Nach einer langen Tagereise erreichten wir Udju Halang, das uns offen stand, da das lāli wegen des Todes von Bang Joks Schwester bereits aufgehoben war. Wir nahmen sogleich die Galerie in Beschlag; während Kwing Irang mit den Seinen am folgenden Tage nach Udju Tĕpu und Ana weiterfuhr, um dort Handel zu treiben und uns zu benachrichtigen, sobald das Dampfboot uns abholen käme. Gleich nach Kwings Abreise traf auch Njok Lea bei uns ein; es hatte ihn unangenehm berührt, dass wir in Uma Mĕhak nicht auf ihn gewartet hatten, doch reiste er schliesslich guter Stimmung Kwing nach.

Trotz meiner Ungeduld, die Küste zu erreichen, hoffte ich doch, hier einige Ruhetage zu finden, da wieder einige von uns an Malaria erkrankt waren. Barth, der die ganze Reise über gesund gewesen war, wurde nachts von einem heftigen Fieberanfall gepackt, ferner erkrankten zwei Schutzsoldaten, auch fühlte sich Sĕkarang immer noch nicht wohl. In den vier Tagen, die wir hier bleiben konnten, gelang es uns zum Glück, alle soweit wiederherzustellen, dass sie die Reise fortsetzen konnten. An Beschäftigung fehlte es uns auch hier nicht. Doris ordnete seine Vögel und die anderen untersuchten die eisernen Koffer, um deren Inhalt nötigen Falls zu trocknen.

Am meisten machte mir wiederum die Bevölkerung zu schaffen, die stark an Malaria und anderen Krankheiten litt und der ausserdem viel daran lag, mir in kurzer Zeit allerhand Gegenstände zu verkaufen. Ich merkte hier deutlich, dass die Bevölkerung, durch den langdauernden Umgang mit Malaien an Handel gewöhnt, sich viel leichter als im Innern von ihrem Hab und Gut trennte. Daher erwarb ich hier an schönen Dingen, besonders an Tätowiermustern, in vier Tagen mehr als während meines langen Aufenthaltes am oberen Mahakam. Auch empfand ich es als vorteilhaft, dass die Leute den Wert des Geldes gut kannten; sie freuten sich hier über einen Gulden ebenso sehr wie oberhalb der Wasserfälle über vier. Von Udju Halang rühren auch die im vorhergehenden Kapitel abgebildeten Tätowiermuster der Uma-Luhat, der Bewohner dieser Niederlassung, her.

Leider war der Häuptling Adjāng nicht zu Hause; er war als der beste Schwertschmied unterhalb der Wasserfälle bekannt und hätte mir gewiss einige schöne Exemplare verkaufen können.

Am dritten Tage unseres Aufenthaltes traf auch Bier, der seine Messung bis Ana fortgesetzt hatte, bei uns ein. Abgesehen von dem kleinen Stück oberhalb Uma Mĕhak, das später ergänzt wurde, hatten wir unseren ganzen Reiseweg von der Wasserscheide an messen können und somit konnten die bereits erwähnten Aufnahmen des Kapuasgebietes und des Gebietes von Ana bis zur Küste miteinander in Zusammenhang gebracht werden.

Nun hatten wir noch nach einem Orte Umschau zu halten, der sich als Wohnsitz für einen niederländischen Beamten eignete; aber die Aufgabe war nicht leicht zu lösen, denn gleich unterhalb Uma Mĕhak flachen sich beide Uferseiten ab und nur hie und da erheben sich einige Hügel, die weiter unten gänzlich fehlen. Die wenigen, nur wenige Meter über dem Wasserstande befindlichen Erhebungen waren bereits von den Niederlassungen der Bahau eingenommen. Wir fuhren daher nach vier Tagen weiter nach Ana, wo wir uns zugleich in grösserer Nähe des Dampfbootes befanden.

In Ana nahm uns die Wittwe des früheren höchsten Häuptlings dieses Gebietes, Si Ding Lĕdjü, als ihre Gäste auf. Lĕdjü war mir während meines ersten Aufenthaltes am oberen Mahakam, im Jahre 1897, entgegengereist und hatte mir auf allerlei Weise zu helfen getrachtet. Seine Wittwe zeigte mir mit Stolz ein schönes silbernes Teebrett, das ich für sie in Batavia als Geschenk der Regierung besorgt hatte und das ihr der Assistent-Resident von Samarinda später überreicht hatte. Obwohl sie in sehr bescheidenen Verhältnissen zurückgeblieben war und ihr Schwager die Häuptlingschaft für ihren unmündigen Sohn Djü führte, tat sie doch alles, um uns den Aufenthalt bei ihr so angenehm als möglich zu machen. Wir wurden nicht in der Galerie, sondern in der Häuptlingswohnung selbst aufgenommen, was bis dahin nicht vorgekommen war. Unseren Malaien wurde eine grosse, leere Wohnung angewiesen, in der auch der grösste Teil unseres Gepäckes Platz fand.

Zum Glück war Sĕkarang so weit hergestellt, dass er die Sorge für die Kisten mit lebenden Pflanzen wieder übernehmen konnte. Die Sammlung befand sich, da sie die meiste Zeit in der freien Luft verbracht hatte, in ausgezeichnetem Zustand. Für diese Produkte der kühlen Gebirgswälder wurde nun aber das Klima in der Ebene viel zu warm; da sie überdies vor den Salzteilchen in der Luft während der Seereise geschützt werden mussten, hatten sie eine ständige Bedeckung nötig, die wir ihnen aus Rotangschirmen, welche mit Kattun überzogen wurden, herstellen liessen.

Sobald Kwing Irang erfahren hatte, dass wir uns in Ana befanden, gesellte er sich zu uns, um mit uns zu überlegen, wer von seinen Leuten uns nach Samarinda begleiten sollte. Um zum ersten Mal in ihrem Leben eine Dampferfahrt mitzumachen, um die Wunder einer Küstenstadt zu sehen und um in Samarinda allerhand Dinge einzukaufen, wollten nämlich sehr viele mitreisen, daher rief Kwing meine Autorität zu Hilfe. Nachdem wir auch Njok Leas Rat eingeholt hatten, beschlossen wir, dass 6 Kajan, 4 Long-Glat und die beiden angesehensten Mantri, Sorong und Bo Ului Jok, mitgehen sollten. Kwing Irang selbst und die anderen Häuptlinge wagten aus Furcht, vor dem Sultan nicht uns zu begleiten und wollten uns daher in Udju Tĕpu erwarten.

Als der Handelsdampfer des Sultans “Sri Mahakam” in Udju Tĕpu ankam und der Bootsführer hörte, dass wir uns in Ana befanden, zeigte er sich sogleich bereit, uns dort mit unserem Gepäck abzuholen.