Ich nahm den Brief aus dem Umschlag und las:

»Denken Sie an das traurige Ereignis vom 23.«

Dann nahm ich den Umschlag und las die Aufschrift:

»An den Herrn Feldwebel V… von der 8. Kompagnie 20. Infanterie-Regiments

Nocera.«

Der Leser möge ermessen, was in diesem Augenblick in meinem Herzen vorging und welchen Entschluß ich faßte.

»Nun?« fragte ich.

»Nun, können Sie mir sagen, was diese Worte bedeuten, worauf die Zahl 23 anspielt? Der Korporal S… hat den Brief Ihrem Obersten überreicht und erklärt, daß Sie ihm denselben gegeben hätten, damit er ihn zur Post besorgen solle.«

»Herr Auditeur, ich erkläre, daß das eine Unwahrheit ist; das ist nicht meine Handschrift, und wenn ich den Brief doch geschrieben hätte, wozu hätte ich ihn dann dem Korporal S… zur Besorgung übergeben? Konnte ich nicht selbst auf die Post gehen? Auf den ersten Blick muß doch klar werden, daß hier ein Geheimnis, eine Schändlichkeit zu Grunde liegt!«

Der Auditeur nahm meine Aussage zu Protokoll und ließ mich zum Vergleich mit der Handschrift des Briefes einige Zeilen schreiben; ich unterschrieb das Protokoll und wurde in meine Zelle zurückgeführt. Was ich in diesen Tagen dachte, weiß nur Gott allein, ich war in eine Schlinge verwickelt, aus der ich mich nicht befreien konnte, ich zermarterte mein Hirn, um den Schlüssel des Geheimnisses zu finden, aber vergebens, und so dachte ich: warten wir die Entwickelung dieses rätselhaften Dramas ab.

Eines Tages beschwerte ich mich bei dem Arzt, daß die Läuse mich beinahe lebendig auffräßen und entsetzt ordnete dieser verweichlichte Feigling an, daß ich gewaschen und umgekleidet würde. Ich bekam ein reines Bett, man ordnete mein Haupt- und Barthaar, man wusch und striegelte mich, wie in der Strafanstalt zu Neapel und gab mir saubere Kleidung.