Die meisten Familien legten in diesem Jahre, des Überflusses an Reis und des Häuserbaues wegen, nur kleine Reisfelder an.
Der offizielle Saattag fiel diesmal, wie auch sonst öfters, nicht mit dem wirklichen Saattag zusammen. Den ersteren bestimmt der alte Priester Bo Jok, nach dem Stand der Sonne, indem er neben dem Hause zwei längliche Steine, einen grösseren und einen kleineren, aufrichtet und dann den Zeitpunkt beobachtet, in dem die Sonne in der Verlängerung der Verbindungslinie dieser beiden Steine hinter den gegenüberliegenden Hügeln untergeht. Der Saattag ist der einzige, den Bo Jok auf astronomischem Wege bestimmt. Im übrigen ist die Zeitrechnung bei den Kajan eine mehr oder weniger willkürliche und vom Ackerbau abhängige (SieheKap. VIII ).
Der Monat oder, wie sie sagen, der Mond ( bulăn ) spielt bei den Kajan eine grössere Rolle als das Jahr ( dumān), von dem kaum jemand recht weiss, aus wievielen Monden es besteht. Für gewöhnlich rechnen sie ein bis zwei Monde auf die Saat, 5 Monde auf die Zeit, die der Reis zum Reifen nötig hat, zwei bis drei Monde auf die Ernte und drei Monde bis zur folgenden Saat.
Die verschiedenen Monde besitzen bei den Bahau keine besonderen Namen.
Bei den Mendalam Kajan besitzen die verschiedenen Tage in der Zeit des sichtbaren Mondes folgende Namen in der Busang Sprache: njinā (sehen) dang (genügend); matan (Auge) dang; lĕkurdang; butit (Bauch) halab (Tetradon, ein Kofferfisch) ok (klein); butit halab aja (gross); kĕlĕong (Körper) paja ok; kĕlĕong paja aja; bĕliling (Rand) dija und kamat (voller Mond). Die folgenden Tage tragen die gleichen Namen, aber in umgekehrter Reihenfolge und mit der Hinzufügung von uli = nach Hause gehen. Die Tage des unsichtbaren Mondes werden nicht bezeichnet.
Die verschiedenen Tageszeiten heissen im Busang der Mendalam Kajan: dow (Tag) bĕkang (offen, gespalten), um 6 Uhr morgens; dow njirang (scheinen) mahing (kräftig), um 9 Uhr ungefähr; dow nĕgrang (aufrecht) marong (wirklich), um 12 Uhr; dow njaja (gross), um 4 Uhr; dow lĕbi (klein), um 6 Uhr abends.
Die Mahakam Kajan besitzen für die Tageszeiten andere Bezeichnungen: bĕluwa (halb) dow, um 12 Uhr mittags; dow uli (von der Feldarbeit heimkehren), ungefähr 4 Uhr; tiling (ein Heimchen, das sich nur bei Sonnenuntergang hören lässt) duan (tönen), um 6 Uhr.
Während die übrigen Stämme mit den Saatfesten und Verbotszeiten bereits begonnen hatten, trafen die Kajan erst ihre Vorbereitungen. Am 13. Oktober liess auch Kwing Irang endlich für seinen Stamm die Verbotszeit eintreten, die auch für uns eine Zeit grosser und sehr erwünschter Ruhe wurde, denn weitaus die meisten arbeitsfähigen Familienglieder zogen bereits morgens früh nach ihren Reisfeldern, um dort die erforderlichen Zeremonien zu verrichten und mit dem Säen zu beginnen. Da die Bahau bei dieser Gelegenheit intim mit ihren Geistern verkehren und die Gegenwart der schreckenerregenden Fremden hierbei von nachteiligem Einfluss ist, überwand ich, um mit allen Leuten auf gutem Fuss zu stehen, meine Neugier und blieb mit den Meinen ruhig zu Hause. Übrigens hatte ich ja auch schon am Mendalam das Saatfest miterlebt. Die Verbotszeit erstreckte sich auch auf uns, und so genossen wir, da ausser Kajan niemand zur Niederlassung Zutritt hatte, auch von aussen her der Ruhe.
Als Tigang mit den Seinen bereits am 16. Oktober bei uns eintraf, durfte er unser Dorf nicht betreten. Er hatte den Mĕrasè hinauffahren wollen, um die Ma-Suling zu besuchen, hatte aber seinen Plan aufgeben müssen, da bei diesen am Tage zuvor die Verbotszeit eingetreten war.
Die Ma-Suling vom Mendalam waren dort noch rechtzeitig, zwei Tage zuvor, angekommen, durften nun aber vor Ablauf des lāli nugal nicht von dort weg. Tigang hatte auch die Niederlassung Lulu Njiwung wegen des lāli gesperrt gefunden und war dann flussabwärts bis nach Long Tĕpai gefahren, wo er Reis für seine Rückreise hatte einkaufen können. Er hatte die Absicht, bei Bĕlarè einen günstigen Wasserstand abzuwarten und dann schnell nach dem Mendalam zurückzukehren; daher beendeten wir eiligst unsere Briefe und Berichte für die Aussenwelt und reichten sie ihm unter Kwing Irangs Zustimmung in sein Boot. Reis, Tabak und andere Dinge durften wir ihm jedoch nicht mitgeben.