Bald darauf begannen die hudo̱ kājo̱ (Verkleidete mit Holzmasken) doch zu ermüden und der Anführer begab sich mit seinem krawit bruwa voran in den Versammlungssaal, der die Menschenmenge kaum zu fassen vermochte. Daher wurde die Kinderschar entfernt und für die grünen Geister in der Mitte ein freier Raum geschaffen, worauf sich die unförmlichen, mit grotesken Masken gekrönten Grashaufen am Boden niederliessen und, nach den Bewegungen der Blätter zu urteilen, auf sehr menschliche Weise nach Luft zu schnappen begannen. Einer der Vermummten hielt es hinter seiner Maske nicht aus und legte sie ab, um zu trinken. Da verliess Kwing Irang seine krähende Gesellschaft und begab sich ebenfalls in den Saal, wo er sich zwischen einigen der ältesten vornehmen Männer niederliess und auch mir einen Platz anbot.

Wahrscheinlich hatte man diesen Augenblick erwartet, denn plötzlich wurde alles still und Kwing Irang benützte die Gelegenheit, um durch den Mund eines der Ältesten den Masken und durch diese dem ganzen Stamme öffentlich zu verkünden, dass wir Weissen wiederum gekommen waren, um längere Zeit unter ihnen zu wohnen, dass wir nichts Böses im Schilde führten und er daher von allen erwartete, dass sie uns helfen und nie hindern würden. Ein gutmütiges Gebrumm oder Gebrüll stieg aus den grünen Haufen hervor und die Masken gaben durch sprechende Kopfbewegungen ihr Einverständnis zu erkennen, das auf uns eine sehr beruhigende Wirkung ausübte.

Dieser feierliche Austausch der Gedanken und Gefühle wurde durch das Gejauchze unterbrochen, das die Kinder draussen beim Erblicken einer langen Reihe von Korbmasken (hudo̱ ădjāt) anhoben. Was uns betraf, so wurden wir weit mehr durch eine folgende Reihe hudo̱ lakeuj, lieblicher junger Mädchen, die in Männerkostüm an der Maskerade teilnahmen, gefesselt.

Maskerade der Frauen.

Die hudo̱ ădjāt besteht aus einem Rotangkorb, überzogen mit weissem Zeuge, auf welchem man mittelst einiger Lappen, einiger blinkender Deckel und ein paar Kattunstreifen, an welche Ohrringe gehängt werden, die charakteristischen Merkmale eines Kajankopfes nachahmt. In diesen Korb wird der Kopf zur Hälfte hineingesteckt und der ganze Körper dann mit einer Jacke und grossen Tüchern behängt; durch zwei Bambusstöcke werden die Ärmel der Jacke seitlich in die Höhe gehalten. Diese unförmlichen Gestalten bewegten sich im Tanzschritt über den Platz; aber trotz des Geflüsters, dass hinter diesen Masken die höchsten Damen der Kajanwelt, ja sogar die beiden Frauen von Kwing Irang verborgen waren, konnten sie unser Interesse doch nicht von den jungen Mädchen ablenken, die in dem ihnen ungewohnten Kostüm schüchtern hinter den hudo̱ ădjāt einherschritten.

Frauen in Festkleidung.

Der Gegensatz zwischen den jungen, vollen Gestalten in der kleidsamen, kecken Männertracht und den formlosen Massen war allerdings gross genug. Die jungen Mädchen hatten auf ihre Kleidung mehr Geschmack und Sorgfalt verwandt als die jungen Männer selbst zu tun pflegen. Die Tücher um Lenden und Haupt aus reinem, weissem Kattun oder Baumrinde waren gefällig geschlungen und auch das Schwert und der lange Schal waren geschmackvoll gewählt worden. Bereits 1896 waren mir diese Mädchen, bevor ich sie noch als solche erkannt hatte, durch ihre hübsche Kleidung unter der Menge aufgefallen. Nur einige von ihnen schienen die Vorstellung bereits öfters gegeben zu haben, zeigten sich freier und wagten selbst einen Tanzschritt anzuschlagen; die meisten befanden sich überdies noch in einer ihnen fremder. Umgebung, so dass die Zuschauer sicher mehr Genuss von der Vorstellung hatten als sie selbst. Das Urteil der Frauen über diese Gruppe lautete nicht günstig, auch schienen sich die Gattinnen des Häuptlings unter ihren Körben über ihre jüngeren Gefährtinnen geärgert zu haben, wenigstens versprach uns mittags Uniang Anja, Kwing Irangs zweite Frau, dass sie abends mit einigen Auserwählten in der amin des Häuptlings die Vorstellung wiederholen wollte und zwar wie es sich gehörte.