Bevor sich der Kontrolleur in Bewegung setzen konnte, verstrich jedoch noch eine geraume Zeit. Bier hatte seine Aufnahme noch kaum bis zur Mündung des Mĕrasè ausgeführt, als ihm Barth trotz des hohen Wasserstandes mit einigen Long-Glat entgegen fuhr, um ihm die Möglichkeit zu geben, auch den Pahngè zu messen, der einen wichtigen Handelsweg nach dem Bĕlatung im Gebiet des Murung bildet. Dies glückte denn auch, obgleich die Wasserscheide nicht erstiegen und nur der Fluss selbst aufgenommen wurde. Mit Hilfe der Long-Glat mass Bier später in gleicher Weise auch den Tĕpai. So lange aber das Wasser in Long Tĕpai nicht bis zu einem bestimmten Zeichen an einem Felsen im Fluss fiel, war an ein Überschreiten der Wasserfälle nicht zu denken.
Die zwei letzten Monate waren, wegen der Einsamkeit und des Mangels an ernster Arbeit, die sowohl unter der Aussicht auf unsere baldige Abreise als unter unserer Sehnsucht nach dieser litt, sehr unangenehm gewesen; an unseren Sammlungen wurde nicht mehr eifrig gearbeitet, denn für Exkursionen konnten wir von den Kajan, die mit der Ernte beschäftigt waren, keine Unterstützung erhalten und die Ethnographica hatte ich alle eingekauft, bis auf einige besonders schöne Stücke, derentwegen ich bereits seit Monaten mit den Besitzern unterhandelte, ohne dass vorläufig ein Resultat zu erwarten war. Ich verschob diese Käufe bis zu meiner Rückkehr von der Reise zur Küste.
Auch meine Kranken liessen mich im Stich, in dieser günstigen Jahreszeit kamen nur selten Malariafälle vor und die chronischen Krankheiten hatte ich so weit als möglich geheilt oder den Patienten die Mittel zu weiterer Selbstbehandlung gegeben.
Überdies sah es in unserer Wohnung ungemütlich aus, denn die vielen Ethnographica und Vögel waren, sobald man Kisten für sie hergestellt hatte, eingepackt worden. Alle diese Umstände liessen uns den langsamen Fortschritt der Reisevorbereitungen seitens der Kajan noch unangenehmer empfinden.
Nachdem der Häuptling Anfang März das lāli parei noch in seiner kleinen Wohnung gefeiert hatte, fand der Einzug in das neue, noch nicht ganz fertige, aber doch regendichte Haus statt, worauf zwei Tage me̥lo̱ und dann die Aufhebung der Verbotsbestimmungen (be̥t lāli) für das Haus folgten. Der ganze Stamm beteiligte sich an den Festlichkeiten, die uns für einige Tage Abwechselung boten. Leider folgte hierauf wieder ein unvermeidliches achttägiges me̥lo̱ und dann erst begann man das grosse Häuptlingsboot in Ordnung zu bringen. Erst mussten aber noch Ränder (apin) im Walde gesucht werden, was keine Kleinigkeit war, da die Länge des Bootes 18 m und die Breite 1,2 m betrug. Diese Arbeit wurde aber, als sich die Kajan einmal ernsthaft aufrafften, über Erwarten schnell ausgeführt und in einem Tage waren auch die Bretter an das Fahrzeug gebunden worden. Zwar wusste ich, dass viele Leute ihren Reis für die Fahrt zubereitet hatten, aber da seither viele Monate verstrichen waren, hatten diese Vorbereitungen kaum noch einen Wert. Selbst die Erklärung eines Mantri, dass ich es hoch anschlagen müsse, dass Kwing Irang doch mit mir ging, obgleich sich ein Bahauhäuptling, wenn er eben sein Haus bezogen hat und dieses auch noch nicht vollendet ist, nicht auf die Reise begeben dürfte, verbesserte meine Stimmung nicht sonderlich.
Selbst am 10. März beanspruchte Kwing noch meine Hilfe, weil er selbst keine genügende Anzahl Menschen zusammen bringen konnte, um in seiner Vorgalerie eine Diele legen zu lassen. Diese bestand aus zahlreichen, schweren Brettern des Tenkawangbaumes, der trotz seiner Nützlichkeit hierfür in grosser Zahl geopfert wurde. Die Bretter waren ungefähr 1 dm dick und 5–7 dm breit bei einer Länge von ungefähr 10 m. Aus einem grossen Baum wurden zwei Bretter hergestellt und zwar vereinigten sich stets zwei Familien, ein bearbeitetes Brett zu liefern.
Um diese Bretter an Ort und Stelle, drei Meter hoch über den Erdboden, zu heben, waren mehr Männer als die sechs oder acht, die ständig am Hause arbeiteten, erforderlich, aber da alle eifrig auf ihren Feldern beschäftigt waren, bat mich Kwing Irang, noch einmal die Leitung einer Versammlung übernehmen zu wollen, in der den Familienhäuptern nochmals eingeschärft werden sollte, dass sie ihrem Häuptling und mir gegenüber verpflichtet waren, wiederum Hilfe zu leisten.
A m folgenden Tage wurden in der Tat alle bereits vorhandenen Bretter an ihren Platz gelegt, aber es erwies sich, dass noch so viele Familien die Lieferung ihrer Planke bis nach der Ernte oder nach dem Bau ihrer eigenen Wohnung verschoben hatten, dass noch ungefähr die Hälfte der 13 × 28 m grossen Oberfläche ungedeckt blieb. Hierfür gebrauchte jedoch Kwing die noch nicht benützten Bretter der Mittelwand, die man vorläufig aus altem Material hergestellt hatte und die man erst nach der Rückkehr von der Küste vollenden wollte.
Unter diesen Beschäftigungen trat der z B. März ein, bis Sorong mit vier Mann auf die Vorzeichensuche ging. Nach der Meinung der meisten Kajan geschah dies viel zu früh, aber Kwing Irang tat alles, was er konnte, um die Reise zu beschleunigen, ohne die adat und seine eigenen Interessen allzu sehr zu benachteiligen. Vom 24sten bis zum 28sten durfte nämlich nichts Besonderes ausgeführt werden, da der Mond in dieser Zeit, wo er am vollsten ist, “schlechter Mond” (bulan djă-ăk) genannt wird. Die Kajan bauen in dieser Zeit keine Häuser und Böte und gehen auch nicht auf die Vorzeichensuche. Dass Sorong sich so früh aufgemacht hatte, half leider nichts, denn am 30. März kam er mit der traurigen Nachricht zurück, dass Obet Dĕwong nun doch, nach einem Ausflug in den Wald, gestorben war. Durch einen derartigen Todesfall verlieren die gefundenen Vorzeichen ihren Wert und es müssen später wieder neue gesucht werden.
Noch am gleichen Tage kam von den Pnihing aus Long ’Kup die Nachricht, dass Paren, der kleine Sohn, den Kwing dort von seiner jüngsten Frau hatte, seit einigen Tagen an Fieber litt und dass man den Vater erwarte. Mit dem Versprechen bald zurückzukehren begab sich Kwing noch am selben Nachmittag nach Long ’Kup.