So ging es mehrere Tage und schon hatte ich die Absicht gefaßt, einen Fluchtversuch zu machen, die Ringmauer war von innen nur mannshoch – wie sie von außen war, das wußte ich nicht, aber wenn ich auch fürchten mußte, mir Hals und Beine zu brechen, ich war entschlossen, einen Versuch zu machen.
Am Morgen, nachdem ich diesen Entschluß gefaßt hatte, kam mein Arzt und teilte mir mit, daß ich in das Krankenhaus des Zivilgefängnisses zu Salerno überführt werden würde.
Ich machte Einwendungen, da ich noch zu krank sei, aber er sagte, daß mir ein Wagen gestellt werden würde.
Man brachte mir meine Kleider, ich kleidete mich an, zwei Karabinieri begleiteten mich zur Polizeistation; dort stand ein offener Wagen bereit, und daneben zwei andere Karabinieri und ein Frauenzimmer in den Dreißigern, das ich für eine Prostituierte hielt, worin ich mich nicht täuschte.
Die Karabinieri ließen das Frauenzimmer einsteigen und wollten mich auf den Bock schieben.
Ich weigerte mich standhaft, indem ich sagte, daß der Wagen für mich und nicht für sie und ihre Dirne sei und nach langem Hin- und Herstreiten, wobei der Karabiniere mir den Arm mit der Handfessel zusammenschnürte, daß mir beinahe die Adern zerschnitten wurden, wurde mir endlich der Platz neben dem Weibe eingeräumt.
Nach mehreren Stunden Fahrt kamen wir in Salerno an. Als wir in die Stadt einfahren, laufen die Einwohner aus den Schenken heraus und treten an die Fenster und schreien:
»Seht den Soldaten, mit dem schönen Fräulein ist er ausgerückt, aber sie haben ihn gefaßt!« Und Lachen, Spotten und Pfeifen tönt hinter mir her.
Ich werde zum Kriegsgericht abgeführt, ein Karabiniere meldet mich dem Staatsanwalt, ich werde hereingerufen und wen erblicke ich! Den Staatsanwalt Herrn T…, denselben, der in Florenz die Staatsanwaltschaft vertrat, wo ich zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wurde.
Er sieht mich an und lacht, dann sagt er: