Man führte mich in das Gerichtsgebäude, das neben dem Gefängnis lag; ich nahm auf der Anklagebank Platz, der Staatsanwalt, in seine große schwarze Toga gekleidet, sah mich an und ein spöttisches Lächeln umspielte seine krummen Lippen.
Die Richter nahmen ihre Plätze ein; der Vorsitzende war der Oberst vom 8. Infanterie-Regiment; mein Verteidiger sah mich mit thränenfeuchtem Blick an.
Der Präsident sagte:
»Stehen Sie auf, M… und sagen Sie uns, weshalb Sie der Aufforderung, zum Regiment zurückzukehren, nicht Folge geleistet haben.«
»Erlauchter Herr Präsident, mein gnädiger Herr Richter! Sie haben einen unglücklichen Menschen vor sich, der vierzehn lange Jahre hindurch vom Geschick grausam verfolgt worden ist, vierzehn entsetzliche Jahre lang hat meine Seele keine Ruhe gefunden; beim Zivil bin ich zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, die ich in düsteren Kerkermauern unter schwersten Entbehrungen verbracht habe – als Soldat bin ich in Florenz aus nichtigen Gründen zu drei Jahren Arrest verurteilt, und in dem Pandämonium zu Savona habe ich sie abgebüßt und mein Leben dadurch um zwanzig Jahre verkürzt.
In Salerno wurde ich unschuldig verurteilt, unschuldig in Gott, wegen der Schändlichkeit eines Korporals und der Blindheit der Richter, und unschuldig, ja unschuldig, meine Herren, sperrt man mich ein langes Jahr in eine entsetzliche Festung.
Der ehrenwerte Herr Staatsanwalt weiß, daß ich die Wahrheit sage, er kann es bezeugen, daß ich unschuldig war, er hat selbst die Verurteilung des Korporals Alfonso S… beantragt, wegen Verleumdung und falscher Aussage wider mich. Der Herr Staatsanwalt kennt meine schmerzensreichen Abenteuer; er war bei allen meinen Verurteilungen zugegen, und ich habe wie ein wrackes Schiff, das den schäumenden Wogen überlassen ist, titanenhaft kämpfen müssen, um nicht unterzugehen. Was wollen Sie jetzt noch, weshalb verfolgt mich die unerbittliche Schärfe des Gesetzes?
Wollen Sie mein erbärmliches Leben?
Nehmen Sie es, meine Herren, nehmen Sie es hin; ich gebe es Ihnen, nehmen Sie mich ganz, diesen Haufen von Knochen, an dem das Unglück sein Werk gethan, die Seele, die …«
»Genug, M…, genug! Beruhigen Sie sich, wir sind nicht von Stein«, unterbrach mich der Präsident gerührt.