Sollen die Boote nicht sogleich gebraucht werden, so lässt man sie vom Wasser auslaugen. Bestehen sie aus Eisenholz, das im Wasser sinkt, so versenkt man sie ins Wasser, ist das Holz aber leichter als dieses, so lässt man die Boote mit einigen Balken als Unterlage auf dem Lande stehen, bis der Regen sie mit Wasser füllt. Indem man das Regenwasser einige Mal durch eine Öffnung im Boden ausfliessen lässt, wird die Auslaugung des Holzes befördert.

Da ein solches rundes Boot im Wasser nicht stabil genug ist, wird es erst durch Auslegen im Feuer für den Gebrauch tauglich gemacht. Zu diesem Zweck stellt man das Boot auf einige, ein paar Fuss hohe Unterlagen und setzt es dann während etwa 8 Stunden in seiner ganzen Länge zwei Reihen von gut flammenden Holzfeuern aus, wobei man durch Schlagen mit grünen, beblätterten Zweigen, die man in das im Boote befindliche Wasser taucht, ein Verbrennen des Holzes an der Aussenwand verhütet. Die Seitenwände biegen sich dann langsam nach aussen; man lässt ihre Ränder anfangs absichtlich soviel höher, damit sie nach der Auslegung mit dem Vor- und Hintersteven ungefähr in eine Ebene zu liegen kommen. An noch nicht genügend ausgebogenen Stellen wird das Feuer etwas länger unterhalten, doch beeilt man sich gleichzeitig, die im voraus fertig gearbeiteten Ruderbänke auf die innen zu beiden Bootsseiten stehengelassenen Spanten ([Taf. 57]) festzubinden. Dies geschieht mittelst Rotang, den man durch die in die Bretter und Spanten gebohrten Löcher zieht und dann festknüpft. Auf diese Weise wird bei der Abkühlung eine nachträgliche Einwärtskrümmung verhindert, die bei einigen Holzarten leicht vorkommt.

Am Mendalam kennt man zwei Formen von Booten, nämlich solche mit spitzen Enden (harok) und mit stumpfen (bung). Am Mahakam sah ich nur die erste Art.

Die Bootsränder werden, um ein Eindringen des Wassers zu verhindern, durch Bretter erhöht. Diese Schanzkleidung wird auf die gleiche Weise wie die Ruderbänke mit Rotang an die Ränder befestigt. Ein Verkleben der Öffnungen mit dumpul (Harzpulver, Pflanzenfasern und Petroleum) ist mehr bei den Malaien als den Bahau üblich. Für Fahrten auf stillen Flüssen werden die Ränder nur mit einer Reihe von Brettern erhöht, für Quellflüsse dagegen mit ihren Stromschnellen und Wasserfällen mit 2–3 Reihen. Mit derartig verstärkten Booten wagen die Dajak denn auch mit voller Ladung grosse Stromschnellen hinabzufahren.

Am Kapuas und Mahakam werden die Boote wenig verziert; nur die grössten Exemplare tragen innen und aussen am Vorder- und Hintersteven bisweilen eine Holzmaske. Bei den Kĕnja in Apu Kajan dagegen ist ein Verzieren der vorderen und hinteren Bootsenden mit Drachenköpfen allgemein Sitte.

Einen besonders schönen Schmuck tragen bei den Kĕnja die grossen Kriegsboote, die am Kapuas und Mahakam infolge der friedlichen Beziehungen der Stämme unter einander überhaupt nicht vorkommen.

Dass die Bewohner des oberen Mahakam ihren Booten viel mehr Sorgfalt zuwenden als diejenigen des Kapuas, ist wohl hauptsächlich dem Umstand zuzuschreiben, dass bei ersteren in den Flüssen viel mehr Stromschnellen und Wasserfälle mit spitzen Felsblöcken vorkommen als bei letzteren. Die Boote der Mahakamstämme haben auch einen viel dickeren Boden und ihre ganze Bauart ist schwerer. Ein sorgsamer Blu-ubewohner setzt sein Boot auch alle 2–3 Monate von neuem der ganzen Länge nach einem Feuer aus, um die von den Flusssteinen gelösten Holzfasern abzubrennen, wodurch die Gleit-fähigkeit erhöht und das Holz durch Schrumpfen gehärtet wird. Auch kratzt er an der Innenseite sorgfältig die äussere Schicht ab, die durch einfallendes Regenwasser oder durch die Ritzen dringendes Wasser, das sich in den Böten stets in grösserer oder geringerer Menge ansammelt, verfault ist. In der Regel geschieht diese Arbeit mit dem Schwert.

Brennen von Muschelkalk.

Kwing Irang beschäftigte sich oft Tage lang mit der Ausbesserung seiner Boote. Die zeitweilig nicht gebrauchten Fahrzeuge lässt man weder auf dem Wasser treiben, noch stellt man sie Wind und Wetter bloss, sondern bewahrt sie trocken in umgekehrter Lage auf Gestellen unter den langen Häusern, wie [Tafel 23] oben es zeigt; oder man bindet sie, auf den Rand gestellt, an die Stützbalken des Hauses, wie rechts oben auf der unteren Abbildung von [Tafel 53] zu sehen ist.