Die Boote sind ausnahmslos Einbäume; sie werden aus einem einzigen Stück verfertigt, für welches man im Walde einen geeigneten Stamm wählt. Zur Vermeidung von Streitigkeiten bezeichnet jeder Besitzer sein Eigentum nach der auf pag. [155] angegebenen Weise.
Die Bahau unterscheiden verschiedene für Boote geeignete Baumarten, die je nach dem Zweck, für den die Fahrzeuge bestimmt sind, ausgesucht werden. So gebraucht man kleine, leichte Boote aus festem Holz, um nach den Feldern zu fahren, grössere aus biegsamem Holz mit dickerem Boden gegen den Anprall auf Steine zum Befahren der Flussoberläufe mit ihren Wasserfällen und Stromschnellen, sehr lange Boote mit besonders grossem Laderaum für lange Handelsreisen an die Küsten, ferner sehr lange, schmale Fahrzeuge für Kriegszüge und schliesslich besonders grosse, um sie am Unterlauf der Flüsse zu verkaufen. Für die kleinen soliden Boote gebraucht man das schwere aber feste Eisenholz, für die biegsamen, aber weniger starken Tengkawangholz. Für die grössten Boote besitzen nur bestimmte Baumarten die erforderlichen Dimensionen, so dass man in ihrer Wahl sehr beschränkt ist; die Eisenholzstämme sind zwar sehr hoch, aber für grosse Fahrzeuge zu schwer. In den kühleren Oberläufen der Flüsse sind Boote aus weichem Holz eher brauchbar als in den warmen Unterläufen, in deren Wasser weit mehr Organismen vorkommen, die das Holz anfressen; daher werden neben den grossen Frachtbooten aus weicherem Holz auch viele kleine Eisenholzboote in den Küstengegenden verkauft. Es wird nämlich, besonders am Mahakam, zwischen den Gebieten ober- und unterhalb der Wasserfälle ein sehr reger Handel in Booten betrieben, weil weiter unten zum Bau grosser Fahrzeuge beinahe keine Bäume mehr zu finden sind. Im Innern ist zwar die Ausrottung dieser Waldriesen weniger weit fortgeschritten, aber auch dort finden die am höchsten flussaufwärts wohnenden Stämme, wie die Pnihing und Kajan, leichter dergleichen Bäume als die Ma-Suling und Long-Glat. Vielleicht ist es diesem Umstand zuzuschreiben, dass die Pnihing als die besten Bootsbauer bekannt sind; ihre Fahrzeuge zeichnen sich in der Tat durch Grösse, Form und gute Arbeit aus. 20 m lange Boote, für die ich bei den Pnihing 100 fl pro Stück bezahlte, verkaufte ich später, nach dem Gebrauch und trotz der Konkurrenz mit den Dampfbooten, am unteren Mahakam noch leicht zum gleichen Preis.
Für den täglichen Gebrauch benützen die Bahau Boote von etwa 8–12 m Länge und 60–75 cm Breite, für die Quellflüsse 10–14 m lange, während die grössten Boote 20–23 m lang und 1,5–2 m breit sind; letztere bestehen meist aus Tengkawangholz.
Der Bau von Booten wird, wie bereits gesagt, von den Bahaufamilien als eine sehr wichtige Arbeit betrachtet, da sie von den männlichen Gliedern viel Mühe und Zeit erfordert. Weitaus die meisten Boote, besonders die langen, werden denn auch mit Hilfe von Bekannten und Freunden hergestellt. Die Anzahl der sich zur Arbeit vereinigenden Männer hängt ausser von der Grösse des Bootes auch von anderen Umständen ab, ob es z.B. weit über Land geschleppt werden muss; in diesem Fall werden wohl auch besondere Hilfskräfte beigezogen. Häufig wird die Zeit nach der Reissaat zum Bootsbau gewählt, weil die Felder bis zur Ernte nicht mehr viel Pflege erfordern und die Männer daher dann am besten Arbeiten, die bisweilen einen wochenlangen Aufenthalt im Walde erfordern, unternehmen können.
Derjenige, der sich von anderen helfen lässt, übernimmt diesen gegenüber eine Schuld von einer gleichen Anzahl von Arbeitstagen, wie er selbst genossen hat, auch hat er für den Unterhalt seiner Gehilfen zu sorgen; bisweilen erhalten diese auch nur eine Belohnung.
Der Bau von Booten wird zu den grossen Arbeiten gerechnet, die von den Mondphasen beeinflusst werden; ein günstiger oder ungünstiger Stand des Mondes bestimmt nicht nur das Gelingen eines Bootes, sondern hauptsächlich auch dessen künftiges Schicksal. Arbeitet man zu ungünstiger Zeit am Boote, so zerschellt dieses beim Gebrauch bald an einem Felsen, oder es wird durch plötzliches Hochwasser leicht vom Tau losgerissen und fortgetrieben, oder es schlägt in den Wasserfällen um und geht zu Grunde.
Abarbeitung eines Bootes.
Bei den verschiedenen Stämmen gelten nicht die gleichen Mondphasen als ungünstig; die Kajan am Obermahakam bezeichnen die zwei Tage vor und nach dem Vollmond als bulan (Mond) djă-djă (schlecht), die Long-Glat dagegen zwei Tage des zunehmenden und zwei des abnehmenden Halbmondes. An diesen Tagen dürfen auch keine Häuser gebaut werden, weil diese dann leicht durch Feuer vernichtet werden könnten. Ebenso dürfen in diesen Tagen, wie auch in denen des unsichtbaren Mondes, keine grösseren Reisen angetreten werden. Bei ungünstiger Mondphase lässt man auch keine Verbotszeit, z.B. für den Landbau, beginnen, geht man nicht auf die Vogelschau u.s.w. Natürlich sorgt man vor allem beim Anfang des Bootsbaus, dass man nicht “ga bulan djă-ăk”, den schlechten Mond trifft, sondern mit guten Vorzeichen den Weg antritt. Beim Auffliegen eines Vogels zur Linken oder ähnlichen schlechten Zeichen kehrt man, wie bei jeder anderen Arbeit, für Tage wieder nach Hause zurück.
Ein zum Bau eines Bootes gut befundener Baum wird in einigem Abstand vom Erdboden, wo er weniger breit ausläuft, umgehackt und darf, wie beim Häuserbau, nur, wenn er völlig seitwärts niederfällt, verwendet werden, gleitet er dagegen von seinem Stumpf ab und bleibt stehen, so ist er lāli und darf nicht weiter gebraucht werden. Bisweilen erhält der Stamm beim Niederstürzen einen Riss, wodurch er entweder gänzlich untauglich oder nur für ein kleineres Boot benützbar wird. Sind die Äste und der unbrauchbare Gipfel abgehackt und befindet sich der Stamm in geeigneter Lage oder ist er bei bedeutender Grösse und Schwere mittelst Hebeln in diese gebracht worden, so hackt man die rohe Form des Bootes aus ihm heraus. Ein solches noch unbehauenes Boot ist auf [Tafel 57] zu sehen. Der Querriss zeigt noch die Rundung des Baumes und die Seitenwände sind nicht flach und gerade, sondern laufen in der Mitte rund nach oben zu. An den beiden Innenseiten sind einander gegenüber Holzteile stehen gelassen, die später, bei der Anbringung der Bänke, als Spanten dienen müssen. Überdies hat man den Rumpf des Bootes absichtlich dicker gelassen, um ihn, ohne Risse zu riskieren, durch den Wald nach Hause schleifen und dort fertigstellen zu können. Für diese Roharbeit gebraucht man nur Beile (Fig. 3 [Taf. 51]) und runde Dechsel (Fig. 5) an langen Stielen, um mit diesen das Holz von innen wegzuhacken. Die feinere Bearbeitung wird allmählich und bei der Wohnung vorgenommen, wie [Taf. 57] es uns vorführt. Um den Wänden die erforderliche Dünne und Glätte zu geben, wendet man platte Dechsel an kurzen Stielen an (Fig. 5 und 8 [Taf. 51]), wie sie von den Männern auf der Abbildung gehandhabt werden.