Bemerkenswert an Fig. 3 ist noch das hübsche Flechtwerk von kĕbalan am oberen Ende des Griffs, das zwar, wie auch 8 und 11 zeigen, fast stets angebracht wird, um eine Spaltung des Holzes zu verhindern, hier aber besonders breit und sorgfältig ausgeführt ist.
Nach den Beilen verdienen die Dechsel die meiste Beachtung; sie kommen in zahlreichen Modellen vor: zur Herstellung von Brettern werden die breiten, platten gebraucht (Fig. 8), beim Bau von Böten, zur Abplattung der runden Oberfläche, mehr die runden, wie Fig. 5, während die kleinen, Fig. 7, z.B. zur Entfernung der Aussenrinde eines Hirschhorns dienen. Dechsel mit langen Stielen werden auch wohl wie in Europa zum Glätten von Planken angewendet. Wie die Dechsel bei der Bearbeitung von Böten gebraucht werden, ist auf [Tafel 57] dargestellt.
Das Jäteisen ([Taf. 51] Fig. 2) ist im Grunde nur ein roh geschmiedeter Dechsel, mit dem die Frauen das Unkraut von den Feldern wegkratzen. Ein anderes Gerät aus rohem Eisen ist der Hohlmeissel (Fig. 9), mit dem man in die Rinde der Guttaperchabäume Rinnen schlägt, um den Milchsaft abzuzapfen. Fig. 4 stellt eine Harpune zum Fang grosser Fische dar. Ihr oberstes Stück, das allein aus Eisen besteht, ist mit seinem hohlen unteren Ende sehr locker auf dem zugespitzten Ende des Stockes befestigt. Um das Unterende des Eisens ist jedoch einige Mal eine Schnur gebunden, die bei 4b und 4c nochmals um den Stiel gewickelt ist, so dass der eiserne Haken, sobald er mit dem Fisch vom Stocke gleitet, doch an der Schnur befestigt bleibt.
In Fig. 6 und 20 sind einige Werkzeuge abgebildet, deren Herstellung etwas mehr Geschicklichkeit erfordert. Das erste ist ein dünnes, zweischneidiges, spitz endendes und in der Fläche gebogenes Messer, das wiederum mit Guttapercha in einem hölzernen Griff befestigt ist. Es dient zur letzten Bearbeitung eines Schildes, nachdem dieser mit einem Dechsel bereits völlig auf die gewünschte Dicke gebracht worden ist; die letzten Splitter werden mit diesem Messer entfernt und die Oberfläche wird damit geglättet. Das zweite Werkzeug (Fig. 20) ist ein Bohrer, dessen Stiel beim Gebrauch zwischen den Handballen gerieben wird.
Während beinahe jeder Schmied die beschriebenen Gegenstände selbst verfertigen kann, verstehen sich auf das Schmieden von Warfen, d.h. Schwertern und Speeren, wie gesagt, nur wenige wirklich gut. Doch haben es einige unter ihnen für Eingeborene zu einer in unserem Auge bewunderungswürdigen Höhe gebracht, wenn man bedenkt, dass auch sie nur über die eben besprochenen unvollkommenen Gerätschaften verfügen.
Gerade die Schwertfegerei hat unter der Einführung europäischer Ware von der Küste am meisten gelitten; ferner hat auch der Umstand ungünstig gewirkt, dass die Gegenwart einer europäischen Verwaltung die Kriegführung unter den Bahaustämmen sehr eingeschränkt hat. Infolgedessen werden z.B. am Kapuas schöne Schwerter von guter Qualität überhaupt nicht mehr geschmiedet. Während meines Besuchs bei der dortigen Bevölkerung konnte mir der Schmied zwar ein Schwert herstellen und es mit Gravierungen nach altem Muster verzieren, aber die Beschaffenheit des Eisens liess viel zu wünschen übrig und machte die Waffe für Kriegszwecke völlig untauglich. Als Beispiel für ein derartiges Schwert der Kapuas-Kajan mag das in [Teil I Taf. 28] abgebildete dienen. Wie das Eisen für Ackergerätschaften werden auch einfache Arbeitsschwerter in grosser Menge bei ihnen eingeführt; die schönen Schwerter, die eventuell im Kriege dienen könnten, verschaffen sich die Kapuasbewohner alle vom oberen Mahakam, wo die Schwertfegerei noch jetzt sehr im Schwange ist. Doch ist dies nicht bei allen dortigen Stämmen der Fall: die Pnihing schmieden überhaupt keine Schwerter, die Kajan leisten in dieser Beziehung nur Mangelhaftes, nur die Ma-Suling und Long-Glat bringen viel Schönes hervor und versehen alle anderen Stämme mit Schwertern, die daher ihren wichtigsten Tauschartikel bilden.
Obgleich in minderem Masse als in anderen Handwerken, findet man auch in der Schmiederei die besten Arbeiter unter den Häuptlingen und Reichen, weil es den übrigen sowohl an Zeit zur Übung, als an Mitteln für Opferspenden an die Geister mangelt. Beim Schmieden erfordert nämlich jedes weitere Stadium, das der betreffende Gegenstand erreicht, ein neues Opfer, das sich mit dem Fortschreiten der Arbeit stets vergrössert.
Bei der Herstellung eines mit Kupfer- oder Silbereinlagen hübsch verzierten Schwertes verfährt der Schmied folgendermassen: erst bringt er das Schwert auf das auf [Tafel 52] in Fig. a dargestellte Stadium. In diesem wird Teil I später mit Guttapercha im Griff befestigt; bei 2 sind die oberflächlichen Rinnen und bei 3 die Löcher angegeben, in welche das Metall eingelegt werden soll. Die Löcher, die bei a nur Vertiefungen darstellen, sind erst bei Fig. b völlig ausgearbeitet; sie werden mit den unter f, g, h und i abgebildeten Instrumenten erzeugt, während das Schwert sich noch in glühendem Zustande befindet. Das Einschlagen der Gruben geschieht mittelst Meisseln von verschiedener Form. Um die Löcher in gleichen Abständen zu erhalten, benützt man die meisselförmige Klinge mit doppelter Spitze g, die in den Dorn (3 bei Fig. i) gesteckt und dann mit einem Hammer in das glühende Metall getrieben wird. Ebenso entstehen auch die Rinnen 2 in Fig. a; doch gebraucht man für diese Meissel von der Form 3 in Fig. i und von der Form in Fig. f, bei welcher zwei dieser Keile aneinandergebunden abgebildet sind. Die S-förmige Schneide dieses Meissels bringt Linien wie bei Fig. a2 hervor.
Bei einer folgenden Erhitzung erhalten die oberflächlichen Gruben durch Hineintreiben des Eisens h die nötige Tiefe; meistens dringen die Öffnungen nicht bis zur anderen Seite durch, doch geschieht dies gelegentlich durch Ungeschicklichkeit. Reihen derartiger Löcher, die zur Aufnahme des einzulegenden Metalls bereit sind, zeigen die Modelle b und c. Bei b, 5 und 6, sind auch noch neue Rinnen zu sehen, welche mit hierzu passenden Meisseln, deren Handhabung grosse Geschicklichkeit erfordert, hergestellt sind.