»Dann thun Sie mir den Gefallen und sagen Sie dem Camorristen du jour, daß ich um eine Unterredung mit ihm bitten lasse.«

»Wir haben hier keinen Camorristen du jour, das Haupt der Gesellschaft macht hier alles.«

»Wie?« rief ich verwundert aus, »eine Societa del Diritto, die aus mehr als zwei Genossen besteht, hat keinen Camorristen du jour? Das ist mir neu, sehr neu, trotzdem ich nicht gerade wenig weiß.«

»Wir machen hier alles selbst, wir beraten alles zusammen, und je mehr einer weiß, desto besser ist es für ihn.«

»Bravo, mein Picciotto, bravo, tausendmal bravo! Wir machen alles selbst – also alles macht ihr selbst! Ihr braucht niemand Rechenschaft zu geben von dem, was ihr thut. Was für eine Bande seid ihr denn? Nicht übel: »wir machen alles selbst«. Dann werden also auch die Picciotti bei Euch zur Versammlung zugelassen?«

»Natürlich; der Picciotto wird zuerst zugelassen.«

»Nun sagen Sie mir, lieber Picciotto, welches sind die Pflichten eines Picciotto di sgarro, seine Funktionen und die Beziehungen, die er zur Gesellschaft haben soll?«

»Das weiß ich nicht, denn ich kann weder lesen noch schreiben, ich gehorche den Befehlen, die mir meine Genossen geben.«

»Nun, dann will ich es Ihnen sagen. Die Pflichten eines Picciotto di sgarro sind, entweder zu betrügen oder betrogen zu werden; haben Sie verstanden?… Aber nun marsch! Nachher werden wir uns wiedersehen!«

Er ging verdrießlich ab. Fünfzehn Gefangene nahmen ihn in die Mitte und umringten ihn. Es waren die Camorristen, welche die Gesellschaft ausmachten und ich glaube, daß der elende Picciotto erzählte, was ihm bei mir begegnet war.