Die Bahau besitzen von Natur ein sehr gut entwickeltes Gebiss, sie misshandeln es aber durch das in letzter Zeit Mode gewordene Absägen, Ausfeilen, und Durchbohren der Zähne. Caries und Missbildungen, die durch Syphilis verursacht werden, sind häufig.
Über die Gliedmassen ist nur zu bemerken, dass sie zum Körper in guten Proportionen stehen; die Arme sind verhältnissmässig etwas länger als bei den Europäern. Die schön gebildete, aber nicht schwere Muskulatur weist mehr auf Geschmeidigkeit und Gewandtheit als auf grosse Kraft.
Hände und Füsse sind stets klein und wohlgebildet, leiden aber viel durch harte Feldarbeit, Verwundung und Krankheit, so dass man bei älteren Leuten häufig Missbildungen antrifft. Bemerkenswert ist der grosse Zwischenraum, der häufig zwischen der ersten und zweiten Zehe vorkommt. Der Winkel, den diese beiden Zehen bilden, kann bis zu 60° betragen.
Die Haut der Baliau und Kĕnja ist in der Jugend meist eher hellgelb als braun, besonders ist dies bei Kindern, die der Sonne noch nicht ausgesetzt gewesen, und bei jungen Mädchen, die sich bei der Feldarbeit durch Kleider vor Sonnenbrand schützen, der Fall. Ganz allgemein wird die spätere dunkle Hautfarbe der Eingeborenen durch die Sonne bewirkt; ständig bedeckte Körperteile, wie die Lendengegend der Männer und die Beckengegend der Frauen, behalten daher stets ihren hellen Ton.
Trotz ihrer teilweisen Bedeckung ist die Haut der Eingeborenen in Wirklichkeit doch allen Einflüssen der Witterung ausgesetzt, wodurch sie ein grosses Widerstandsvermögen erlangt hat. Chronische Hautentzündungen sieht man bei den Baliau nur selten, obgleich sie in Wald und Feld zahlreichen Verwundungen ausgesetzt sind; nicht spezifische Beingeschwüre, wie sie in Europa vorkommen, sind bei ihnen ganz unbekannt. Solange die Haut noch nicht von parasitären Hautkrankheiten betroffen ist, erträgt sie lange Zeit Druck und Reibung, ohne darauf anders als mit leichter Rötung zu reagieren. Auffallend resistent zeigt sich die Haut der Frauen dem Einfluss der Gravidität und der Lactation gegenüber. Die Frauen der Ot-Danum und Kantu am Kapuri besitzen diese Widerstandsfähigkeit in noch höherem Masse, aber auch bei den Frauen der Baliau und Kĕnja beobachtete ich selbst bei hochgradiger Schwangerschaft nur selten Striae; auch erhalten die Frauen ihre früheren Formen nach der Entbindung vollständig wieder zurück. Ebenso lassen die Brüste oft nur an den Warzen erkennen, dass eine Frau bereits genährt hat. Bei meinem ersten Aufenthalt bei den Ot-Danum bewunderte ich die schöne Gestalt einer jungen Frau, welche ihre zwei verschiedenaltrigen Kinder gleichzeitig nährte. Am Mahakam hatte ich einst eine junge Frau, die ich ärztlich behandelte, lange Zeit für kinderlos gehalten, bis sie eines Tages mit einer dreijährigen Tochter bei mir erschien und mir erzählte, dass sie ein zweites Kind bereits verloren habe. Selbst wiederholte Schwangerschaften hinterlassen bei den meisten Frauen wenig Spuren, sowohl auf der Haut als in den Körperformen.
Dass die Bahau eine viel geringere momentane Muskelkraft als die Europäer entwickeln, ist um so auffälliger, als sie von klein auf an Feldarbeit und Jagd gewöhnt sind und keine Lasttiere besitzen, so dass sie auch im Tragen ständig Geübt sind. Sie können z.B. nicht so schwere Gewichte, wie ein ungeübter, mittelstarker Europäer heben; auch tragen sie bei grösseren Entfernungen und schlechten Wegen nicht gern über 20–25 kg schwere Lasten auf dem Rücken. Bemerkenswert ist ferner, dass die Kräfte und die Ausdauer bereits bei 30–35 jährigen Männern abnehmen, daher überlassen diese alle schwerere Arbeit auf der Reise gern den 20 jährigen jungen Leuten.
Die Sinne sind bei der Bevölkerung von Mittel-Borneo im allgemeinen gut entwickelt. Beobachtungen hierüber werden dadurch erschwert, dass Krankheiten häufig das Seh- und Empfindungsvermögen beeinträchtigen. Da nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung Augen besitzt, die weder in jugendlichem noch in späterem Alter einmal längere Zeit krank gewesen sind und hiervon an der Cornea oder Conjunctiva noch Spuren aufweisen, findet man bei ihnen begreiflicher Weise kein besonders scharf entwickeltes Sehvermögen. Überdies haben die Eingeborenen zwischen und in ihren Wäldern gar keine Gelegenheit, sich im Fernsehen zu üben und ihre Sehschärfe hierdurch zu entwickeln.
Der Farbensinn lässt bei den Bahau nichts zu wünschen übrig; dafür spricht in erster Linie ihr feines Gefühl für Farbenharmonie, das sich in ihren schönen Perlenarbeiten äussert, ferner, dass ihre Sprache nicht nur für alle verschiedenen Farben, sondern auch für deren Nuancen besondere Bezeichnungen besitzt. Diese weichen in mancher Hinsicht von denen der Europäer ab. So heisst in der Busang Sprache schwarz “tope totoreg” = verbranntes Blau; “tom gĕnang” = dunkelblau; “kro̱tang” = hellblau, von dem sie an Perlen verschiedene Arten unterscheiden, je nach dem Zweck, für den sie diese benützen, z.B.: “kro̱tang lawong” = hellblau für Kopfbänder. Gelb heisst “nje̥hāng” und hell rehbraun “nje̥hāng te̥bli (gelbrot)”, dunkel rehbraun und dunkelrot werden beide “li” genannt. Weiss = puti; grün = nohom.
Das Tastvermögen der normalen Haut ist bei den Bahau, vielleicht wegen der dicken Epidermis, minder ausgebildet als bei Europäern. Ihre blosse Haut hat für gewöhnlich eine niedrigere Temperatur als die der Weissen, daher vertragen sie bei andauernder Anspannung und Hitze nur schlecht eine stärkere Blutzufuhr und Transpiration und nehmen jede Gelegenheit wahr, um sich zu baden.
Auf Kitzel reagiert ihre ganze Haut weniger stark als die der Europäer, während ihre Handflächen und Fusssohlen wegen der Dicke der Schwielen für Kitzel ganz unempfindlich sind.