Die Schnitzer verstehen gebrochene Griffe auch zu reparieren; sie tun dies, indem sie die abgebrochenen Stücke mittelst Knochenstiften, welche sie durch gebohrte Löcher stecken, mit einander verbinden; auch werden auf diese Weise neue Teile in einen Griff eingesetzt.

Auf den Wert eines Horngriffes hat auch die Farbe viel Einfluss; je weisser diese ist, desto höher der Preis. Am Mendalam kostete ein gut gearbeiteter Griff 8–10 Dollar, also 10–12 Gulden; am Mahakam jedoch, wo zahlreiche Buschproduktensucher unter der Bevölkerung verkehrten, wurden für gleich gute Produkte 25 fl bezahlt. Während meines Aufenthaltes am Mahakam befanden sich unter den Pnihing keine Schnitzkünstler; schöne Griffe wurden, wie auch Schwerter, bei den weiter unten wohnenden Stämmen durch Tausch erworben, besonders von den Long-Glat, die sich auf diesem Gebiete auszeichnen. Auch vom mittleren Mahakam, unterhalb der Wasserfälle, sah ich einige schön ausgeführte Stücke.

Zubereitung von Rotangstreifen.

Zubereitung von Rotangstreifen.

Wie die Griffe, haben sich auch die alten Schwertscheiden unter den Bahau behauptet, weil sie infolge der Berührung der Eingeborenen mit der Küstenbevölkerung, wenn auch in bescheidenem Masse, zu einem Ausfuhrartikel geworden sind und die Malaien an ihrer Statt nichts Besseres haben einführen können. Beispiele für Schwertscheiden sind in Teil I aufTaf. 28,29 und30 zu finden; der bedeutende Unterschied zwischen den Scheiden der Bahau am Mendalam und denen am Mahakam und Kĕnja fällt dabei ins Auge.

Sämtliche Scheiden bestehen aus zwei platten Brettern, die an den einander zugekehrten Innenseiten etwas ausgehöhlt sind, um das Schwert aufnehmen zu können, und durch Flechtwerk von dünnen Rotangstreifen an einander gehalten werden. Für die einfachen, z.B. beim Ackerbau gebräuchlichen Schwerter wählt man gewöhnliches glattes Holz, für schöne Schwerter dagegen benützt man für die nach aussen gekehrte Häche der Schwertscheide hübsch geflammte oder harte, gut polierbare Holzarten.

Die Mendalambewohner zeigen besondere Vorliebe für Schwertscheiden, welche mit kunstvollem Schnitzwerk verziert sind, wie die Figur vonTaf. 28 und die Scheiden a, b, c, f, g und h vonTaf. 30 Teil I beweisen; das Flechtwerk bringen sie so unsichtbar als möglich an. Die Mahakamstämme bevorzugen dagegen mehr schönes Holz, das sie nur oberflächlich mit Schnitzwerk verzieren, dafür aber besonders sorgfältig mit Rotang umflechten (d und e aufTaf. 30 Teil I). Die Kĕnja legen auf eine schöne Verzierung der Schwertscheiden überhaupt wenig Gewicht.

Inbezug auf die Scheidenschnitzerei gelten nicht die gleichen strengen Vorschriften wie für die von Griffen; wahrscheinlich weil für erstere selten Hirschhorn oder Knochen als Material gewählt wird und ihre Herstellung keine so grosse Übung erfordert. Es sind denn auch viel mehr Leute imstande, eine hübsche Scheide zu verfertigen als einen hübschen Griff. Die Knochenschnitzer verstehen jedoch, dank ihrer grösseren Erfahrung, unter anderen Schnitzarbeiten auch die schönsten Scheiden zu liefern.

Das Messer, das in einem besonderen Futteral an der dem Träger zugekehrten Seite getragen wird, ist, wenn auch in geringerem Grade als die übrigen Teile der Waffe, ebenfalls mit Sorgfalt gearbeitet. Das obere Ende (siehe Teil ITaf. 28 h) trägt häufig eine Verzierung von Knochenschnitzerei; der anschliessende hübsch polierte Stiel besteht aus sehr hartem, rotem oder braunem Holz, während das untere Ende, an dem die Klinge mit einer schlechten Guttaperchasorte befestigt ist, entweder mit feinem Rotanggeflecht und kĕbalan oder, nach Ansicht der Bahau auf besonders schöne Weise, mit feinem Kupferdraht umwunden ist.

Das Polieren der Stiele aus sehr hartem Holz geschieht derart, dass man zuerst das Holzstück roh mit dem Messer beschneidet, es mit diesem durch Kratzen bearbeitet und zum Schluss mit stark kieselsäurehaltigen Baumblättern glatt scheuert. Der Glanz wird dem Holz stets durch Einreiben mit Wachs und Nachreiben mit Tüchern verliehen.