Die Erde auf dem Bauplatz war gelbbraun und in einer Tiefe von ½ m mit kleinen, verwitterten Steinen gemischt, die sich 1½ m tiefer als roter Jaspis erwiesen. Augenscheinlich bestand dieser lange Hügelrücken aus alten Kiesablagerungen des Flusses.
Die grösste Feierlichkeit fand nicht beim Haupt-, sondern beim Mittelpfahl statt, obgleich gerade dieser zu den kleineren Exemplaren gehörte. Nachdem der Pfahl aufgerichtet worden war, führte man den alten halb blinden Oberpriester Bo Jok zu ihm. Der Greis wandte sich den Geistern, welche diesen Ort bewohnten, hauptsächlich denen auf dem dicht daneben stehenden Andesitkegel Batu Kasian zu und erzählte ihnen, dass der Kajanstamm hier eine Niederlassung bauen wolle und sie um ihren Segen bitte. Dabei opferte er den Geistern ein Küchlein und ein Ei und steckte Eisen in Form einiger Nägel und zwei gelbe und zwei blaue alte Perlen als Opfergabe in die Erde. Das Küchlein und das Ei klemmte er in ein gespaltenes Stück Bambus und stellte dieses neben den Pfahl, während er auf der anderen Seite, zur Abwehr böser Geister, Blätter von daun long (Aroïdeae sp.) an den Pfahl band (Siehe [Taf. 25] in der Mitte).
Darauf steckte er neben dem Pfahl mit Holzspiralen verzierte Haken im Kreise in die Erde, um auch den Segen der Erdgeister dem künftigen Gebäude zuzuführen. Auch den Luftgeistern opferte er, indem er nach allen Richtungen Reis in die Luft warf; doch war seine Ansprache wegen der heftigen Schläge auf die Gonge nicht zu verstehen. Die nebenstehende Tafel giebt die Schlussszene dieser Feierlichkeit wieder. In der Mitte steht der Hauptpfahl, an dem rechts der lange Stock mit dem Ei, vorn die schutzbringenden Blätter zu sehen sind. Die eine Hand auf den Pfahl gestützt steht der alte Bo Jok da; seine Ohren schmücken zur Feier des Tages Tigerzähne. Rechts vom Priester stehen die beiden vornehmsten Frauen des Stammes, Bo Hiāng, Kwing Irangs älteste Frau, und deren Nichte Lirong (auf dem Eisenholzbrett). Um ihre Seele, die sich wie sie selbst vor den vielen aufgerufenen Geistern fürchtet, am Entfliehen zu verhindern, hat Bo Hiāng sich ein Stück weissen Kattuns aufs Haupt gelegt, während Lirong auf das ihre mit beiden Händen ein hübsches buntes Tuch drückt. Dass auch Bo Jok voller Angst war, merkte man daran, dass er ein altes Schwert und ein weisses Zeugstück in der Hand hielt und nach beendeter Feier aufs Haupt legte. Links hinter Bo Jok sitzt auf einem grossen Pfahl aus Eisenholz ein Kajan und schlägt auf einen Gong, den er auf den Knieen hält. Die übrigen Personen sind Arbeiter und Knaben.
Aufrichtung des Hauptpfahls von Kwing Irangs Haus.
Nach beendeter Feier verteilten sich die Kajan in Gruppen, die gesondert Pfähle in die Erde setzten und feststampften. Da die Leitung hierbei nicht in den Händen einiger Hauptpersonen lag, sondern jeder seine Meinung äussern zu dürfen oder zu müssen glaubte, herrschte auf dem Platze grosse Konfusion und Geschrei. Hauptsächlich war dies beim Transport der schwersten Pfähle der Fall, die zum Teil noch ihren Gruben gegenüber in die richtige Lage gebracht werden mussten. Dessenungeachtet schritt die Arbeit gut vorwärts. Die kleinen Pfähle wurden mit den Händen aufgerichtet und in die Gruben gestellt, für die grösseren benützte man, um sie beim Heben lenken zu können, hölzerne Gabeln.
Gegen 9 Uhr morgens gingen die Kajan an die Aufrichtung der grossen, mit Bildhauerarbeit verzierten Pfähle aus Eisenholz, welche die Vorgalerie stützen sollten. Diese ungefähr 3500 kg schweren Säulen konnten von den Leuten nicht ohne Hilfsmittel aufgerichtet werden, weil sie mit ihrer Spitze so hoch gehoben werden mussten, dass ihr unteres Ende in die Grube gleiten konnte. Zu diesem Zwecke gebrauchten die Kajan dicke Rotangkabel, die am oberen Ende des Pfahls in einer Höhe von 7 m befestigt und über einen vor der Grube errichteten Galgen geleitet wurden; sie boten mehr als 50 Menschen Gelegenheit zum Ziehen. Auf [Tafel 26] sieht man in der Mitte des Vordergrundes den verstärkten Galgen, der für solch einen Pfahl gebaut, hier aber noch nicht benützt worden ist. Der Balken, über den die beiden Kabel laufen sollen, liegt auf den Spitzen von zwei gleichseitigen Dreiecken, die aus geraden, jungen, mit Rotang aneinander gebundenen Stämmen bestehen. Diese Dreiecke werden zu beiden Seiten des Pfahls, der gehoben werden soll, errichtet und sind mit einander durch andere Quer- und Stützbalken verbunden und verstärkt. Oft werden diese Dreiecke auch an den bereits aufgerichteten kleineren Eisenholzpfählen befestigt. Das Bild stellt den Augenblick dar, wo eine grosse Anzahl Menschen (rechts) den grössten, mit schöner Bildhauerarbeit verzierten Pfahl (links im Hintergrunde) an Rotangkabeln in die Höhe zieht; einige Männer stehen und ziehen auch auf dem Gerüst selbst. Die grossen Pfähle tragen mächtige Kriegsmützen aus Rotang, welche mit nachgemachten Federn des Nashornvogels geschmückt sind. Alt und jung, Männer und Frauen ziehen an den Kabeln, wo nur ein Platz frei ist. Die beiden seitlichen Dreiecke sind so fest in den Boden gesetzt, dass sie nicht nur die vielen Männer tragen, sondern eventuell auch den Pfahl, falls er seitwärts ausweichen sollte, zurückhalten können.
Anfangs fiel die Zugrichtung zu stark in die des liegenden Pfahls, daher wurden an dessen oberem Ende ständig mehr Balken untergeschoben, bis der Pfahl durch eine stärkere Neigung in eine günstigere Lage gebracht wurde. Als der Pfahl beim Ziehen in die Rinne glitt, die von seinem unteren Ende in die Grube führte, fand er an der gegenüberstehenden Planke einen Stützpunkt.
Da auch bei dieser Arbeit eine Leitung fehlte und viele der ältesten und einflussreichsten Männer gleichzeitig ihre Meinung zum besten gaben, wurde nicht stets gleichmässig und im erforderlichen Moment gezogen. Jeder kleine Arbeitsfortschritt wurde anfangs durch Unterschieben von Holz gesichert, dann ging es immer schneller vorwärts; der Pfahl erhob sich höher und höher unter den ängstlichen Zurufen der zahlreichen, zuschauenden Mene, die einen Fall oder ein Aasweicher. des Balkens fürchtete. Dieser wurde übrigens von vielen Männern mit hölzernen Gabeln gestützt. Unter diesen Männern durfte keiner sein, der eine Frau verloren und daher den Zorn der Geister bereits empfunden hatte. Es dauerte eine Stunde, bevor der Pfahl, zur grossen Erleichterung der Zuschauer, mit einem Ruck in die Grube schoss. Fällt nämlich ein Pfahl, so darf er zum Bau überhaupt nicht mehr verwendet werden. Dieser Pfahl war aber besonders gross und schwer, hatte daher viel Mühe verursacht, bis er an Ort und Stelle geschafft war, ausserdem hatten die beiden talentvollsten jungen Holzschnitzer, Sawang Jok und Imun, viel Zeit darauf verwendet, um das obere Balkenende mit einem schönen Relief zu verzieren. Aus einer Erhöhung am Stamm, von der ein dicker Ast ausgegangen war, hatten sie ein 1 dm hohes Relief eines Tierkörpers modelliert. Die übrigen Figuren waren 1–2 cm tief in den Stamm geschnitten ([Taf. 27]).
Der Priester Bo Jok hatte vor der Aufrichtung des Pfahls über der Grube den Erdgeistern ein Ferkel geopfert. Wie am mittleren Pfahl wurde auch hier eine Ansprache an die Geister gehalten, aber ausserdem verherrlichte man auch noch das Opfer und pries das kleine Ferkel als kostbares Schwein an. Darauf schnitt man dem Tier die Kehle durch und liess das Blut in die Grube fliessen; nur ein kleiner Teil wurde auf einem Bananenblatt aufgefangen, um damit alle übrigen Pfähle zu bestreichen. Als der Pfahl fest in der Grube stand, steckte man neben ihm einen Stock in die Erde, in dessen oberes, gespaltenes Ende das Ferkel eingeklemmt wurde. Hier blieb das Tier bis es verweste ([Taf. 28]).