Plan eines Zuges ins Quellgebiet des Mahakam—Schwierigkeiten bei den Vorbereitungen Fahrt auf dem Mahakam bis zum Quellfluss Sĕlirong—Durch den Sĕliku auf den Lasan Tujang—Aussicht von dessen Gipfel—Topographische Aufnahmen—Geologische Verhältnisse des Quellgebiets—Über den Lasan Towong zurück zum Lagerplatz am Sĕlirong—Charakter der beiden Quellflüsse—Besteigung des Batu Balo Baung—Umschlagen des Bootes in den Stromschnellen Vereinigung der topographischen Messungen des Mahakam- und Kapuasgebietes—Heimkehr nach Long Blu-u nach einmonatlicher Abwesenheit.
Eine der wichtigsten Angelegenheiten, die mich, abgesehen vom Zuge zu den Kĕnja, an den Blu-u zurückgeführt hatte, war die schon lange geplante topographische Aufnahme des Quellgebiets des Mahakam und des Batu Tibang, des Grenzgebietes gegen Sĕrawak. Eine Reise in diese Gegend war mir bereits in den Jahren 1896 und 97 missglückt, im vorigen Jahre hatten wir hierzu keine Zeit gehabt, auch hatte der Pnihinghäuptling Bĕlarè keine Unternehmungslust gezeigt; so versuchte ich denn jetzt, den Zug mit Hilfe der Kajan zustande zu bringen. Kwing Irang fürchtete wie gewöhnlich, dass uns in diesen, den Kajan beinahe unbekannten Gegenden ein Unglück zustossen möchte und wollte anfangs seine Zustimmung nicht erteilen. Teils des Lohnes wegen, teils um wieder eine interessante Reise zu machen, fanden sich aber einige junge Männer bei mir ein, die zum Unternehmen bereit waren, und jetzt widersetzte sich Kwing nicht mehr ernsthaft, sondern beauftragte sogar seinen Ratgeber Anjang Njahu, mich als Anführer der Kajan zu begleiten. Kwing behauptete, selbst nicht mitgehen zu können, weil er, in Anbetracht der sehr mittelmässig ausgefallenen Ernte, seinen ganzen Reisvorrat beim Bau seines Hauses verbraucht hatte und daher am Mĕrasè Reis einkaufen musste. Zum Glück stellte sich später heraus, dass seine panjin doch noch Reis besassen. Ich beauftragte daher Demmeni, eine möglichst grosse Menge Reis in Long Tĕpai einzukaufen, was er auch tat. Im richtigen Augenblick kam ein Pnihing mit einem kleinen, aber starken Boot angefahren, das er den Long Glat verkaufen wollte; es gelang Anjang Njahu, das Boot gegen ein Schwert, ein Fischnetz und zwei Stücke weissen Kattuns für mich zu erstehen. Ein Schwert und ein Netz besass ich zwar nicht, aber Anjang trat mir beides für Geld ab, so dass er auch noch einen Gewinn davontrug und ich um ungefähr 35 fl in den Besitz eines guten Bootes gelangte.
Als Bier ankam, waren bereits viele Vorbereitungen für den Zug getroffen, was um so nötiger war, als die trockene Jahreszeit ihrem Ende nahte (es war Ende September) und man überhaupt nur bei niedrigem Wasserstande daran denken konnte, den reissenden Mahakam bis zu seinem Ursprung hinaufzufahren. Da vorauszusehen war, dass das Unternehmen lange dauern würde, musste die Zahl der Teilnehmer mit Rücksicht auf den Reisvorrat möglichst beschränkt werden, weswegen ich Demmeni zu seiner grossen Freude keine photographischen Aufnahmen machen lassen konnte und ihn mit Doris, der auf diesem Zuge wegen der kurzen Rastzeiten doch keine bedeutenden Jagderfolge hätte haben können, am Blu-u zurückliess. Von den fünf Schutzsoldaten aus Samarinda, die sich hier in den ungewohnten Verhältnissen noch bei jeder Gelegenheit äusserst unbeholfen benahmen, sollten uns nur die zwei besten begleiten.
Am 30. September sollten wir, 30 Mann stark, in vier Böten abreisen, und noch am Tage vorher hatte ich mit den Kajan die Ausrüstung besprochen und ihnen ans Herz gelegt, für tuba-Gift zu sorgen, um, sowohl für unseren Unterhalt als für die Anlage einer Fischsammlung, einen kleinen Nebenfluss ausfischen zu können. Leider war das nicht geglückt und wir mussten unser Vertrauen auf die djala, das Wurfnetz, setzen.
Morgens stellte es sich heraus, dass zwei der tüchtigsten jungen Leute sich auf ihre Reisfelder begeben hatten und drei andere, Anjè Pĕla, Sawang Hugin und Sulang Orang unter allerlei Vorwänden nicht mitgehen zu können erklärten.
Eigentlich hatte nur der letztere einen wirklichen Grund, sich zurückzuziehen. Er war nämlich im Begriff Priester zu werden und befand sich in einer Periode von lāli, weil er seinem tō dājung geopfert hatte. Sulang Orangs Familie, die ihn nicht gern mitziehen lassen wollte, obgleich er selbst grosse Lust dazu hatte, verweigerte im letzten Augenblick aus diesen religiösen Gründen ihre Zustimmung zur Reise. Sie hatte aber nichts dagegen, dass Sulang Orangs Schwager Amei den Zug mitmachte, und da dieser selbst sich bereit zeigte, beschloss ich, ihn mitzunehmen.
Was die Kajan in Wirklichkeit von der Beteiligung am Zuge zurückhielt, war mir nicht deutlich und konnte ich auch nicht leicht erfahren, da Kwing, die zuverlässigste Person im Dorfe, abwesend war. Es hatte den Anschein, als wolle man den Zug, wegen der Besorgnis des Häuptlings um unsere persönliche Sicherheit, überhaupt nicht unternehmen. Sowohl das Quellgebiet des Mahakam, in dem die Batang-Lupar aus Sĕrawak lange Zeit umhergeschwärmt waren, als der Batu Tibang, auf dem der Erzählung nach viele Geister, riesige Blutegel und andere gefährliche Tiere lebten, und den ich anfangs hatte besteigen wollen, waren nämlich sehr gefürchtet. Als ich aber Bo Kwai Adjung, einen für dajakische Verhältnisse aufrichtigen Mann, nach dem wahren Sachverhalt fragte, sagte er mir, dass in Wirklichkeit häusliche Umstände die Männer an diesem Tage an der Reise verhinderten und Kwing Irang überdies noch nicht endgültig mit ihnen gesprochen hätte.
An Stelle der beiden Männer, die sich morgens zu ihren Reisfeldern davon gemacht hatten, meldeten sich jetzt einige andere zum Zuge, und auch Anjè Pĕla und Sawang Hugin erklärten sich reisebereit, nachdem ich ihren weiblichen Familiengliedern, die durch allerhand Gegenstände, die sie für mich herstellten oder mir verkauften, viel verdienten, gesagt hatte, ich wolle mit ihnen nichts mehr zu schaffen haben, falls ihre Männer mich derartig betrögen. Kwing Irang, der abends zurückkehrte, verstand die Leute dazu zu bewegen, dass sie am 1. Oktober morgens endlich wirklich reisefertig dastanden, allerdings unter der Bedingung, dass ich ihren Taglohn auf 1 fl und Unterhalt erhöhte. Um nur fortzukommen und weil unser Unternehmen für die Kajan in der Tat ein Wagstück bedeutete, willigte ich sogleich ein, und bald darauf fuhren wir den Mahakam bei sehr günstigem Wasserstande aufwärts.
Kwing Irang führte seine Absicht, uns nach Long Kub zu begleiten, um bei den Pnihing einen guten Führer für uns zu suchen, nicht aus, sei es, dass die alte Hiang ihn aus Eifersucht nicht zu seiner jungen Frau lassen wollte, sei es, dass er in der kurzen Zeit keinen passenden Mann finden zu können glaubte. Wir waren somit auf eigene Kraft und Überlegung angewiesen.
Einmal unterwegs machten sich auch alle unsere jungen Männer eifrig ans Werk, so dass wir, an Long Kub und Bĕlarès Niederlassung vorüberfahrend, abends bereits die Mündung des Tjĕhan erreichten. Nachdem wir dort im Hause des Häuptlings Anja: übernachtet hatten, fuhren wir am folgenden Tage mit der gleichen Schnelligkeit bis zur Mündung des Kaso. Unser Plan war, den Fluss so schnell und weit als möglich hinaufzufahren und von dem höchsten Punkte aus die Untersuchungen anzufangen. Der niedrige Wasserstand war für geologische Beobachtungen sehr geeignet, auch lassen sich diese weit besser während der ruhigen Auffahrt als bei der bewegten Abfahrt ausführen, aber ich musste damit rechnen, dass der Fluss überhaupt nur bei diesem günstigen Wasserstande befahrbar war und wir mit unserem Reisvorrat und daher auch mit unserer Zeit sehr sparsam umgehen mussten. Somit blieb mir nichts übrig, als dieses neue Gebiet nur im Vorüberfahren in Augenschein zu nehmen, ab und zu eine Notiz zu machen und im übrigen auf schnelles Vorwärtskommen zu achten. Bei der Rückfahrt hoffte ich, eingehendere Untersuchungen vornehmen zu können.