Ohne ein Wort zu sagen ging Mastr… vorbei, kam mit seiner Decke zurück und ging wieder heraus. Es war Winter, es schneite in großen Flocken, im Hof lag der Schnee zwei Handbreit hoch und unaufhörlich senkten sich die Flocken herunter.

Alles war still, einförmig drangen die Schritte des Nachtpostens an mein Ohr.

Der Lieutenant kam nicht, schon war es ein Uhr, die Grabesstille, das Schneien, das Dunkel und die jetzt lauten, jetzt verhallenden Schritte der Schildwache machten mir Furcht, vor meinem furchtbaren Entschluß wurden Herz und Seele matt.

Jetzt schlug es zwei, ein verteufelter Lärm entstand in der Wachtstube, ein Kommen und Gehen von Soldaten, Waffengeklirr, ich trat an die Fensterbrüstung und sah zur Wachtstube herein, da erblickte ich bewaffnete Soldaten, zwei Korporale und einen Sergeanten; sie kamen herein unter Anführung des Lieutenants mit dem Affengesicht, sie stiegen die Treppe hinauf.

Die Sache ist nicht richtig, dachte ich, ziehe die Stiefel aus und renne barfuß in meine Kammer.

Den Dolch versteckte ich in dem Strohsack, entkleidete mich rasch und zog die Bettdecke über, dann that ich, als ob ich friedlich schlief. Der Lieutenant trat ein mit seiner Begleitung, die Betten wurden gezählt, an mein Bett trat er heran, lüftete die Bettdecke und sah mich an.

Am andern Morgen, als uns in der Instruktionsstunde das neue Gewehr, Modell 1870 Wetterli, erklärt wurde, rief der Lieutenant mich heraus.

»M…«, sagte er, als wir allein waren, »Sie haben gestern Nacht versucht, mich zu ermorden.«

»Ich, Herr Lieutenant! ich hätte versucht, Sie, einen Vorgesetzten zu ermorden?«

»Genug, M…, ich weiß alles, bedenken Sie, daß ich eine zahlreiche Familie zu ernähren habe, die ohne mich, da ich kein Vermögen habe, ihr Brot auf der Straße erbetteln müßte. Ich meinerseits habe gefehlt, indem ich Sie öfter getadelt und gemeldet habe, Sie, indem Sie das große Verbrechen auf sich luden, mich ermorden zu wollen. Jetzt ist alles aus, ich werde die Sache begraben sein lassen, thun Sie dasselbe, wir wollen gute Freunde bleiben, einverstanden, M…?«