Einige Spielsachen der Dajak stimmen ganz mit denen unserer Kinder überein, so z.B. die Puppen. Doch sind diese bei den Bahau nicht allgemein verbreitet und werden auch nur Säuglingen und sehr kleinen Kindern gegeben; sobald die Mädchen einmal ausserhalb des Hauses spielen, sieht man sie nicht mehr mit Puppen. [Tafel 15] (b und c) giebt zwei solcher Puppen vom oberen Mahakam wieder. Ihr Rumpf besteht aus Baumbast; im Gesicht sind bei b mit schwarzem Faden Augen, Nase und Mund gestickt, während zwei Metallringe an Baumwollfäden die an den ausgereckten Ohrlappen hängenden Ringe vorstellen. Die Kleider sind aus gewöhnlichem buntem Kattun verfertigt. Puppe c besitzt zwar keinen Kopf, doch sind die Ohrringe an den Schultern befestigt.
Lieber als Puppen haben die Mädchen kleine Kindertragbretter (hăwăt), mit denen sie umhergehen. Zwei dieser hăwăt sind unter a und d abgebildet, letztere mit à jour Schnitzwerk verziert und beide zur Abwehr böser Geister mit Muscheln behängt. So häufig ich auch die kleinen Mädchen mit Tragbrettern spielen sah, fand ich in diesen doch nie eine Puppe, die ein Kind vorstellen sollte; stets wurde die hăwăt leer umhergetragen.
Die Knaben unterhalten sich gern damit, flache Flusssteine nach selbstgegrabenen Erdlöchern zu werfen. Bei diesem Spiel kommt es darauf an, das Loch von einem bestimmten Abstand aus gut zu treffen; nie sah ich dass gespielt wurde, um als Erster hervorzugehen oder einen Einsatz zu gewinnen.
Abends beim Baden findet die Bahaujugend, ganz wie die europäische viel Vergnügen daran, Steine übers Wasser ans andere Ufer zu werfen oder flache Steine auf der Wasseroberfläche möglichst oft hinterein ander aufschlagen zu lassen.
Eine sehr bemerkenswerte Methode des Steinewerfens beobachtete ich einst bei den Ulu-Ajar-Dajak am Mandai, nämlich das Werfen mittelst einer Schleuder. Die Knaben benützten hierfür sehr lange, schmale Blätter, deren Enden sie mit einer Hand fassten, worauf sie den Stein in den so gebildeten Bausch legten und ihn ans andere Ufer zu schleudern suchten, indem sie beim Werfen das eine Ende der Schlinge losliessen. Das Prinzip der Schleuder ist diesen Stämmen also bekannt, nur hat sie in diesem Buschland als Waffe zu keiner Bedeutung gelangen können.
Ein eigenartiges, auch in Europa sehr bekanntes Spiel ist das Bilden von Figuren mit Hilfe einer zusammengebundenen, über die Finger der beiden Hände gelegten Schnur. Auch die kleinen Dajak nahmen einander auf bestimmte Weise die Schnur von den Fingern und erhielten dann stets neue Figuren. Als wir ihnen einmal einige unserer europäischen Figuren lehren wollten, zeigte es sich, dass sie selbst deren weit mehr kannten und auch viel geschickter waren als wir.
Kajanknaben auf dem Gerüst ihres selbstgebauten Häuschens.
Auch die dajakischen Kinder ahmen gern die Arbeiten der Erwachsenen nach. Auf [Tafel 16] sind vier Knaben zu sehen, die auf dem Gerüst ihres selbstgebauten Häuschens stehen. Von den beiden vordersten ist der eine mit Schild und Schwert bewaffnet, der andere hält ein Blasrohr umgekehrt in der Hand. Angeregt wurden sie zu ihrer Unternehmung durch den Bau von Kwing Irangs Haus, der das Interesse des ganzen Stammes in Anspruch nahm. Im Hintergrunde ist denn auch noch das unvollendete grosse Haus zu sehen (Der Leser sei hier auf das provisorische Gerüst am Ende des Dachfirstes aufmerksam gemacht, das zur Anbringung der bang pakat, der grossen Firstverzierung, dient).
Derartige Bauwerke werden von Gruppen von Knaben an verschiedenen Stellen um die Niederlassung und zwar aus altem Material errichtet. Steht das Hains fertig da, so nehmen die jungen Baumeister mit ihren kleinen Freundinnen tagüber allerlei herrliche Spiele in ihm vor.