Kapitel XVIII.

Äusseres der Bahau—Körperbau—Sinnesorgane—Charakter—Eigentümlichkeiten ihrer Konstitution—Krankheiten der Bahau: Malaria, venerische Krankheiten, Intestinalkrankheiten, Rheumatismus, Kropf, Infektionskrankheiten verschiedener Art, Augenkrankheiten, parasitäre Hautkrankheiten—Wert einer ärztlichen Praxis unter den hingeborenen—Vorstellungen der Bahau von ihrem Körper, ihrem Geist, dem Schlaf und den Krankheiten—Heilmethoden der Priester—Diätetische Mittel—Befolgung ärztlicher Vorschriften—Arzneien der Eingeborenen—Massage, Dampfbäder.

Aus der geringen Bevölkerungsdichte von Mittel-Borneo geht bereits hervor, dass hier Zustände herrschen müssen, die einer normalen Vermehrung der Menschen entgegenwirken. Die schädlichen Faktoren, die hier in Betracht kommen, sind erstens in den Verhältnissen der Umgebung selbst zu suchen, zweitens in dem Umstand, dass sich die Bevölkerung vor den nachteiligen Einflüssen dieser Umgebung nicht zu schützen weiss. Üble Gewohnheiten der Stämme, wie Kopfjägerei und Unsittlichkeit, schädigen eine Vermehrung in weit geringerem Grade.

Die Entwicklung der Bahau und Kĕnja ist noch nicht so weit fortgeschritten, dass sie Krankheiten mit eigenen, wirksamen Mitteln bekämpfen können; bemerkenswert ist dagegen, dass sowohl bei Bahau als bei Kĕnja in hohem Masse die Vorstellung herrscht, dass sich Krankheiten durch diätetische Mittel bekämpfen lassen. Die Konstitution der Bahau unterstüzt sie im Kampfe gegen Krankheiten nur wenig, daher haben sie unter diesen während ihres ganzen Lebens mehr oder weniger zu leiden. Vor allem sind es Malaria und venerische Krankheiten, Syphilis und Gonorrhoe, welche die Lebenskraft der Eingeborenen untergraben. Die Malaria wirkt schwächend auf den Organismus, die venerischen Krankheiten verhindern ausserdem eine stärkere Vermehrung.

Die Bewohner von Mittel-Borneo sind mittelgross und schmächtig von Gestalt, doch kommen auch schön gebaute Körper bei ihnen vor, überdies werden sie nicht durch Rhachitis und Tuberkulose verunstaltet. Sie gehören zu einer Rasse mit schwarzem, glattem Haupthaar und mittelmässiger bis schwacher Körperbehaarung. Obgleich einzelne Personen auch welliges, bisweilen sogar krauses Haar besitzen und das Braun der Haut auch sehr dunkel sein kann, habe ich auch unter den Jägerstämmen im Innern der Insel nie Menschen mit Spuren des Negertypus gesehen oder von ihnen sprechen hören.

Trotz ihres schmächtigen Körperbaues besitzen die Bahau gut entwickelte Muskeln, mit geringer Neigung zu Fettbildung, sowohl unter der Haut als an einzelnen Körperstellen. Wirklich fette Individuen sah ich nie; die entstellenden Schmerbäuche, die bei Europäern vorkommen, fehlen bei ihnen gänzlich. Auch findet man nur selten Personen mit Muskeln, die von einer Fettschicht verdeckt sind; am ehesten kommt dies bei erwachsenen jungen Frauen vor.

Die Gesichtsform ist oval, häufig rund mit wenig vortretenden Backenknochen. Die Augenspalten, aus denen lebhafte, dunkelbraune Augen hervorschauen, sind nur schwach geöffnet; Personen mit nach Mongolenart schräg noch aussen verlaufenden Augenspalten sieht man nur selten, die meisten bemerkte ich unter den Kĕnjastämmen von Apu Kajan. Eine Hautfalte über dem inneren Augenwinkel fehlt gänzlich.

Die im allgemeinen platte Nase ist gerade; ihre Flügel sind nicht besonders breit. Individuen mit eingestülpter oder mit stark gebogener Nase kommen ebenfalls vor.

Der Mund ist nicht auffallend gross; es giebt selbst Frauen mit hübschem, kleinem Mund; auch sind die Lippen nie sehr dick.