Die Sache wurde gemeldet und Liur… wegen Insubordination vor Gericht gestellt; er bat mich, als Entlastungszeuge zu dienen.
Mein Arrest ging zu Ende, ich wurde in Freiheit gesetzt; ich erkundigte mich nach dem Schicksal des Liur…, niemand wußte, daß er das anonyme Schreiben verfaßt hatte, nur Cec… und Scar… traten gegen ihn auf, und beide waren von früherher mit ihm verfeindet.
Ich dachte: Bin ich nicht auch angeklagt und ungerecht verurteilt worden? Hatte denn jenes schändlichste Ungeheuer, der Korporal S…, Recht mit seiner Aussage? Ist es nicht denkbar, daß auch Liur… unschuldig verdächtigt und verleumdet war? Genügt die Überzeugung von der Schuld eines Menschen, um ihn zu verurteilen und ist ein solches Urteil wissenschaftlich und unanfechtbar?[59]
Ich beschloß der Sache auf den Grund zu gehen, und da ich sah, daß Cec… und Scar… ein Herz und eine Seele waren, so nahm ich mir vor, den einen durch den andern entlarven zu lassen.
Ich rief den Soldaten Cec… und sagte:
»Cec…, wir sind gute Freunde, ich weiß, daß Du aus guter Familie bist; hier in der Kompagnie sind lauter ungebildete Burschen, lauter entlassene Sträflinge (als ob ich aus dem Colleg herkäme); wie wäre es, wenn wir ein treues Freundschaftsbündnis schlössen und zusammen lebten?«
»Mit Vergnügen, lieber M…, aber ich muß Scar… sprechen, mit dem ich, wie du weißt, seit langem zusammen lebe.«
»Sehr wohl, sprich mit Scar…«
Am Abend sah man uns alle drei zusammen essen und trinken, die Freundschaft war besiegelt. So vergingen mehrere Tage, Liur… war nach dem Militärgefängnis zu Venedig geschafft und hatte mich als Entlastungszeugen angegeben; der Tag der Verhandlung kam immer näher.
Ich sagte beim Promenieren zu Cec…: