Eine Nacht war ich auf Wache, ich hatte etwas viel getrunken, es war im Sommer, ich litt unter der Hitze, und ob es daher kam oder von dem Wein, ich wurde sehr müde, setzte mich nieder und schlief mit dem Gewehr im Arme ein. Bald darauf werde ich geweckt, jemand klopft mich auf die Schulter; ich springe auf und sehe den Hauptmann.
»Das ist unrecht, Sie dürfen sich nicht vom Schlaf übermannen lassen – es ist ein schweres Verbrechen, auf Wache zu schlafen. – Ist Ihnen nicht wohl?«
»Nein, Herr Hauptmann, ich habe starke Kopfschmerzen.«
»So rufen Sie den dienstthuenden Sergeant und geben Sie mir so lange Ihr Gewehr.«
Ich gab ihm mein Gewehr, er nahm es und ging damit hin und her, ich ging zur Wachtstube und kam mit dem Sergeant zurück. Der Hauptmann sagte ihm, daß ich krank sei und befahl, mich ablösen zu lassen.
So geschah es, ein anderer nahm meinen Posten ein, ich ging in's Bett.
Derartiges kam öfter vor, der Hauptmann bestrafte nie; die Soldaten, die im süßesten Schlummer ihr Bett verlassen mußten, klagten nicht, sondern erwiesen sich als gute Kameraden.
Man muß wissen, daß ein Soldat, der auf Wache einschläft, mit sechs Monaten Kerker bestraft wird.
Es würde die Feder eines Francesco Mastriani erfordern, und die anderer Männer von Genie, um diese Strafkompagnie und ihre Mitglieder zu beschreiben, und um meine klassischen Abenteuer während der vier langen Jahre, die ich dort war, zu schildern; dicke wundersame Bände ließen sich darüber schreiben. Ich beschränke mich darauf, die bemerkenswerteren und unterhaltenden Vorfälle kunstlos niederzuschreiben, und bitte Euch, Nachsicht zu üben, denn ich habe wenig oder nichts gelernt und kenne fast nichts, deshalb bitte ich den wohlwollenden und gebildeten Leser um Nachsicht.
Unser acht Soldaten schlossen uns in enger Freundschaft zusammen: meine Gefährten waren intelligente und gebildete junge Leute; einige Stunden des Tages studierten wir zusammen, besprachen wissenschaftliche Fragen mit regem Eifer, lasen Romane, weltgeschichtliche Darstellungen und Zeitungen, und organisierten eine regelrechte Polemik untereinander: wir machten Verse, Oktaven, Kanzonen, Sonette, die unter einander gelesen, kritisiert, verbessert und umgearbeitet wurden; zur Poesielehre hatte ich einen gewissen Neapolitaner Carlo Frol… Pag…, in der Litteratur unterrichtete mich Luigi Mastr…, ebenfalls ein Neapolitaner, in der Kritik und Geschichte ein Piemontese Namens Alt…