Ein Ehebruch wird, nach Auffassung der Bahau, von den Geistern durch Missernten und andere Unglücksfälle an dem ganzen Stamme gerächt, daher sucht man dessen schlimme Folgen von den übrigen Stammesgliedern abzuwenden. Die Schuldigen werden mit Schweinen, Hühnern, 2 × 8 Eiern und all ihrem Hab und Gut auf eine Geröllbank im Flusse ausgesetzt, um den schlechten Einfluss, der von ihnen ausgeht, aufzuheben (= be̥t dawi). Die Priesterinnen bestreichen das Eigentum der Schuldigen mit dem Blut der Schweine und Hühner, um es unschädlich zu machen.

Die Ehebrecher selbst lässt man mit 2 × 8 Eiern auf einem Floss von der Strömung abwärts treiben. Sie retten sich, indem sie ins Nasser springen und ans Land schwimmen. Wahrscheinlich war dies früher nicht gestattet, wenigstens “erden sie jetzt noch von der Jugend mit langen Grashalmen, die Lanzen vorstellen sollen, beworfen.

Derartige Fälle kommen selten vor oder werden wenigstens selten behandelt; der letzte soll sich bei den Kajan vor 10 Jahren zugetragen haben.

Die Bahau gehen teils Vernunfts- teils Liebesheiraten ein. Im ersten Fall wird ein junger Mann mit einem kleinen, noch gänzlich unerwachsenen Mädchen verlobt und zieht bisweilen dann schon ins Haus der künftigen Schwiegereltern. Wenn dem Mädchen später der auserkorene Bräutigam nicht gefällt, was häufig geschieht, setzt sie bei ihrer Familie oft eine Heirat mit einem anderen, selbstgewählten Manne durch. Sie entwickeln hierbei so viel Energie und Ausdauer, dass sie, selbst wenn sie sich in einen Sklaven verliebt haben, den Sieg davontragen. Ich erlebte zwei derartige Fälle bei den Mahakam Kajan, bei denen die Kluft zwischen Freien und Sklaven überdies viel grösser ist als bei anderen Stämmen.

Am z. Dezember nahmen wir von Batu Sala Abschied und erreichten noch am gleichen Tage Lulu Njiwung, dessen Häuptling Ding Ngow so schüchtern war, dass er in unserer Gegenwart kaum zu sprechen wagte. Wir mussten hier des hohen Wasserstandes wegen zwei Tage bleiben. Ein Teil der Niederlassung war uns verschlossen, da man im langen Hause der Ma-Tuwān lāli nugal feierte; die Bewohner der anderen Häuser begaben sich morgens sehr früh aufs Reisfeld und kehrten erst abends wieder zurück. Wir hatten somit wenig Gelegenheit, die Bevölkerung kennen zu lernen und Ethnographica einzukaufen.

Besonders unangenehm war mir der Umstand, dass mich viele Kranke um Arzneien baten und man mich zu bewegen suchte, noch so lange zu bleiben, bis man mir auch die Kranken von den Reisfeldern ins Haus gebracht habe. Denn meine Arzneien waren grösstenteils verbraucht und mit dein Rest musste ich sehr sparsam umgehen. Es blieb mir daher nichts übrig, als den Leuten zu versprechen, ihnen am Blu-u, der nicht weit entfernt war, Arzneien austeilen zu wollen. Viele von ihnen machten denn auch wirklich nach Ablauf der drückendsten Feldarbeit von meiner Aufforderung Gebrauch.

Den 16ten Tag nach unserer Abreise setzten wir unsere Fahrt bei fallendem Wasser fort und erreichten wohlbehalten unsere Niederlassung am Blu-u. Alles sah dort so aus, wie wir es verlassen hatten. Unsere Kisten mit kostbaren Tauschartikeln, die der Häuptling in seiner Wohnung unter dem Schutz seiner Frauen aufbewahrt hatte, brachten wir in unser Haus zurück und sassen dann abends wieder sehr befriedigt unter unserem festen, ruhigen Dache.

Unser stilles Leben dauerte nicht lange, denn Kwing Irang äusserte den Wunsch, uns nun auch baldmöglichst in den verschiedenen Pnihingniederlassungen einzuführen. Er hielt es nämlich für wünschenswert, dass der Kontrolleur auch diesen Stamm näher kennen lernte, auch wollte er nicht, dass sich die Pnihing durch unser Fortbleiben zurückgesetzt fühlten. Für später hatte Kwing allerhand grosse Pläne, die ihn ans Haus fesselten, daher wollte er den Besuch so schnell als möglich ins Werk setzen. Unsere Europäer und die Pflanzensucher sollten sich an der Reise beteiligen, Doris und die Seinen dagegen sollten zu Hause bleiben, da unser unstätes Leben für ein Sammeln auf zoologischem Gebiete nicht geeignet war, wie wir während unseres Zuges nach dem Mĕrasè erfahren hatten. Wir hatten nun ein Boot weniger nötig, was den Kajan durchaus nicht gefiel, da die jungen Leute, die nicht mit nach dem Mĕrasè gezogen waren, gehofft hatten, nun auf der Reise zu den Pnihing auf angenehme Weise viel Geld zu verdienen.

Als wir uns mit unserem Gepäck am 10. Dez. in 4 Böte verteilen wollten, stellte sich heraus, dass sich zu viele reiselustige Kajan eingefunden hatten. Der Häuptling hatte sie augenscheinlich zum Zurückbleiben nicht überreden können oder wollen, und so musste ich bei unserer Abreise, als alles bereits gepackt war, noch selbst drei Männer zwingen, ihre Tragkörbe, Speere und Schilde aus den Böten zu holen, die für so viele Leute nicht genügend Platz boten. Kwing gab zu unserer Freude den Wunsch zu erkennen, dass der Kontrolleur die Fahrt in seinem Bote machen sollte und, da auch der Wasserstand sehr tief war, zogen wir alle wohlgemut flussaufwärts. Für den Häuptling bildete diese Fahrt eine wahre Vergnügungsreise, denn seit meinem vorigen Besuch hatte er die Tochter eines Häuptlings in Long ’Kup geheiratet, die er wegen seiner kleinen provisorischen Wohnung, in der sich bereits seine beiden anderen Frauen befanden, nicht bei sich aufnehmen konnte. Seine älteste Frau Hiāng gestattete ihm nur selten, zu den Pnihing zu fahren, und so bot ihm unsere Reise einen erwünschten Ausweg. Wir konnten nun nicht umhin, in Long ’Kup zu übernachten und zwar in der Galerie von Kwings Schwiegervater.

Die Häuptlingsfrauen zeigten sich für die schönen Perlen und Stoffe, die ich ihnen mitgebracht hatte, sehr empfänglich; die Männer dagegen hatten auch hier ihre eigenen Anschauungen über Geschenke und wollten keine hübschen Sachen, wohl aber Arzneien von mir annehmen.