Bei allen diesen Gefechten und Schmerzproben merkte ich nie etwas von Erbitterung, und nur sehr selten brach ein kleiner Wicht, der sich unter die grösseren gewagt hatte, über ein Lehmgeschoss, das ihn getroffen, in Tränen aus. Ausser mit Lehmkugeln beschoss sich die Jugend auch mit Grasbüscheln oder mit langen Grashalmen als Wurflanzen.
Die Frauen pflegen nur wenige Spiele, die nicht auch von den Männern geübt werden. Auf [Taf. 13] unten ist ein solches Spiel dargestellt, das von den Frauen besonders in ihrer freien Zeit, z.B. zwischen dem Trocknen und Stampfen des Reises, vorgenommen wird; auf der hier abgebildeten Szene sieht man denn auch hinter den Frauen grosse Matten mit Reis zum Trocknen in der Sonne ausgebreitet.
Das Spiel besteht darin, dass eine Frau zwischen zwei Reisstampfern tanzt, die von zwei Gefährtinnen an beiden Enden festgehalten und in einem bestimmten Rhythmus erst auf zwei am Boden liegende Stampfer, dann gegen einander geschlagen werden. Je geschickter die Tänzerin, desto seltener werden ihre Füsse zwischen die zusammenschlagenden Stampfer geklemmt. Der Rhythmus des Tanzes ist sehr verschieden, auch werden die Stampfer bisweilen schneller und schneller bewegt, so dass die Frau zuletzt die Füsse nur durch sehr flinke Bewegungen zwischendurchziehen kann. Dieses Spiel ist nicht an feste Zeiten gebunden.
Zu den Volksspielen der Bahau können gegenwärtig auch die Hahnenkämpfe gerechnet werden, die vor ungefähr zwei Generationen am oberen Mahakam eingeführt wurden und auch jetzt noch mehr bei den Long-Glat und Ma-Suling als bei den Pnihing und Sĕputan im Schwange sind. Diese Liebhaberei hat bei den Bahau selbst von dem für die Volkswohlfahrt so verderblichen Charakter eines Hazardspiels, wie es z.B. bei den Malaien üblich ist, noch sehr wenig angenommen. Eine eingehende Behandlung haben die Hahnenkämpfe bereits in [Teil I pag. 347] erfahren.
Über zwei Spiele habe ich keine nähere Auskunft erhalten können. Das eine erinnert sehr an unser Tric-Trac und wird mit einem mit a Reihen von Aushöhlungen versehenen Block gespielt; das andere ist ein einfaches Schachspiel. Beide werden hauptsächlich unter den Kajan gepflegt.
Was die Kinderspiele der Bahau betrifft, so sind sie, wie mehrmals bereits gesagt, nicht, wie die meisten Spiele der Erwachsenen, religiösen Beschränkungen unterworfen. Kinder unterhalten sich denn auch das ganze Jahr über mit dem Kreiselspiel, Blasrohrschiessen, Wasserspritzen und bisweilen auch mit dem Maskenspiel. Für das Kreiselspiel schnitzen die Männer den Knaben aus hartem Eisenholz kleine Kreisel ([Taf. 15] e und f), die sie entweder gut polieren (e) oder hübsch mit Schnitzwerk verzieren (f); meist sind sie rund statt platt, wie die der Erwachsenen. Sie werden mit den gleichen Schnüren geschleudert, und wie beim pasing der grossen Männer sucht ein Knabe den Kreisel des anderen herauszuschlagen. Ausser den genannten Vergnügungen, die sie mit den Grossen gemein haben, besitzen sie jedoch noch einige andere, die mit ihrem Älterwerden zusammenhängen und gelegentlich bestimmter Feste geübt werden.
Kinderspielzeug und Kreisel.
Bei den Erntefesten dürfen kleine Knaben z.B. zum ersten Mal Schwert und Schild aus Holz (Fig. l. [Taf. 15]), kleine Mädchen Reiskörbe tragen; beide Geschlechter spielen dann auch zum ersten Mal mit einem Bambus und einem Klopfer (Fig. i. [Taf. 15]). Mitten in diesem Bambus ist eine Öffnung angebracht, auf die das Kind beim Schlagen abwechselnd einen Finger setzt, so dass zwei in der Höhe stark abweichende Töne hervorgebracht werden und der Bambus also zugleich ein primitives Musikinstrument darstellt.
Wird der erste, noch nicht ganz reife und harte Reis gepflückt, so trocknet man ihn zuerst in grossen Schüsseln und entfernt durch Stampfen die Spelzen, wonach die Körner plattgeschlagen aus dem Blocke hervorkommen. Dieser halbreife Reis bildet einen sehr beliebten Leckerbissen der Kinder, die dann den ganzen Tag mit kleinen Behältern umhergehen, aus denen sie den Reis essen. Die Form derselben ist oft sehr eigentümlich, wie zwei unter g und h abgebildete Modelle auf [Taf. 15] zeigen. g hat die Gestalt eines der gewöhnlichen, kleinen, aus Rotang geflochtenen, flaschenförmigen Behälter, wie sie auf Reisen viel gebraucht werden. Hier jedoch ist das Flechtwerk mit Figuren aus buntem Zeug benäht, die durch Steppstiche noch deutlicher hervorgehoben sind. Der Deckel ist mit Figuren bestickt, die Augen, Nase und Mund eines Gesichtes erkennen lassen. h ist ein aus Pandanusblättern geflochtener Korb in Form eines geflügelten, vierfüssigen Tieres, dessen langer Hals einen kopfförmigen Stöpsel trägt. Dergleichen Tiergestalten, besonders die von Vögeln, werden häufig verwendet. Später, wenn der Reis ganz reif ist, füllt man die Behälter für die Kinder mit gedämpftem Klebreis.