Eine andere Art von Metallbearbeitung hat sich bei den Bahau am Mahakam zugleich mit der Sitte der Hahnenkämpfe von der Küste her eingebürgert, nämlich das Schleifen von Eisen und Stahl mit Hilfe von drehbaren Schleifsteinen, die sie ebenfalls an der Küste kaufen. Doch werden auf diese Weise ausschliesslich Sporen für Kampfhähne verfertigt, von denen einige Modelle aufTaf. 60 in Fig. e abgebildet sind. Auf das Schleifen und Anbringen der stählernen Sporen verstehen sich die Häuptlinge meistens selbst: vorzugsweise stellen sie diese aus Rasier- und Fischmessern her, die sie nicht enthärten, sondern mittelst der drehbaren Schleifsteine in den gewünschten Formen und Dimensionen schleifen. Die so verfertigten Sporen sind so rein von Form, dass man sie für europäisches Fabrikat ansehen könnte, und die schweren Verwundungen, die sich die Hähne mit ihnen beibringen, zeugen von ihrer Tauglichkeit. Die Bahau messen dieser Art von Stahl einen sehr grossen Wert bei, daher kostete es mir stets Mühe, meine eigenen Rasiermesser vor dem Schicksal zu bewahren, von den allzu sportlustigen Häuptlingen in Hahnensporen verwandelt zu werden. Die aufTaf. 60 unter e abgebildete Büchse mit Sporen ist eine Arbeit Kwing Irangs, der sie mir als persönliches Geschenk verehrte, weil er meine Vorliebe für schöne Arbeiten der Eingeborenen kannte. Die Modelle zu diesen Sporen, deren es noch mehr gibt, stammen von den Malaien. Die gewöhnlichen Kajan schmieden die Sporen selbst, oder lassen sie von einem mehr oder weniger in diesem Fach geübten Schmied verfertigen; derartige Sporen tragen denn auch deutliche Zeichen ihrer weniger vornehmen Herkunft und biegen und brechen häufig während des Gefechts.

Die Bahau wissen zwischen grobem und feinem Sandstein beim Schärfen ihrer Schwerter und Hahnensporen wohl zu unterscheiden; hauptsächlich für letztere suchen sie in bestimmten Bächen nach einem sehr feinen Sandstein, von dem ein Stück aufTaf. 60 Fig. o in Form eines Rhinozerosvogelkopfes zu sehen ist. Dieser Stein mit sehr ebener Schlifffläche rührt von den Kajan am Mendalam her.

Hat die Schmiedekunst bei den Bahau infolge ihrer vielseitigen Anwendung eine beträchtliche Höhe erreicht, so gilt dies auch inbezug auf ihre Holz- und Knochenschnitzerei. In dieser Richtung hat sich der Schönheitssinn und die Kunstfertigkeit der Dajak sogar voll entwickeln können. Eine künstlerische Bearbeitung von Holz wird nicht nur bei grossen Verzierungen, wie der eines Häuptlingshauses, sondern auch bei kleinen Gegenständen, besonders Griffen und Scheiden von Schwertern, angewendet.

Jeder Bahau, dem es an Zeit und Fähigkeit nicht mangelt, verziert seine täglichen Gebrauchsgegenstände gern mit mehr oder weniger hübschem Schnitzwerk; doch leistet er selten etwas sehr Gutes, weil er ausschliesslich für sich selbst arbeitet. Anders verhält es sich mit der Schnitzerei von Griffen und Scheiden; diese Kunst wird von Personen betrieben, die sich in ihr besonders üben und überhaupt nur dann zum Schnitzen der schönsten Produkte, u.a. Schwertgriffe aus Hirschhorn, berechtigt sind, wenn sie dem Geist, der sie beseelt, Opfer von bestimmter Grösse gebracht haben. Die primitive Schnitzerei der Laien wird also ohne Beseelung geübt, während ein Kunstwerk nur mit Hilfe eines Geistes aus Apu Lagan entstehen kann. Bei den Mahakamkajan muss ein junger Mann, bevor er aus Eisenholz einen hübschen Griff oder eine Scheide zu schnitzen beginnt, erst durch eine dājung seinem Geiste ein Huhn zum Opfer anbieten lassen ( me̥lā ), und will er seine. Kunst an Gegenständen aus Hirschhorn erproben, so muss er vorher eine me̥lā mit einem Schwein als Spende abgehalten haben. Nachher muss er sich monatelang verschiedener Speisen und Beschäftigungen enthalten. Demselben Glauben an eine Beseelung muss auch der Brauch zugeschrieben werden, dass ein Schnitzkünstler seine Arbeiten nur dann verkaufen darf, wenn man ihm vor dem Preise erst einige alte Perlen von bestimmter Beschaffenheit (2 blaue und 2 weisse) ausbezahlt hat; diese müssen wohl als eine Entschädigung des Geistes für den Verlust des Gegenstandes aufgefasst werden.

Mit den meisten Handwerken ist auch die Schnitzerei verschiedenen Verbotsbestimmungen unterworfen, die nicht bei allen Stämmen gleich sind. Während der Saatzeit ( tugal ) und der Schwangerschaft seiner Frau darf ein Mendalamkajan kein Hirschhorn schnitzen, aus Furcht vor einem Absterben der Frucht. Für Holz und Bambus sind diese Verbote ungültig.

Die Berührung mit der Küstenbevölkerung hat auf die Schnitzkunst der Bahau kaum einen nachteiligen Einfluss geübt, man könnte eher behaupten, sie habe hierdurch insofern eine Anregung empfangen, als die Malaien selbst nicht imstande sind, dergleichen Griffe und Scheiden herzustellen, aber gern in den Binnenlanden Bahauschwerter zum Schmucke oder Schutz gebrauchen und deswegen beträchtlich viel Geld für sie auszugeben bereit sind. Aus diesen Gründen widmeten sich am Mendalam z.B. einige Männer ganz der Schnitzerei, besonders der von Hirschhorngriffen und leisteten in ihrem Fache daher auch weit mehr als sonst der Fall gewesen wäre. Von diesen Leistungen geben die Abbildungen c, d, e und f aufTafel 63 eine Vorstellung. Die 3 ersten Griffe stimmen im Entwurf stark überein, nur sind sie nach Grösse und Form des gebrauchten Horns verschieden und mehr oder weniger fein ausgearbeitet. Eigentümlicherweise sind die Griffe vom Mahakam, obgleich sie auf dieselbe Weise verfertigt, mit denselben Motiven verziert und sicher nicht minder sorgfältig ausgeführt sind, von ersteren gleich zu unterscheiden (Fig. a). Dasselbe gilt für die Griffe der Kĕnja (Fig. b), die ebenfalls sehr charakteristisch sind. Die Bahau selbst unterscheiden denn auch verschiedene Stile bei ihren Stämmen und ahmen diese bisweilen nach; so ist f ein Griff, der am Mendalam im Kĕnjastil verfertigt worden ist. Ein Beispiel für diesen Stil sind auch die Griffe der Schwerter Fig. c und d aufTafel 29, Teil I.

Die Instrumente, mit denen die Bahau ihre schönen Schnitzwerke ausführen, sind äusserst einfach und wenig zahlreich. Sowohl für Holz als für Knochen wird das lange Messer, nju, (Tafel 28, Teil I, Fig. h) eigentlich als einziges Werkzeug benützt. Zum Löcherbohren wendet man allerdings kleine Bohrer (Taf. 51 Fig. 20) an, welche durch Drehen zwischen den Handballen in Bewegung gebracht werden, ferner wird mit dem kleinen Dechsel (Taf. 51 Fig. 7) die Rinde des Hirschhorns entfernt, bevor man ans Schneiden geht. Letzteres findet nun nach der aufTafel 53 oben wiedergegebenen Weise statt. Der Mann hält das Messer derart in der rechten Hand, dass das Aussehende des langen Stils ihm unter die rechte Achsel reicht, wodurch er bei der Hantierung des Messers eine Stütze findet. Der Künstler hält den zu bearbeitenden Gegenstand (hier eine hölzerne Schwertscheide) mit der Linken fest und bewegt beim Schnitzen nicht nur das Messer, sondern auch das Objekt. Stellt er einen Griff aus Hirschhorn her, so führt er seinen Entwurf zuerst in Gedanken mit Berücksichtigung der Form des zur Verfügung stehenden Horns aus, entfernt die unregelmässige Oberschicht und schneidet dann erst mit dem Messer den Griff in rohen Umrissen aus.

Schnitzender Kajan.

Schnitzender Kajan.

Darauf bearbeitet er erst die eine Hälfte weiter und dann die andere. Form und Ausarbeitung des Griffes hängen nicht nur von der äusseren Gestalt des Horns ab, sondern auch von dem Verhältnis zwischen der soliden äusseren Schicht und dem schwammartigen Gewebe der Mitte. Ist dieses sehr entwickelt, so ist ein tiefergehendes Schnitzen unmöglich, fehlt es gänzlich, so braucht der Künstler sich nicht auf eine oberflächliche Bearbeitung zu beschränken. Ein Beispiel für einen Horngriff mit wenig brüchigem Gewebe ist Fig. a aufTaf. 63.