Unvollendete Schwerter der Bahau.
Die für die Bahauschwerter so charakteristische Einlegearbeit in Kupfer und Silber wird an den auf die beschriebene Weise präparierten Schwertern derart vorgenommen, dass man in kaltem Zustande dünne Splitter dieser Metalle in die Gruben bringt und sie mittelst kleiner Hämmer fest in diese hineinklopft. Nach der Füllung sehen die Gruben aus wie 10 in Fig. d und müssen dann erst durch Wegfeilen der überschüssigen, nach aussen vorragenden Metallteile weiter bearbeitet werden.
Die Ausarbeitung des Teils 3 in Fig. a bis zum Stadium 9 in c giebt bereits eine gute Vorstellung von den Leistungen der Bahau in der Schmiedekunst; die meisten Schwerter vom Mahakam tragen auch nicht viele andere Verzierungen als Einlegearbeit und diese Schnörkel. Dass die Schmiedekünstler auf Borneo in ihrem Fach jedoch noch viel Grösseres leisten könnten, wenn ihre beschränkten Verhältnisse sie nicht beeinträchtigten, beweist die Verzierung 7 in Fig. b. Sie wurde von einigen Schmieden der Ma-Tuwan in Long Tĕpai hergestellt und besteht der Hauptsache nach aus 4 übereinander gelegten Spiralen aus dünnen Eisenstreifen, von denen die längste von rechts über eine zweite Spirale nach links unter die linke, nach oben gebogene Spirale verläuft, hier nach rechts umschlägt, um mitten in der Figur in einen Schnörkel zu enden. Sie zeugt von einer bewundernswerten Gewandtheit im Schmieden und von einem sehr richtigen Augen-mass; mancher europäische Kunstschmied würde die Arbeit nicht leicht nachahmen können.
Leider finden derartige aussergewöhnliche, praktisch nutzlose Verzierungen im Gemeinwesen der Bahau keine Gelegenheit zur Vervollkommung und man trifft sie daher auch höchst selten. Für gewöhnlich werden die Schwerter, sobald sie fertig geschmiedet sind, von anderen Personen, die darin Übung haben, mit feinen Sandsteinen geschliffen. Das Polieren der Schwerter ist unbekannt.
Die bei den Mahakambewohnern vorkommenden Formen von Schwertern sind in den Fig. a, b, c und d auf [Tafel 52] und a und b auf [Taf. 29, Teil I] abgebildet, von denen die beiden letzten deutlich die eigenartige Einlegearbeit zur Geltung kommen lassen.
Die anderen Bahaustämme, wie die Kajan am Kapuas und die am Batang-Redjang oder Balui, benützen ähnliche Schwerter, doch sind die der letzteren mehr hohl gebogen, wie e auf [Tafel 52] andeutet. Bei diesem ist zugleich auch eine andere, am Kapuas ([Teil I Taf. 28]) und bei den Kĕnja ([Teil I Taf. 29]) gebräuchliche Verzierungsweise angebracht, nämlich eine Ziselierung auf der Rückseite der Schwertfläche, die an dem völlig ausgearbeiteten Schwerte ausgeführt wird, indem man mit kleinen harten Meisseln Linien ins Eisen schlägt. Dies geschieht aus freier Hand, ohne vorhergehende Zeichnung. Schwert e ([Taf. 52]) zeigt überdies auch an seinem äusseren Ende noch eine hübsche Verzierung 14, von deren einzelnen Teilen im [folgenden Kapitel] ausführlicher die Rede sein wird.
Eine andere Art von Metallbearbeitung hat sich bei den Bahau am Mahakam zugleich mit der Sitte der Hahnenkämpfe von der Küste her eingebürgert, nämlich das Schleifen von Eisen und Stahl mit Hilfe von drehbaren Schleifsteinen, die sie ebenfalls an der Küste kaufen. Doch werden auf diese Weise ausschliesslich Sporen für Kampfhähne verfertigt, von denen einige Modelle auf [Taf. 60] in Fig. e abgebildet sind. Auf das Schleifen und Anbringen der stählernen Sporen verstehen sich die Häuptlinge meistens selbst: vorzugsweise stellen sie diese aus Rasier- und Fischmessern her, die sie nicht enthärten, sondern mittelst der drehbaren Schleifsteine in den gewünschten Formen und Dimensionen schleifen. Die so verfertigten Sporen sind so rein von Form, dass man sie für europäisches Fabrikat ansehen könnte, und die schweren Verwundungen, die sich die Hähne mit ihnen beibringen, zeugen von ihrer Tauglichkeit. Die Bahau messen dieser Art von Stahl einen sehr grossen Wert bei, daher kostete es mir stets Mühe, meine eigenen Rasiermesser vor dem Schicksal zu bewahren, von den allzu sportlustigen Häuptlingen in Hahnensporen verwandelt zu werden. Die auf [Taf. 60] unter e abgebildete Büchse mit Sporen ist eine Arbeit Kwing Irangs, der sie mir als persönliches Geschenk verehrte, weil er meine Vorliebe für schöne Arbeiten der Eingeborenen kannte. Die Modelle zu diesen Sporen, deren es noch mehr gibt, stammen von den Malaien. Die gewöhnlichen Kajan schmieden die Sporen selbst, oder lassen sie von einem mehr oder weniger in diesem Fach geübten Schmied verfertigen; derartige Sporen tragen denn auch deutliche Zeichen ihrer weniger vornehmen Herkunft und biegen und brechen häufig während des Gefechts.
Die Bahau wissen zwischen grobem und feinem Sandstein beim Schärfen ihrer Schwerter und Hahnensporen wohl zu unterscheiden; hauptsächlich für letztere suchen sie in bestimmten Bächen nach einem sehr feinen Sandstein, von dem ein Stück auf [Taf. 60] Fig. o in Form eines Rhinozerosvogelkopfes zu sehen ist. Dieser Stein mit sehr ebener Schlifffläche rührt von den Kajan am Mendalam her.
Hat die Schmiedekunst bei den Bahau infolge ihrer vielseitigen Anwendung eine beträchtliche Höhe erreicht, so gilt dies auch inbezug auf ihre Holz- und Knochenschnitzerei. In dieser Richtung hat sich der Schönheitssinn und die Kunstfertigkeit der Dajak sogar voll entwickeln können. Eine künstlerische Bearbeitung von Holz wird nicht nur bei grossen Verzierungen, wie der eines Häuptlingshauses, sondern auch bei kleinen Gegenständen, besonders Griffen und Scheiden von Schwertern, angewendet.