Feldfrüchte bauten alle für sich selbst und zwar in einem solchen Überfluss, dass noch etwas an die verwandten Stämme unterhalb der Wasserfälle, die damals noch keine Reiszufuhr von der Küste erhielten, verkauft werden konnte. Die Kleidung stellten sich die verschiedenen Stämme ebenfalls selbst her: während aber die Pnihing, Kajan und Ma-Suling sich lange Zeit ausser in Baumbast auch in selbst gewebte Stoffe kleideten und dies zum Teil auch jetzt noch tun, benützen die Long-Glat, wahrscheinlich ihres grösseren Wohlstands und der Nähe der Küste wegen, bereits seit langem eingeführten Kattun zur Kleidung, den sie nur mit eigenen Stickereien verzieren. Ein weiterer Grund für das Verschwinden der Webekunst, die von den Long-Glat ursprünglich gewiss ebenfalls betrieben wurde, ist, dass sie durch Herstellung von Schwertern und eisernen Ackergerätschaften einen bei den anderen Stämmen sehr gesuchten Tauschartikel besitzen, mit dem sie sich alles, was sie zum Leben brauchen, anschaffen können. Noch heutigen Tages ist die Schmiedekunst bei den Long-Glat viel höher entwickelt als bei den Kajan, Ma-Suling und Pnihing. Diese dagegen zeichnen sich im Bau von Böten aus, die aus einem Stück gearbeitet werden und eine Länge von 23 m und eine Breite von 2 m erreichen können. In ihren weiten, unberührten Wäldern finden sie die hierfür erforderlichen, sehr grossen Baumstämme, zugleich sind sie selbst aber auch die besten Bootbauer. Auch ihrer vortrefflichen Netze wegen sind sie bekannt. Dies sind hauptsächlich runde Wurfnetze, welche aus den gedrehten Fasern einer Liane, tengāng genannt, gewebt werden. Die übrigen Stämme verfertigen die gleichen Schnüre und Netze, aber die Pnihing verstehen diese Kunst am besten. Die Kajan stellen ebenfalls gute Böte her, auch können sie schmieden und Netze weben, aber ihre Leistungen stehen nicht besonders hoch.
Auch die Töpferei wurde vor nicht sehr langer Zeit noch am Mahakam betrieben. Man verfertigte Töpfe zum Reiskochen. Es gelang mir, noch einige dieser Exemplare aufzutreiben und zu erwerben. Die Ma-Suling und Ma-Tĕpai haben sich mit der Töpferei am längsten befasst, vielleicht weil sie den hierfür geeigneten Lehmlagern an der Mündung des Mĕrasè am nächsten wohnten.
Beim Beginn der Reisernte formen auch gegenwärtig noch alle Stämme grosse, viereckige, flache Töpfe von 2½ × 3½ dm Oberfläche, um den noch nicht völlig reifen Reis, der schwer zu entspelzen ist, darin zu trocknen. Diese Töpfe werden aber nur in der Sonne getrocknet und vertragen kein Wasser.
Das Schnitzen von Schwertgriffen aus Holz oder Hirschhorn bildet gegenwärtig eine blühende Industrie, die ebenfalls besonders von der. Long-Glat betrieben wird, jedoch sah ich auch bei den Kajan einige schöne Stücke, die aus jüngster Zeit stammten. Die Pnihing üben diese Kunst gar nicht und die Ma-Suling sehr wenig aus.
Auch der Reisbau regt zum Handelsverkehr an, indem er bei den verschiedenen Stämmen einen verschiedenen durchschnittlichen Ertrag liefert. Die Pnihing sind auch jetzt noch die schlechtesten Ackerbauer, während die Ma-Suling sich sowohl früher als gegenwärtig der besten Ernten erfreuen und nie Reismangel leiden; den überschüssigen Reis tauschen sie gegen die Erzeugnisse der anderen Stämme aus.
In früherer Zeit gewann man das Salz aus den Salzquellen, die sich im Gebiet der Kajan, Ma-Suling und Long-Glat befinden.
Auch im Flechten von Rotangmatten sind die Long-Glat den anderen Stämmen überlegen. Es lässt sich ganz allgemein behaupten, dass der Stamm der Long-Glat sich vor allen anderen im Herstellen gut gearbeiteter und schön verzierter Gegenstände auszeichnet, dass Kunstfertigkeit und Geschmack bei ihm am höchsten stehen. Sein politisches Übergewicht und die damit verbundene grössere Wohlhabenheit scheint hierin von bedeutendem Einfluss gewesen zu sein.
Die Long-Glat nehmen auch augenblicklich noch in bezug auf Schönheit der Kleidung die erste Stelle am Mahakam ein. Sie pflegen sich auch Alltags sorgfältig und hübsch zu kleiden. Ihre Art und Weise der Tätowierung ist ganz oder teilweise von anderen Stämmen, die sich früher wenig oder anders tätowierten, übernommen worden.
Erst in letzter Zeit hat sich bei den Long-Glat die Sitte eingebürgert, am Ober- und Unterkiefer die vordersten sechs Zähne zur Hälfte absägen zu lassen. Sowohl Männer als Frauen glauben sich hierdurch zu verschönern. Unter den jungen Leuten der Kajan und Ma-Suling hat diese Sitte, die vom Barito stammt, ebenfalls ihr Bürgerrecht erworben und sie unterwerfen sich, der neuen Mode zu liebe, gern dieser Marter.