Ich wurde wieder gesund und ging meinem gewöhnlichen Leben und häuslichen Gewohnheiten nach, ich kam zum Essen; oben am Tisch saß die brave Donna Michela, die Brüste hingen heraus, das Haar baumelte ihr bis auf die Nase, die Hände waren dreckig und schwarz, das Kleid schmierig und zwei Rotzlichter flossen ihr aus der Nase; ihre halbverhungerten Kinder waren auch da, mit ihren Köpfen voller Patz und Läuse, ihren Rotznasen und Triefaugen; gierig schmatzend schlangen sie den elenden Fraß hinunter.
Täglich beklagte sich der Schwachkopf bei dem üppigen Mahl, daß er etwas im Essen fand, lange Haare, Stücke Stroh oder Holz, Fliegen oder Mistkäfer; dann wieder schimpfte er, daß das Essen nicht gar oder versalzen war, und seine Klagen waren gerechtfertigt, wie ich bezeugen kann, aber Donna Michela sagte:
»Wenn Dir das Essen schmeckt, so iß; wenn nicht, geh in's Wirtshaus.«
Eine alte schiele Vettel mit eitertriefenden Augen, schmierig und schmutzig zum Übermaß trug das Essen auf, das sie und die säuische Donna Michela gekocht hatte.
Ich konnte nicht über meine zwei Soldi für Tabak verfügen, ich durfte kein Stück Brot annehmen; alles ging durch die Hände der Donna Michela, ich war immer zurückhaltend gegen das bösartige Weibstück und ließ mich nicht mit ihr ein. In meinem Bruder Michele fand ich die ganze Erbärmlichkeit des Mannes, in der Donna Michela die ganze Schlechtigkeit des Weibes.
Ich überlegte, was mir von einem Tag zum andern bei diesen beiden Dummköpfen begegnen konnte, hauptsächlich von der Verworfenheit und Bosheit der Spilingotin, und ich beschloß, mich von ihnen zu trennen.
Als rücksichtsvoller Mensch teilte ich meinem Bruder mit, daß ich mich von ihnen trennen und für mich allein leben wollte. Mein Bruder willigte ein, und so gingen wir auseinander.
Ich dachte ernstlich über meine Lage nach und fand sie höchst traurig; in allem mußte ich mich allein bedienen, – that ich das nicht, so war ich in vierzehn Tagen voller Läuse.
Mein Bruder liebte in mir nicht den Bruder, sondern seinen Vorteil, er wäre froh gewesen, wenn ich mir den Hals gebrochen hätte, damit er noch das Wenige nehmen könnte, das mir mein verstorbener Vater hinterlassen hatte; um seines Vorteils willen hätte der hinterlistige Mensch, mit seinem Herzen so schwarz wie die Nacht, seine Söhne verraten oder umgebracht, um seines Vorteils willen hätte er sein Weib zur Hure gemacht, um seines Vorteils willen hätte er seine Ehre dahingegeben, wenn er eine besessen hätte, ja sein Leben.
Und verdient dieses Vieh den Namen Mensch?