Die Gesellschaft Bakumpai war sehr nach Kwing Irangs Sinn; den ganzen folgenden Tag über wurde an nichts anderes als an Hahnenkämpfe gedacht. Die zwei Parteien sassen einander gegenüber und beurteilten gegenseitig ihre Hähne nach der Farbe und Anordnung der Federn, nach der Kraft und dem Temperament. Der gutmütige, vorsichtige Kwing war den die Aufregung des Spiels liebenden Malaien viel zu schwerfällig; die Unterhandlungen schienen ihn auch mehr zu interessieren als der eigentliche Kampf, so dass die Geduld seiner Gegenpartei auf eine harte Probe gestellt wurde. Wahrscheinlich liessen sie sich hierdurch zu Unvorsichtigkeiten verleiten, denn Kwing gewann 4 Mal nach einander; da er sein Glück auch noch am folgenden Tag versuchen wollte, benützte er einen angekündigten Besuch des Häuptlings Bo Lea aus Long Tĕpai zum Vorwand, um länger zu bleiben.

Inzwischen hatte ich meinen Tag nicht minder gut verwandt, indem ich die Gelegenheit, wenn man mich als Arzt in eine Wohnung rief, dazu benützt hatte, ein Gespräch anzuknüpfen und über allerhand schöne Gegenstände, unter anderem auch über eine sehr alte Perlenverzierung für ein Kindertragbrett ( tāp be̥ne̱ng ) und eine Jacke mit einem aus bunter Knüpfarbeit versehenen Rand, zu unterhandeln. Den Eigentümern, die einen sehr hohen Preis von mir forderten, gab ich bis zu meiner Rückkehr von oben Bedenkzeit.

Zugleich sah ich mich nach grossen Böten um, die ich für unsere Fahrt zur Küste nötig hatte. Auf der vorigen Reise hatte ich von Paren, dem Pnihinghäuptling am Tjĕhan, ein sehr schönes Boot gekauft, in diesem Jahre hatte man in seiner Niederlassung aber nur kleine Böte hergestellt, so dass ich diesmal auf die Ma-Suling rechnete. Unter Itjots Hause fand ich nur schmale, schlechte Exemplare, für die die Besitzer morgens einen sehr hohen Preis verlangten, abends aber bereits 50% abliessen. Wie man mir erzählte, sollten in der grossen Niederlassung weiter oben am Mĕrasè schöne Böte zu haben sein, daher beschloss ich, mich dorthin zu begeben.

Da wir noch mancherlei Pläne auszuführen hatten und die Anwesenheit der vielen Malaien unter den Bahau uns unangenehm berührte, liessen wir Kwing Irang bei seinen Hähnen und fuhren selbst mit unseren Leuten und einigen Kajan den Mĕrasè hinauf. Ich wollte das niedrige Fahrwasser benützen, um im Flussbett geologische Untersuchungen anzustellen, und nahm daher in einem kleinen Boot mit wenigen Ruderern Platz, die mich schnell von einem Ufer zum anderen bringen konnten. Festes Gestein, das nicht zu sehr verwittert war, bemerkte ich nur anfangs, weiter aufwärts war alles Gestein mit einer dicken Erdschicht bedeckt, auf der nur Gestrüpp wuchs, da die Ma-Suling während ihres langdauernden Aufenthaltes am Mĕrasè den ursprünglichen Wald längs des ganzen Flusses ausgerodet hatten. Nach vierstündiger Fahrt machte uns Demmeni auf das Grabmal des früheren Häuptlings Bo Long aufmerksam, das er auf der vorigen Reise photographiert hatte.

Bald darauf gelangten wir an eine Stelle des Ufers, an der alte verfaulte Pfähle und eine stattliche Reihe der am oberen Mahakam seltenen Kokospalmen und andere sehr alte Fruchtbäume als Zeugen einer früheren Niederlassung der Ma-Suling übriggeblieben waren. Der Ort schien jetzt nur von Wild besucht zu werden, denn zwischen den hoch aufgeschossenen Pflanzen zeigte der weiche, humusreiche Boden zahlreiche Spuren von Wildschweinen, Hirschen und wilden Rindern, die sich in grossen Herden, um zu grasen und Früchte zu essen, hierher zu begeben schienen. Das Gehen auf dem aufgewühlten Boden war sehr unbequem, aber Demmeni und Barth drangen doch so weit vor, dass sie eine Hütte mit vor Alter halb eingestürzten Wänden entdeckten, in der eine grosse Menge Schädel aufbewahrt lagen. Wir hörten später, dass die Schädel aus dem alten Hause stammten und dass die Ma-Suling sie aus abergläubischer Furcht nicht in das neue Haus herüberzubringen wagten. Auf ihre Bitte musste Bĕlarè später mit seinen Pnihing das gefährliche Werk für sie ausführen. Als Lohn traten sie ihm die Hälfte der Trophäen ab, mit denen er seine Galerie schmückte.

Leider durften wir die Kokosnüsse und anderen Früchte, nach denen uns stark gelüstete, nicht anrühren, da Lĕdju Li sie wegen des Todes seines Vaters, der diese Fruchtbäume gepflanzt hatte, für buling oder lāli erklärt hatte. Nach einiger Zeit sahen wir auf einer sehr ebenen Fläche längs des Mĕrasè die Niederlassung Lulu Sirāng hervortreten, in der die beiden Brüder Obet Dĕwong und Bo Ngow als Häuptlinge herrschten.

Wir wurden von den Brüdern ebenso freundlich wie in Napo Liu empfangen, was uns um so angenehmer berührte, als sie sehr gut wussten, dass wir in politischen Angelegenheiten kamen. Zwar waren die Häuser auch hier noch nicht ganz vollendet, aber die grosse Galerie Obet Dĕwongs bot uns einen guten Wohnraum.

Während unser Gepäck und unsere Schlafstätte geordnet wurden, begab ich mich zur Häuptlingsfamilie, deren Kinder alle fieberkrank waren. Die Ältesten standen dermassen unter dem Eindruck des weissen Doktors, dass sie das bittere Chinin ohne viel Widerstreben hinunterwürgten; einem kleinen Knaben dagegen konnte ich die Arznei nur in Pillen mit etwas Zuckerrohrsaft beibringen.

Am jenseitigen Ufer lag ein freistehender Hügel von 180 m Höhe, der Batu Marong, der uns einen schönen Überblick über die Umgebung versprach; ich bestieg ihn daher noch am selben Abend, um von dort aus mit Bier über die Aufnahme des Mĕrasè zu beraten. Ein steiler, halb wieder verwachsener Pfad führte uns auf den Gipfel, auf dem nur zwei Bäume und einige Sträucher standen, so dass wir bald eine Aussicht auf die von der Abendsonne beleuchtete Landschaft erhielten.

Wir fanden für die Hartnäckigkeit, mit der die Ma-Suling am Mĕrasè wohnen bleiben, darin eine Erklärung, dass der Fluss durch ein besonders breites und ebenes Tal strömt, das für den Reisbau sehr geeignet sein muss. Hiervon zeugte der Pflanzenwuchs, denn das dunkle, wellige Grün des Urwaldes war erst in einigem Abstand an den Bergabhängen zu sehen, während die helleren, ebeneren grünen Massen des jungen Waldes und der Strauchvegetation die Stellen andeuteten, welche die Ma-Suling einst bereits bebaut hatten. Von alang-alang und Gras, die an anderen Orten so bald auf kultiviertem Boden auftreten, bemerkten wir nichts.