Die innere Einrichtung der amin lernt man am besten durch eine Betrachtung der beiden Tafeln 39 und 40 kennen. Erstere zeigt deutlich den Bau des Herdes. In der dunklen Ecke des Hintergrundes befindet sich die Eingangstür, links von ihr die erhöhte Diele mit der Bretterwand, an welcher ein Schild und ein Sonnenhut hängen. Die Hinterwand dieser Kammer ist mit aufgerollten Palmblattsäcken verziert. Links oben hängt ein Fischnetz und eine Rotangmütze. Rechts von der Tür sieht man eine Bretterwand und dann den Herd nebst den Regalen mit Brennholz und Küchenvorräten, die hier durch den Rauch getrocknet und konserviert werden. An der Bretterwand hängt ein Bambusgestell mit europäischen Tellern und darüber wieder ein aufgerolltes Wurfnetz, unter welchem die Kette ( awit ) deutlich zu sehen ist. Gut sichtbar ist ferner die erhöhte Diele vor dem Herde und auf diesem die Dreifüsse und das eiserne Kochgefäss. Der Mitte zu liegen Rotangmatten auf der Diele ausgebreitet.Taf. 40 giebt die andere Hälfte derselben amin wieder. Hier sehen wir links die Fortsetzung der Küchenregale, dann nach rechts zu einen Vorratsraum mit einem Reiskorbe unten und darüber Regalen. In der Ecke befindet sich eine halbgeschlossene Schlafkammer, in der das in eine Matte gerollte Kissen ( hle̱n ) liegt. Die Wand ist auch hier mit Palmblattmatten verziert und mit allerhand Gegenständen behängt. Die rechte Hälfte des Bildes zeigt die linke Seitenwand des Hauses, längs welcher die erhöhte, mit einer grossen Rotangmatte bedeckte Diele läuft. Den Reichtum des Besitzers dieser amin, des alten Oberpriesters Bo Jok, beweist die Reihe schöner, wenn auch neurer tempajan, die hauptsächlich zur Aufbewahrung von Reis dienen. Links von den tempajan stehen zwei ingan dawan (Körbe), welche den Hausschatz enthalten. Um sie beim ersten Alarmzeichen in Sicherheit bringen zu können, stehen sie in kiāng, Tragbutten (SieheTaf. 54 a ). Auf die ingan sind zwei Gonge gebunden, wie sie bei religiösen Zeremonien von den Priestern benützt werden. Rechts von den tempajan steht ebenfalls ein ingan dawan, aber ohne kiāng und zu beiden Seiten psau, Tragkörbe aus Rotang, voller aufgerollter Matten ( samit ).
Inneres einer Kajanwohnung B.
Inneres einer Kajanwohnung B.
An der Holzwand, an welcher die mit einem Dechsel bearbeiteten Bretter zu unterscheiden sind, hängen Schwerter, eine dicke Kriegsjacke und eine Sitzmatte ( tabin ) für Männer. Über dem allem ein Regal aus dünnen, runden Stöcken, auf dem Matten und Körbe aufbewahrt werden. Rechts in der Ecke hängen von der Decke wieder Kriegsmützen mit Federschmuck herab.
Von dem Bau der Mittelwand und der Eingangstür ( be̥taman ) macht man sich am besten nachTafel 28 eine Vorstellung. Die übereinander greifenden Wandbretter sind mit Rotang aneinander gebunden und stehen auch hier auf einer horizontalen Planke, welche als Getäfel dient. Bemerkenswert ist die Umrahmung von Tür und Schwelle, die ganz aus hübsch geschnitzten Figuren besteht, denen das Genitalmotiv zu Grunde liegt. Die an die Wand gelehnten Bambusgefässe dienen, um das Schweinefutter nach unten zu tragen.
Beim Einzug eines panjin in seine neue Wohnung begeben sich alle Familienglieder, die wertvollsten ingan dawan auf dem Rücken, unter Beckenschlag in die amin aja und tun, als ob sie das gute Vorzeichen, das der Häuptling seinerzeit für sein eigenes Haus gesucht hatte, mitnähmen. Nachdem sie in der eigenen amin etwas gegessen haben, holen sie aus derselben Grube, welche der Häuptling gegraben hatte, Erde für den Herd. Das erste Feuer wird aus der amin aja herübergebracht; es darf zwei Tage lang nicht ausgehen. Dicht neben ihrem Wohnhause bauen die Bahau und Kĕnja kleine Scheunen ( le̥po parei ) zur Aufbewahrung von Reis und Wertgegenständen. Diese Scheunen stehen ebenfalls auf Pfählen, welche zum Schutz gegen Mäuse und Ratten auf halber Höhe oft grosse Holzscheiben durchsetzen oder mit Blech beschlagen werden. Die Pfähle sind weniger hoch als die der Wohnhäuser und die Bodenfläche der Scheunen selbst beträgt meist nicht über 4–5 qm. Die Scheunen werden aus dem gleichen Material wie die Häuser gebaut. Der gerade First wird nur von den Häuptlingen an den beiden Enden mit bang pakat verziert.
Über den Häuserbau der Kĕnja, der in mancher Hinsicht von dem der Bahau abweicht, soll bei späterer Gelegenheit noch einiges berichtet werden.
Kapitel VIII.
Charakter der Industrie bei den Bahau und Kĕnja—Herstellung von Kleidung: Spinnerei-, Weberei; Verzierung durch Figuren, Stickereien, Knüpfarbeiten; Baumbastkleidung—Schmieden: Werkzeuge—Eisengewinnung; Herstellung von Arbeitsgerätschaften, Lanzen, Schwertern; Verzierung der Schwerter—Schnitzerei: Griffe und Scheidend Holz- und Bambusschnitzerei—Flechterei: Zubereitung von Rotang, kĕbalan, tika, samit; Flechten von Körben, Matten, Hüten; Flechtarbeit für Waffen—Töpferei—Bootsbau: Wahl und Behandlung des Materials; Roharbeit; Endbehandlung—Kalkbrennerei—Herstellung von Schmuck aus Steinen und Perlen: Wert der Perlen, ihre Herkunft, Verwendung; Rolle der Perlen in der Kulturgeschichte.
Die Industrie trägt bei den Bahau- und Kĕnjastämmen völlig den Charakter einer Hausindustrie. Jede Familie stellt nur für sich selbst oder ihre unmittelbare Umgebung die erforderlichen Gegenstände her. Dass jemand mit einer grossen Anzahl Gehilfen arbeitet, kommt denn auch nicht vor; höchstens hält sich ein Schmied einen Knecht, der ihm regelmässig hilft; aber auch Meister und Knecht üben ihr Handwerk nur neben dem Landbau aus, der häufig auch bei ihnen die Hauptsache bleibt. Von Grossindustrie ist also keine Rede, und bei der Beurteilung des auf diese Weise Produzierten muss berücksichtigt werden; dass die Arbeit nicht von Personen geleistet wird, die sich ihr ausschliesslich widmen, wie in der europäischen Industrie. Den eingeborenen Handwerkern fehlt daher die durch ständige Herstellung gleicher Gegenstände erworbene Fertigkeit. Ferner arbeiten sie mit mangelhaften Hilfsmitteln und werden durch ihre einfachen und ärmlichen Verhältnisse gezwungen, billiges Material zu verwenden. Sowohl Bahau als Kĕnja verarbeiten denn auch selbst kein Silber oder Gold; was an Zierraten aus diesen Metallen in ihrem Lande verfertigt wird, stammt von Malaien her.