Die Landschaft entzückte uns so sehr, dass es einige Zeit dauerte, bis wir über die topographische Aufnahme ernstlich zu beraten anfingen. Nach Norden hin, wo sich das hohe, steile Kalkgebirge, in dem der Sĕrata, Mĕrasè, Tĕpai und Nijān ihren Ursprung nehmen, mit seinen malerischen Formen erhob, war der Blick besonders anziehend. Die mächtigen, hellen Wände sind ihrer Steilheit wegen nicht bewachsen und heben sich daher von dem Grün ringsherum schön ab. Wir waren hier von den höchsten, spitzen Gipfeln des Kalkgebirges, dem Batu Matjan und Batu Brok, die nach beiden Seiten hin nur allmählich in vielgipflige Rücken auslaufen, nicht weit entfernt.

Ausser von diesen Bergen wurde die Aussicht nicht beeinträchtigt, so dass sich dieser Hügel für Bier als Beobachtungspunkt, von dem er die nächste Umgebung und verschiedene Berge anvisieren konnte, ausgezeichnet eignete. Von dem Quellgebiet des Mahakam, das im Norden liegen musste, konnten wir uns von hier aus keine Vorstellung machen, doch schien dies uns von einem alleinstehenden, hohen Berge am oberen Mĕrasè aus möglich zu sein, daher beschlossen wir, ihn zu besteigen. Vielleicht konnten wir von diesem aus auch den Batu Tibang entdecken, auf dessen Abhängen die Hauptflüsse des Stammlandes der Bahau und Kĕnja entspringen und der daher als der Mittelpunkt der Welt angesehen wird. Wir hatten uns bereits vom Lĕkudjang und Batu Mili aus vergeblich nach dem Batu Tibang umgesehen, der uns auch als Grenzzeichen zwischen englischem und niederländischem Gebiet von Wichtigkeit erschien; ebenso hatten wir vergeblich versucht, Bĕlarè zu einem Zuge nach dem ersehnten Berge zu bewegen. Auf eine zuverlässige Auskunft seitens der Ma-Suling konnten wir nicht rechnen, da diese selbst für die ins Auge fallenden Gipfel des hohen Kalkgebirges, das sie täglich vor sich sehen, keine besonderen Namen besitzen und sich von dem Verhältnis dieser Berge zu denen am oberen Sĕrata, Tĕpai u.s.w. keine Vorstellung machen können. Sie wussten nur; dass der Berg, den wir besteigen wollten, Situn heisst und, wie beinahe alle alleinstehenden Berge, von gefürchteten Geistern bewohnt wird. Während wir uns abends in weitem Kreise sitzend unterhielten, erzählten uns einige Siang Dajak vom Barito, die hier für die Zeit, wo sie im Tal des Mĕrasè Guttapercha suchten, verheiratet waren, etwas Näheres über das Gebiet am oberen Mĕrasè, in dem sie an äusserst steilen Bergabhängen gearbeitet hatten. Eine genauere Vorstellung von den Flusstälern in dieser Gegend hatten jedoch auch sie nicht.

Die Ma-Suling kannten zwar einen Weg, der auf den Situn führte, aber dieser begann am Tasan, einem kleinen Nebenfluss des Mĕrasè, den Lĕdju Li wegen des Todes seines Vaters für buling oder lāli erklärt hatte; somit hatten wir wenig Hoffnung, diesen günstigen Aussichtspunkt zu erreichen.

Am folgenden Tag traf Kwing Irang mit den Seinen bei uns ein und versprach, mit Lĕdju, sobald dieser nach Lulu Sirāng kommen würde, über die Angelegenheit zu reden. Nach einigem Zögern war auch Obet Dĕwong bereit, uns zu begleiten, und Kwing Irang wollte uns für den Zug seinen besten Ratgeber Sorong und acht Kajan zur Verfügung stellen.

Die Häuptlinge hatten noch ein besonderes Interesse an dieser Exkursion; nach der Überlieferung stammen nämlich alle Pflanzen, die man bei religiösen Zeremonien auf dem Reisfelde gebraucht und mit dem Reis gleichzeitig baut, von diesem Berge Situn und sollten dort noch wild vorkommen. Es erwies sich, dass dies nicht der Fall war, aber immerhin lehrte uns diese Überlieferung, dass auch die Kajan einst in diesen Gebieten gewohnt haben müssen. Wir erfuhren später, dass zwei der höchsten Gipfel, deren Namen wir damals noch nicht kannten, zum Batu Matjan gehörten, von dem mir Kwing Irang bereits früher berichtet hatte, dass sein Stamm einst auf ihm gelebt und Reisfelder angelegt habe. Er hatte sich den Batu Matjan aber eher als Hochfläche gedacht.

Während wir in den folgenden Tagen auf Lĕdju warteten, nahm Bier die Umgebung auf und ich beschäftigte mich mit den Bewohnern des langen Hauses, die stark am Malaria litten. Zu meiner Freude konnte ich viele, auch die Kinder des Häuptlings, von ihrer Krankheit heilen.

Ich erlaubte diesen, sich ein hübsches Stück Zeug oder Ohrringe als Geschenk auszusuchen, und erfreute auch die Eltern mit einem Gegenstand, den sie sich wünschten. Bo Ngow hatte glücklicher Weise weniger Kinder und auch seine Frau lebte nicht mehr, so dass er an meine Vorräte geringere Ansprüche stellte; allerdings wurde dieser Vorteil durch seine sehr hübsche und sympathische Tochter teilweise wieder aufgehoben.

Indem ich mit so vielen in Berührung kam, bot sich mir eine gute Gelegenheit, Ethnographica zu sehen und einzukaufen, und, da ich nicht mehr besonders sparsam zu sein brauchte, erwarb ich manche schönen Perlenarbeiten, Matten, Röcke u.s.w. In verborgenen Winkeln am Feuerherde entdeckte ich auch noch einige alte, irdene Töpfe ( taring tanah), wie sie früher am Mahakam gebrannt wurden. Zum Erstaunen der Hausbewohner kaufte ich diese Zeugen einer verschwundenen Industrie, auch wenn sie einen Riss hatten; da ich in Salz, Perlen und Zeug einen hohen Preis für sie bezahlte, habe ich wahrscheinlich alle erworben, die noch vorhanden waren.

Den beiden Häuptlingen konnte ich noch anders als durch Geschenke einen Gefallen erweisen. Sie hatten nämlich in diesem Jahre jeder ein sehr grosses Boot gebaut, um es an den Sultan von Kutei zu verkaufen, der sie gut bezahlte, da Böte von dieser Grösse unterhalb der Wasserfälle nicht mehr gebaut werden. In Gesellschaft von Kwing Irang und Sorong besichtigte ich die Böte, von denen jedes 21 m lang und 4–5 Fuss breit war. Das eine Boot war etwas dünner, aber dafür tiefer als das andere; aber beide entsprachen vollständig unserem Zweck und so kaufte ich sie für den geforderten Preis von 100 fl. das Stück. Den gleichen Preis hatte ich auch einige Jahre vorher den Pnihing für ein ähnliches Boot bezahlt.

Inzwischen zeigte es sich, dass Lĕdju sich mit seiner Ankunft bei uns nicht beeilte, auch brachten andere die Nachricht, dass er wegen des Todes eines Kindes in einer Sklavenfamilie die Trauer noch nicht gänzlich abgelegt hatte, so dass die Aussicht, ihn hier zu sehen, nicht gross war Kwing, der hier keine Gegenpartei für seine Kampfhähne fand, sehnte sich danach, wieder hinunter zu ziehen und, da es hier oben auch für den Kontrolleur nicht viel zu tun gab, sollte er Kwing begleiten. Am 26. Januar reisten beide ab. Sicherheitshalber gab ich ihnen alle Schutzsoldaten nach Napo Liu mit, wo die Gesellschaft auf mich warten sollte. Sorong und die Seinen blieben zurück, um uns unter Obet Dĕwongs Führung nach dem Situn zu geleiten. Der Zug wurde unter Kwing Irangs Verantwortung unternommen, der meinte, dass ihm, da Lĕdju nicht gekommen war, um das lāli des Tasan aufzuheben, als ältestem Familienglied das Recht zustand, uns gegen eine Busse an Lĕdju den Fluss hinauffahren zu lassen. Wegen des hohen Wasserstandes war an diesem Tage jedoch an eine Fahrt nicht zu denken, auch hatte ich noch keine Zeit, da man mir nun auch von den Reisfeldern Kranke zur Behandlung brachte und ich Chinin mit einer Gebrauchsanweisung austeilen und den Lueskranken eine Jodkalilösung in Flaschen zubereiten musste. Einige Dorfbewohner setzten noch vor meiner Abreise die anfangs geforderten hohen Preise für Ethnographica herab und so hatte ich so viel zu tun, dass ich mich geduldig auf die Versicherung, dass der Mĕrasè schnell fallen würde, verliess.