Von dem Verstande und dessen Sitz machen sich die Bahau eigenartige Vorstellungen, die ich ganz zufällig kennen lernte.
Als ich mich auf meiner zweiten Reise einige Tage in Long Tĕpai aufhalten musste, suchte ich morgens nach meiner Ankunft einen alten Patienten, den Häuptling Bo Ibau auf. Der dürre Sonderling mit der Habichtsnase sass in seiner Kammer und schnitzte einen Schwertgriff aus Hirschhorn. Er war in früheren Jahren der beste Schnitzkünstler im Dorfe gewesen, hatte aber seiner. Augen wegen die Arbeit lange Zeit ruhen lassen müssen. Ich traf ihn in guter Stimmung, da er mit Hilfe der Brille, die ich ihm geschenkt hatte, wieder in der Nähe sehen und daher die geliebte Schnitzarbeit wieder aufnehmen konnte. Ibau klagte, dass die jungen Leute heutzutage nur schlechte Arbeit lieferten und fügte hinzu: “sie haben nichts in ihrem Bauche (djian hipun nun nun halam butit).” Ich glaubte ihn anfangs nicht gut zu verstehen und liess ihn die Worte wiederholen; allmählich merkte ich aber, dass mein alter Freund in der Tat mit dem Bauche zu denken glaubte. Auch erfuhr ich später, dass alle Bahau und Kĕnja derselben Meinung sind.
Den Schlaf fassen die Bahau als den Zustand auf, in dem eine ihrer beiden Seelen, die bruwa, den Körper zeitlich verlässt. Der Traum entsteht entweder dadurch, dass die Seele das Geträumte wirklich erlebt, oder dass die Geister dem Schläfer etwas zuflüstern. Die Träume der Priester sind besonders bedeutungsvoll. Von der Wohltat eines erquickenden Schlafes für Kranke haben sie keine Ahnung; wenn einer ernstlich krank ist, verhindern sie ihn durch Schreien und Schütteln am Einschlafen, selbst wenn der Kranke den Schlaf sehnlichst wünscht (Siehe [pag. 333]).
Ihrer Schöpfungsgeschichte (pag. 129) zufolge sind die Bahau aus unbelebter Materie und zwar aus Baumrinde hervorgegangen. Das Leben wird erst durch die beiden Seelen “bruwa” und “ton luwa” in den Körper gebracht (Näheres [Kap. V]).
Alles, was die bruwa zum Entfliehen bringt, verursacht Krankheit. Da die bruwa auf die gleiche Weise wie der Mensch denkt und empfindet, kann sie durch alles, was diesen erschreckt, vertrieben werden, wodurch der Körper krank wird. Die Priester suchen daher, um einen Kranken zu heilen, dessen entflohene Seele in den Körper zurückzulocken. Auf dieser Vorstellung basieren im Grunde alle Heilmethoden der Priester. Das Einfangen der Seele geschieht mit Hilfe der guten Geister aus dem Apu Lagan, der Vermittler zwischen Hauptgöttern und Menschen.
Zum Glück sind sie in ihrem Vertrauen auf die Hilfe der Geister nicht so blind gewesen, dass sie den günstigen oder ungünstigen Einfluss einiger Faktoren auf den Verlauf einer Krankheit nicht selbst bemerkten. Hieraus hat sich bei ihnen ein sehr kompliziertes diätetisches System entwickelt, das neben den Beschwörungen der dājung bei jeder Krankheit angewandt wird.
Im allgemeinen sucht man die Krankheit dadurch zu bekämpfen, dass man sich verschiedener Speisen, des Badens, schwerer Arbeit etc. enthält. Für die verschiedenen Leiden bestehen auch verschiedene Vorschriften, die man gegenwärtig unmöglich als Bussen auffassen kann; sie sind teilweise auch so treffend gewählt, dass sie auf persönlichen Beobachtungen und Erfahrungen beruhen müssen. Bei den Kajan am Mendalam gelten folgende Vorschriften:
Verboten ist bei Diarrhoe: harter Reis, Zuckerrohrsaft, Bananen, Klebreis, gekochte Bananen, kaltes Wasser, einige Arten Fische, Baden bei hohem d.h. kaltem Wasser; erlaubt sind: weich gekochter Reis und gute Fische.
Verboten ist bei Fieber: kaltes Wasser, Zuckerrohrsaft, Zucker, Gebäck und Baden bei Hochwasser.
Verboten ist bei Husten: ke̥ladi, Zucker, Zuckerrohrsaft, gerösteter Klebreis, Gurken, Rauchen, Betelkauen und schwere Arbeit.