Da das alte Kajanhaus verbrannt war, musste alles Material neu beschafft werden, und ich hatte bereits im Jahre 1896 Eisenholzpfähle im Blu-u liegen sehen, die später verwendet werden sollten.
Für die Pfähle und die Dachbedeckung der Häuptlingswohnung wird so viel als möglich Eisenholz benützt. Die langen, geraden Stämme der Tengkawangbäume dienen hauptsächlich als Dachsparren und Dielenbalken. Den Freien und Sklaven ist ausdrücklich verboten, Verzierungen aus Eisenholz und Dielenbalken aus Tenkawang, oder, wie die Kajan sagen, Kawang-Holz herzustellen; dagegen ist ihnen gestattet, Tengkawang-Holz zu Schindeln zu verwenden.
Beim Sammeln des Materials müssen allerhand Vorschriften befolgt werden. Zur Zeit des Vollmonds darf nie etwas Wichtiges unternommen, also auch kein Haus gebaut werden, da es sonst verbrennen würde. Das Suchen von passenden Bäumen und deren Bearbeitung zu Pfählen, Brettern oder Schindeln erfordert eine genaue Beachtung der Zeichen des tsit, tĕlandjang, kidjang, u.s.w. Ausserdem muss, je nach dem Zweck, den man mit dem Holz im Auge hat, besonderen Vorschriften nachgekommen werden. So dürfen z.B. aus einem Baum, auf dem viele Epiphyten, wie Orchideen, wachsen oder auf dem viele Ameisen umherlaufen, keine Schindeln verfertigt werden, wenn man nicht Epiphyten und Ameisen auch auf dem neuen Dache sehen will. Auch wenn ein kleiner Baum gegen einen grossen wächst oder wenn ein Baum rechtwinklig gegen den Ast eines benachbarten Baumes anstösst, ist er für Schindeln ungeeignet. Dielenbretter, die während des Transports, der fast immer zu Wasser geschieht, nass wurden, dürfen nicht mehr benützt werden.
In Bezug auf die Herstellung von Pfählen sind die Bestimmungen weniger zahlreich. Beim Fällen muss ein Baum vollständig seitwärts niederfallen; er darf dagegen nicht vom Stumpf abgleiten und dann stehen bleiben, wie es im dichten Walde leicht vorkommen kann. Ein solcher Baum darf weder für Häuser noch Böte noch andere Zwecke verwendet werden.
Jeder Bahau und Kĕnja hat das Recht, in den Wäldern innerhalb des Gebietes seines Stammes nach Belieben Bäume zu fällen; nur die grossen Tengkawangbäume, die in fruchtreichen Jahren einen ganzen Stamm mit Fett versorgen, werden meist geschont. Hat jemand einen Baum gefunden, der ihm zum Bau seines Hauses oder Boots geeignet scheint, so bezeichnet er denselben als sein Eigentum, indem er eine zwei Faden lange Stange in die Erde steckt und an den Stamm lehnt.
Sobald das Material zum Hausbau in genügender Menge zusammengebracht worden ist, wird eine Versammlung berufen, welche eine passende Zeit zum Beginn der Arbeit zu wählen hat. In der Regel fängt man mit dieser nach der Reissaat an, und wenn gute Erntejahre vorangegangen sind, da die Feldarbeit dann viel Zeit übrig lässt und Nahrungsmittel reichlich vorrätig sind. Ein Hausbau ist eine Angelegenheit des ganzen Stammes, indem jede Familie eicht nur für ihre eigene Wohnung zu sorgen hat, sondern sich auch am Bau des Häuptlingshauses beteiligen muss.
Sobald ein Grundstück gewählt worden ist, zieht der Häuptling mit den Oberhäuptern der Familien aus, um den Wald an der betreffenden Stelle zu fällen. Diese Arbeit bedeutet jedoch noch nicht den definitiven Anfang des Baus. Durch ungünstige Umstände gezwungen liessen die Kajan z.B. den Wald auf dem als Bauplatz gewählten Bergrücken an der Blu-u Mündung drei Mal wieder heranwachsen, nachdem sie ihn ebensoviele Mal gefällt hatten. Erst dann wagten sie es, sich dort endgültig ans Werk zu machen. Vor dem Beginn des Baus ziehen die meisten Familien, die dem Häuptling helfen und auch ihr eigenes Haus schnell errichten wollen, nach dem Bauplatz und stellen dort ein provisorisches Haus her, nach Art der lĕpo luma, aus altem Material (Siehe die kleinen Häuser auf [Taf. 48 T. I]).
Handelt es sich um den Bau einer neuen Niederlassung, so muss der Häuptling vor dem Anfang des eigentlichen Baus ajo̱, d.h. die Geister in günstige Stimmung versetzen, indem er mit einem Menschenschädel eine bestimmte Zeremonie ausführt. Gegenwärtig wird dabei ein alter, von einem benachbarten Stamme geliehener Schädel benützt, wie es auch jetzt noch beim Ablegen der Trauer (be̥t lāli lumu) gebräuchlich ist. Diese Sitte deutet wahrscheinlich darauf hin, dass der Hausbau früher mit der Opferung eines Menschen eingeleitet wurde. Der Häuptling verrichtet diese Zeremonie für den ganzen Stamm.
Sowohl bei den Kajan als bei den anderen Stämmen ist es sehr gebräuchlich, dass die Dorfgenossen einander beim Hausbau Beistand leisten. Die gegenseitige Unterstützung wird mit pala-dow bezeichnet; den gleichen Namen tragen auch die Gehilfen. Die Familien beteiligen sich nicht nur am Bau des Häuptlingshauses, sondern sie versichern sich, auch wenn es den Bau des eigenen Hauses gilt, der Mitwirkung einer so grossen Anzahl von Männern, dass am gleichen Tage die alte Wohnung niedergerissen und die neue unter Dach gebracht wird. Wer an eine derartige Arbeitsweise nicht gewöhnt ist, staunt über die Leistungen, die auf diese Weise in einem Tage ausgeführt werden. Die weitere Bearbeitung findet später mit Hilfe einer kleineren Leutezahl statt. Besteht eine Familie aus nur wenigen Gliedern und nimmt deren täglicher Unterhalt fast alle Zeit in Anspruch, so dauert es Monate, bisweilen auch Jahre, bevor ihr Haus ganz fertig dasteht.
Obwohl beim Bau eines so grossen Hauses wie das von Kwing Irang von einer schnellen Vollendung keine Rede sein konnte, wurde die Arbeit doch nach dem gleichen Prinzip vorgenommen. An bestimmten Tagen kam eine grosse Anzahl Männer zusammen, um eine bestimmte Arbeit auszuführen; nötigenfalls stellten sie sich auch noch am folgenden Tage ein, aber dann verging wieder eine lange Zeit, bevor sie fortfuhren. Sie mussten dazwischen neues Material sammeln oder sie hatten andere Dinge zu tun. Auch seine Sklaven liess der Häuptling nicht ständig arbeiten, obgleich sie immerhin durch Sie Herstellung von Brettern und Verzierungen mehr zu tun hatten als die übrigen Familien, die nur einen bestimmten Anteil zu liefern hatten.