Meine Schwester schrieb an Herrn Diego P… und nannte seine Tochter eine Dirne; die Spilingoten, mein Bruder, sein Weib, meine Verwandten fielen über mich her und Monate lang wurde ich von den Verfolgungen dieser verfluchten Brut gequält.

Da ich mich nicht mehr halten und in meinem niedergeschlagenen Geist keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte, so ging ich alle Abend nach der Droguerie Cal…, wo sich die Honoratioren von Parghelia zusammen fanden; ihnen stellte ich mein Unglück vor und bat sie:

»Meine Herren, ich kehre zur Gesellschaft zurück, geben Sie mir einen Rat; meine Verwandten beleidigen mich schwer,« und ich erzähle ihnen, was ich zu erdulden hatte; die braven, ehrenwerten Herren rieten mir zur Klugheit und ich folgte ihren vorzüglichen Ratschlägen wörtlich.

Dann begab ich mich nach der Pharmacie des V… und auch hier bat ich die Herren um Rat.

Die Donna Michela kam mir öfter mit den Fäusten ins Gesicht, ich litt es geduldig und noch viel, viel mehr, so daß ich tagelang erzählen könnte. – Mein unglücklicher Onkel starb und hinterließ mir zwei Zimmer, die mit denen meines Bruders gemeinschaftlichen Eingang hatten. Und wollt Ihr es glauben? Eines Abends, als ich nach Hause kam, verschlossen sie mir die Thür, ich klopfte mehrere Male; aber von innen hörte ich mehrere Stimmen rufen: »Fort, Du Mörder! Dies ist nicht Dein Haus!« Und sie brüllten, so laut sie konnten. Und meint Ihr, daß ich mich erregte? Nein, ruhig zog ich zur Droguerie Cal… und erzählte dort den Vorfall und bat die Herren um Rat, und sie rieten mir, zum Bürgermeister zu gehen und im Namen des Gesetzes Einlaß zu fordern; das that ich, und so konnte ich unter meinem Dach schlafen.

Als ich im Gefängnis war und zu fünf Jahren verurteilt war, heiratete meine Schwester, mein Bruder heiratete auch, und das väterliche Erbteil gelangte zur Verteilung.[66]

An eine Seele.

Du bist im Jenseits, entweder im Reiche der Glücklichen oder im tiefen Abgrund der Sünde; glaube es, meine Seele, mein Gedanke, meine Erinnerungen an ehemals sind mir ein furchtbarer Traum; denkst du noch an den unheilvollen Tag? An jenen Augenblick, wo unsere Sünden sich vereinten, um gegen die Natur zu kämpfen, trotz der schwachen, irdischen Materie; – sprich, o meine Seele, hast du mich denn damals verflucht? Hast du den Hauch eines leuchtenden Augenblicks empfunden? Kannten sich unsere Seelen in der unermeßlichen Leere des Äthers? Und du weissagtest, daß unsere Seelen mit einander kämpfen werden? Und wer weiß es? Du sicherlich nicht, und wenn ein Funke des Bewußtseins im Spiegel deiner Seele erschienen ist, so ist er nicht von mir ausgegangen – nein, schön und häßlich kann nicht eins sein, nicht der Traum und das Wachen, der Geist der Hölle und des Lichtes; die Finsternis kann nicht das Gestirn des Tages erzeugen.

Es ist die Wahrheit. Und du, o meine Seele, siehst du mich von dort, schauen deine Augen das geheimnisvolle Drama des nichtigen Daseins? Siehst du es, das Ich des ewigen Lebens? Kannst du durch den ungeheuren Raum schweifen, durch die Unendlichkeit fliegen und meiner Seele dich nahen?