»Das ist das zweite Mal, daß Sie vor mir erscheinen, Sie scheinen Pech zu haben.«
»Was soll ich machen, Herr Staatsanwalt? Das Geschick des Menschen ist unbegreiflich, das Unglück verfolgt mich – und sehen Sie, Herr Staatsanwalt, wie eng mir die Karabinieri die Handfesseln geschnürt haben, meine Hände sind ganz geschwollen, ist das nicht unrecht?«
»Lassen Sie sehen«, und er nahm meine Hand, »nein, sie sind gar nicht eng, im Gegenteil, sie scheinen zu weit zu sein.«
»Ich danke Ihnen für Ihre Versicherung; das Lamm, das sich mit dem Wolf einläßt, geht seinem Tode entgegen. Es scheint mein Verhängnis, daß mir alles in die Quere geht.«
Der Herr Staatsanwalt lacht, die Karabinieri lachen mit, und, um ihnen einen Gefallen zu thun, lache auch ich, aber es war ein böses giftiges Lachen.
Er stellt mir den Schein für das Gefängnis aus, dann sagt er:
»Seien Sie vernünftig, M…, Sie scheinen unter keinem guten Stern geboren zu sein.«
Ich wurde in das Zivilgefängnis eingeliefert, weil es in Salerno kein Militärgefängnis giebt und ich fühlte mich glücklich, weil es mich an die alten Zeiten erinnerte, wo ich noch nicht Soldat war.
Nach einigen Tagen wurde ich meinem Verteidiger vorgestellt, einem jungen zwanzigjährigen Mann, der die Advokatenkarrière macht, er empfing mich freundlich und ich erzählte ihm alle Einzelheiten meines Verhältnisses zu dem elenden Korporal S… und alles, was ich von dem anonymen Brief wußte. Er machte mir gute Hoffnungen und ging.
Ich dachte immer an die Zuneigung, die jene Teresina M… mir entgegengebracht hatte, und es zerriß mir das Herz, wenn ich dachte, daß ich das Lazarett hatte verlassen müssen, ohne sie noch einmal sehen und ihr meinen neuen Aufenthaltsort mitteilen zu können; ich hatte ihr noch einmal danken wollen und daher schrieb ich ihr folgenden Brief: