Der wichtigste Teil der Beschwörung bestand darin, dass man die bösen Geister, als die Urheber der Krankheit, daran verhinderte, längs den Bretterstegen, welche vom Fluss zum Hause führten, zu den Bewohnern zu gelangen. Zu diesem Zwecke spannte man längs des Ufers vor dem Hause und auch seitlich ungefähr 1 m über dem Boden Rotangseile, an welche in Abständen von 2 m zur Abwehr böser Geister Blätter von daun long gehängt wurden. An den Stellen, wo das Seil die Wege zum Hause kreuzte, richtete man zu beiden Seiten roh gearbeitete Figuren, eine weibliche und eine männliche, auf. Die Figuren besassen übertrieben grosse Genitalien; der Mann eine nach Kajansitte perforierte glans penis mit hölzernem Stifte; überdies waren sie mit hölzernen Speeren, Schwertern und Schilden als weiteren Abschreckungsmitteln bewaffnet. Zu meiner Beruhigung willigten die Familiengehörigen darein, Kleidungsstücke und Liegmatten der Verstorbenen zu vernichten. Da die adat ihnen das Verbrennen dieser Gegenstände verbietet, warfen sie diese, ohne mein Wissen, in den Fluss.

Die einzigen nennenswerten Arzneien der Kajan werden gegen Hautkrankheiten angewandt; zwei derselben sind in der Tat sehr wirksam:

1. oro̱ko̤̱p, Blätter von Cassia alata, die auch sonst im Archipel häufig gegen Hautkrankheiten benützt werden.

2. nje̥ro̱bw bulan (im Busang) = minjak pe̥landjau (im Malaiischen), ein schwarzes, nach Teer riechendes Öl, das aus dem schwarzen Kernholz eines gleichnamigen Baumes fliesst, der nur auf Borneo einheimisch zu sein scheint. Beim Stehen scheidet das Öl eine halbflüssige Masse ab, die tanah pe̥landjau genannt wird.

Auf die Haut gebracht verursacht diese tanah pe̥landjau eine Entzündung. Als man diese Masse einst unvermischt auf die Leibeshaut eines Kindes strich, wurde diese so völlig zerstört, dass eine tiefe Wunde entstand. Für den Gebrauch muss das Mittel mit Zuckerrohrsaft vermischt werden. Ein Individuum, das von Kopf bis zu Fuss mit lusung bedeckt ist, kann in 14–20 Tagen genesen, falls es sich tüchtig mit tanah pe̥landjau einreibt und das Baden vermeidet.

Die Kajan reiben sich täglich mit ọro̱ko̤̱p ein, wodurch sie allmählich ihren lusung und in viel kürzerer Zeit ihren kurab vertreiben.

Ein sehr wirksames, für die Kajan aber sehr kostbares Mittel ist Petroleum, das, auf die erkrankte Haut gestrichen, binnen 8 Tagen eine Heilung herbeiführt.

Als weitere Behandlungsweisen von Entzündungen und Schmerzen sind bei den Kajan Schröpfen, Tätowieren und Massieren üblich. Die beiden ersten werden besonders bei schmerzhaften Entzündungsgeschwülsten angewandt. Man entzieht das Blut, indem man mit einem spitzen Messer eine grosse Zahl kurzer Einschnitte ausführt und die Blutung von selbst aufhören lässt. Blutstillende Mittel lernte ich nicht kennen. Die Ausführung kleiner Tätowierfiguren auf die entzündete Stelle wirkt wahrscheinlich in gleicher Weise wie die Blutentziehung.

Bei Leib- und Rückenschmerzen wendet man vor allem Massage an, die mehr in Kneten als in Reiben besteht. Mit der Massage und dem Blutentziehen befassen sich hauptsächlich die dājung, die es in ihrer Kunst bisweilen weit bringen.

Für Wunden kennen die Bahau keine Mittel- sie halten sie nur mit Wasser und Kapok rein. Da sie ernste Blutungen nicht zu stillen verstehen, gehen die Leute häufig an kleinen Wunden, z.B. auf dem Fussrücken, zu Grunde. Dagegen verstehen sie zerrissene Ohrläppchen wieder aneinander wachsen zu lassen (Siehepag. 140 ).