Der Familie, die bauen lässt, fällt die Beköstigung ihrer pala-dow zu. Da beim Bau eines gewöhnlichen Hauses etwa 40 Mann mithelfen, bedeutet deren Ernährung eine grosse Last für die betreffenden. Dazu verursacht später die sorgfältige Bearbeitung des Hauses neue Kosten. Wenn sich der ganze Stamm am Bau des Häuptlingshauses beteiligt, müssen zur Beköstigung der Hilfskräfte mehrere Scheunen mit Reis geopfert werden. Die weiblichen Familienglieder und einige Sklavinnen sind bereits mehrere Tage vor Begin des Hausbaus mit dem Stampfen des Reises und die Männer mit dem Fang von Fischen als Zuspeise beschäftigt. Bisweilen wird auch zu diesem Zwecke eine tuba-Fischerei in einem Bache veranstaltet. Die reichen, aus zahlreichen Gliedern bestehenden Familien unterstützen den Häuptling bei derartigen Gelegenheiten mit Reis und anderen Artikeln.

Wird für einen vornehmen Häuptling, wie Kwing Irang, ein Haus gebaut, so kann dieser auch auf die Mitwirkung der benachbarten Stämme rechnen. Da alle Häuptlinge der Bahau am oberen Mahakam verwandt sind, hätte man ihre Unterstützung als eine Ehrenbezeigung ansehen können, die sie dem ältesten Familienglied, Kwing Irang, bewiesen. Es scheint jedoch, dass es sich hier eher um einen pflichtgemässen Beistand handelt; denn die Niederlassung Lulu Njiwung, deren junger unbedeutender Häuptling Ding Ngow an Vornehmheit der Geburt Kwing Irang übertraf, weil er in gerader Linie von einem männlichen Häuptling der alten Long-Glat abstammte, Kwing dagegen in weiblicher Linie, durch seine Mutter, steuerte keinen Pfahl zum Hause bei, wie die Pnihing, Ma-Suling und Long-Glat von Long-Tĕpai es taten.

Zuerst mussten alle Pfähle, auf welchen Kwing Irangs Haus ruhen sollte, vom Fluss aus den 30 m hohen Hügelrücken hinaufgeschafft werden (Siehe [Taf. 48 T. I]). Hierzu wurde ein 5–7 cm dicker Rotang durch das Loch gezogen, das bereits im Walde in das obere Ende der schweren Balken gebohrt worden war. An diesem Kabel zogen 20–30 Mann einen Pfahl den Hügel hinauf, während andere ihn an der Spitze durch, untergeschobenen Rotang hoben oder ihn über Rollen gleiten liessen.

Opferszene.

Zu dieser Arbeit wurden die jungen Leute hauptsächlich abends, wenn sie von der Feldarbeit heimkehrten, zusammengerufen. Ausser den grossen Pfählen hätte man auch kleinere; die für Gerüste und Hilfstreppen verwendet werden sollten, aus dem Walde herbeigeschafft; überdies auch grosse Mengen verschiedener Rotangarten: dünne, zähe Sorten zum Aneinanderbinden der verschiedenen Holzteile, schwere, bis 7 cm dicke Arten als Kabel zur Aufrichtung der Pfähle.

Nachdem die Kajan einige Tage lang Klebreis gestampft; in samit-Blätter gewickelt und gekocht, Fische gefangen und in grossen Pfannen mit Wasser zubereitet hatten, kamen sie eines Abends zusammen, um mit. Hilfe von Rotangstücken den Platz zu messen, auf dem das Haus stehen sollte, und die Stellen anzugeben, wo die Pfähle eingerammt werden sollten (Siehe [T. I Pag. 387]).

Der erste Tag, an dem die Gruben gegraben und der erste Pfahl aufgerichtet wurde, bedeutete einen Festtag für den ganzen Stamm. Die grössten und schwersten Pfähle wurden mit Hilfe sämtlicher Männer, auch der Frauen und Kinder, hinaufgezogen: besondere Anstrengung verursachte die Aufrichtung der grossen, mit Schnitzwerk verzierten Pfähle.

Der schwerste Pfahl war 10 m lang; hatte einen Umfang von 1.80 m und bestand aus Eisenholz, dessen sp. Gewicht 1,3 beträgt. Im Ganzen wurden 10 solcher Pfähle für das Haus verwendet.

Die Kajan waren übereingekommen, den Hauptpfahl nachts aufzurichten, weil eventuelle schlechte Vorzeichen dann nicht gesehen werden konnten. Wir hatten daher, mit Rücksicht auf die Zeremonien, welche interessant zu werden versprachen, Vorbereitungen für eine Blitzlichtaufnahme getroffen; aber nach Mitternacht begann es so stark zu regnen, dass die schweren Gonge erst bei Tagesanbruch die Leute zum gewichtiges Werk herbeiriefen. Bald waren 150 Männer beisammen, die alle damit begannen, aus armdicken Stämmen von hartem Holz lange Schaufeln zu schneiden, mit denen sie die Erde ausgruben; oder sie spalteten einen langen, dicken Bambus an dem einen Ende, bogen die Streifen wie einen Trichter auseinander, umflochten diese zur Befestigung mit Rotang und schafften so die lockere Erde herauf, indem sie das becherförmige Ende in den Boden stiessen und gefüllt wieder nach oben zogen. Auf diese Weise wurden für sämtliche Pfähle Löcher gegraben; für die längsten und schwersten Pfähle betrug die Tiefe der Gruben 2 m, für die kürzeren und dünneren 1 m. In der Richtung, in welcher der Hauptpfahl in die Grube gleiten sollte, wurde eine Rinne gegraben und ihr gegenüber, an die senkrechte Wand der Grube, ein Brett gestellt, so dass auch ein sehr schwerer Pfahl nicht in die Erde dringen, sondern an der Gleitfläche abwärts sinken konnte.