Ich erhielt die Anklageschrift von der Staatsanwaltschaft, welche mich als den Verfasser des anonymen Briefes erklärte.

Es kam der Tag, wo die Verhandlung stattfand, zwei Karabinieri führten mich zum Gerichtssaal, ich nehme auf der Anklagebank Platz, mein junger Verteidiger war zur Stelle und mit ihm der Zivilanwalt Herr di Leo, der erste von Salerno.

Der Gerichtshof trat ein, jeder nahm seinen Platz ein, die Akten wurden gelesen, meine Vorstrafen festgestellt, der Staatsanwalt T… war zur Stelle, mit seiner großen schwarzen Toga angethan, und ließ mich nicht aus den Augen.

Nach den gewöhnlichen Formalitäten fragte mich der Präsident:

»Was haben Sie auf die Anklage zu erwidern? Ist es wahr, daß Sie dem Korporal S… einen Brief zur Besorgung übergeben haben?«

»Großmütiger Herr Richter«, antwortete ich, »von dem Verbrechen, dessen man mich anklagt, weiß ich nichts. Es ist unwahr, daß ich dem S… einen Brief zur Besorgung übergeben habe; es ist eine schwarze Verleumdung und eine Sünde und Schande; ich schwöre es vor Gott und vor den Menschen. Ich könnte mich leicht vor diesem S… schützen, aber ich will von Dingen nicht reden, die eine so gebildete Zuhörerschaft entsetzen würde; ich will nur meine Ehrenhaftigkeit betonen.«

»Ich bin unschuldig, ich bin unschuldig und Sie als hervorragende Militärs und gelehrte Juristen werden einen Unschuldigen nicht wegen der niederträchtigen Verdächtigung eines Schurken verurteilen wollen, der nicht wert ist, daß er zur menschlichen Gesellschaft zählt.«

»Mein Herz sagt mir, daß Sie mich verurteilen werden; aber mein Herz sagt mir auch, daß bald Licht in dieses grausige Geheimnis kommen wird, und dann – o dann ist es zu spät und Sie werden es bereuen, daß Sie einen Unschuldigen verurteilt, einen Menschen hingemordet haben.«

»Und wer sagt Ihnen, daß ich schuldig bin?«

»Der Korporal S…, S…, dieses verworfene Geschöpf, S…, dieser passive Päderast, der schändliche Sodomit, der Abschaum der Menschheit, der Auswurf der Natur! S…, ein ehrloses, sinnloses Wesen … Soll ich das beweisen, soll ich es ihn mit eigenem Munde aussprechen lassen?«