Nach einigen Tagen wurde ich von einem traurigen Leiden ergriffen, ich stellte mich dem Stabsarzt vor, der mich auf die Krankenstation brachte, die sich in derselben Kaserne befand. Nach fünf Tagen fühlte ich heftige Schmerzen und das Übel griff weiter um sich.

Am Morgen des sechsten Tages kam ein Sergeant mit zwei bewaffneten Soldaten zu mir, auf Befehl des Obersten wurde ich ins Gefängnis gebracht, in denselben Raum, wo der schändliche S… mich zur Sünde verleitete.

Wer diese einfachen und ungeschminkten Zeilen liest, der möge meinen Zustand ermessen: ich raste, ich fluchte, ich raufte mir die Haare, biß mir in die Hände, rannte mit dem Kopf gegen die Wände; wenn mich jemand gesehen hätte, er hätte mich für verrückt gehalten – so verbrachte ich den Tag und sah niemand als den Sergeant, der mir meine Suppe und Wasser brachte.

Noch trauriger war die Nacht, die ich auf der alten Pritsche zubrachte; meine Schmerzen nahmen zu, und mir war, als ob der kranke Körperteil von tausend Nadeln durchbohrt würde.

In meiner Kompagnie war ein Landsmann von mir, Namens Antonio P…, genannt Catanzaro, der noch am Leben ist und die Wahrheit meiner Erzählung bezeugen kann: ich versuchte jedes Mittel, um ihn zu sprechen und zu erfahren, weshalb man mich ins Gefängnis gebracht hatte, aber es war vergebens.

So vergingen drei Tage und drei Nächte in grausamen Qualen, endlich am vierten Tage öffnet sich die Thür, S… tritt lächelnd und heiter ein, die Thür schließt sich und S… bleibt als Gefangener bei mir. Ich fragte ihn:

»Kannst Du mir sagen, warum ich hier bin?«

»Der Soldat Gir… hat Dich verraten, er hat dem Oberst unser Verhältnis mitgeteilt und wir kommen zur Strafkompagnie; aber Gir… ist nicht hier, er hat einfachen Arrest; aber wenn wir auch zur Strafkompagnie kommen, das thut nichts.«

Wer mich liest, möge ermessen, von welchen Gedanken blutiger Rache gegen den Gir… ich erfüllt war.[49] Bald darauf wird S… abgerufen, ich bin wieder allein, in der finsteren Ungewißheit über meine Lage. Ich lasse mir den Arzt kommen, er untersucht mich kaum und verspottet mich; mit Wut im Herzen lege ich mich auf meine Pritsche.

Am Abend läßt man mich heraus, um Luft zu schöpfen; ich komme mit den andern Soldaten zusammen, die im einfachen Arrest sind; ich suche mit dem Blick, um Gir… zu finden, mit blutrünstigen Augen sah ich ihn an, wie ein hungriger Löwe seine Beute, ehe er sie im Rachen hat.