Zehn Stunden Arbeit und Exerzieren war unsere Arbeit, schwere Lasten mußten wir tragen; in einem Winkel des Hofes war ein Berg großer schwerer Steine, und während die eine Hälfte der Strafgefangenen exerzierte, mußte die andere Hälfte die Steine in die andere Ecke des Hofes tragen; dann mußten wir tiefe Gruben auswerfen und sie wieder zuschütten; kleine Steine luden wir auf Karren und fuhren sie nach einer Ecke des Hofes, dann schafften wir sie wieder zurück. Es war ein Leben wie die Verrückten, die Narren, und verrückter und närrischer waren die, welche es uns befahlen.[57]

Im Sommer unter der kochenden Hitze der Sonne, die uns das Gehirn versengte, da es streng verboten war, im Schatten der Einfassungsmauer zu arbeiten; im Winter unter der entsetzlichen Kälte, dem klatschenden Regen, dem Sturm ausgesetzt, daß uns Hände und Gesicht anschwollen, da es streng verboten war, sich an der Dezember-, Januar- und Februarsonne zu wärmen – so konnte man krank niedersinken; so sorgten jene teuflischen Menschenfreunde für unser Wohlergehen; verflucht seien sie!!!

Fortwährend gequält, schlecht gekleidet, ungenügend ernährt, unsauber, zehn Stunden täglich mit schwerer Arbeit geplagt – es war ein Leben, um sich umzubringen. Wiederholt wurde ich in eine einsame Zelle in Ketten gelegt und an die Wand gebunden, weil ich während des zehnstündigen Exerzierens einige Male gesprochen hatte. Es würde ein Mann von Genie, von Bildung und Gelehrsamkeit seine Feder leihen müssen, um die Gräuel dieser elenden Gruft zu schildern, um die schändlichen tyrannischen Herzen jener Tyrannen und die Selbstverleugnung, den Mut, die Ergebenheit der armen Kinder des Unglücks zu kennzeichnen.

Italien! Du großer Name, Du große, freie und unabhängige Nation! Aber die meisten, die Du so als freigebige Mutter ernährst, sind Tyrannen, Despoten, Schinder, und dadurch, daß Du sie duldest, erniedrigst Du Dich zur ehrlosen, hündischen, gemeinen Dirne.

Sechs Monate meiner Strafe waren verstrichen, ich stellte mich dem Kommandanten vor und sagte ihm, daß ich unschuldig verurteilt wäre, er antwortete:

»Faule Ausrede!«

Ich bat ihn, mir zu gestatten, daß ich eine Eingabe an das Militärgericht zu Salerno richtete, und er erlaubte es.

Nach drei langen Monaten wurde mir von der Staatsanwaltschaft die Mitteilung, daß der Korporal Alfonso S… am 2. Januar 1879 zu sieben Jahren Gefängnis und zur Degradation verurteilt worden sei und zwar wegen Insubordination, begangen durch Absendung eines anonymen Briefes an den Feldwebel V… und wegen falscher und verleumderischer Aussagen gegen mich. Von meiner Vernehmung war vom Gericht abgesehen worden.

Und wer entschädigte mich für das Jahr Gefängnis, das nun bald verbüßt war? Wer tröstete mich für die Leiden, die ich erduldet?

Die Hand Gottes.